Deutscher Gewerkschaftsbund

Sexismus und Homophobie

 

Argumente gegen Vorurteile:

Sexistische und homophobe Sprüche begegnen uns im Alltag in vielen Situationen. Bei Gesprächen mit Freund_innen und Bekannten, in der politischen Arbeit, am Schulhof oder in der Familie werden Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die viele Menschen benachteiligen. Auch Medien und Gesellschaft vermitteln stereotype Verhaltensmuster. Ein nicht gendergerechter Sprachgebrauch ist Ausdruck dieser alltäglichen, männerdominierten Diskriminierung. Um den Ausgrenzungsformen wirkungsvoll begegnen zu können, wollen wir mit Argumenten gegen Vorurteile aufräumen.

These 1 - Gendergerechte Sprache ist unnötig.

Sprache ist Kommunikationsmittel, kulturell geprägt und untrennbar mit politischen und sozialen Gegebenheiten verknüpft. Sie kann somit diskriminieren und vorherrschende Bilder und Normen bestätigen. Mit dem „generischen Maskulinum“ im deutschen Sprachgebrauch werden Frauen und Mädchen oft diskriminiert, indem sie nur „mit gemeint“, aber nicht explizit genannt werden. Selbst wenn sie präsent gemacht werden, werden sie oft als zweitrangig dargestellt (z.B. „Romeo und Julia“) oder systematisch abgewertet, mit Wörtern wie „Klatschtante“, „Schlampe“, „Blondine“ oder „Quotenfrau“, zu denen es kein männliches Gegenstück gibt. Mit einem nicht diskriminierenden Sprachgebrauch werden Frauen und Mädchen gleichwertig sichtbar gemacht.

Veränderung der Sprache ist generell möglich. Sie wird sowohl von Regeln wie auch von Sprachgewohnheiten initiiert. Sprache lebt und verändert sich. Geschlechtergerechte Sprache ist keine sprachliche Spitzfindigkeit, sondern trägt zur sozialen und rechtlichen Gleichstellung von Frauen und Mädchen bei.

These 2 – Gleichberechtigung? Wir haben doch schon alles erreicht.

Trotz rechtlicher Gleichstellung von Frauen und Männern haben Frauen noch immer in bestimmten Bereichen deutliche Nachteile. So sind Frauen zum Beispiel in Führungspositionen in der Arbeitswelt, der Politik und der Gesellschaft erheblich unterrepräsentiert, im Erwerbsleben vielfach immer noch benachteiligt und haben vor allem nach einer Familienphase durchschnittlich erheblich geringere Einkommen und Renten als Männer. Auf der anderen Seite sind Männer im Bereich der Familienarbeit und Kindererziehung wenig präsent und selten in sozialen Berufen anzutreffen. Für eine partnerschaftliche Lebensgestaltung ist es wichtig, dass sich Frauen und Männer verstärkt in Bereiche einbringen (können), die bisher vorwiegend dem anderen Geschlecht vorbehalten sind oder von diesem gewählt wurden.

These 3 – Homosexualität ist nicht natürlich.

Es ist eines der Hauptargumente von Gleichstellungsgegner_innen, wonach die Partnerschaft zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts nicht dem Willen der Natur entspräche. Die gleichgeschlechtliche Orientierung ist bei vielen anderen Arten auf dem Planeten wissenschaftlich nachgewiesen und keineswegs wider der Natur. Liebe und Anziehung haben nichts mit einem bestimmten Geschlechtsteil zu tun, sondern mit dem Menschen, der dahinter steht – egal ob Transgender, Frau oder Mann. Auch wenn Paare gleichen Geschlechts die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft haben, so bleibt ihnen die Form der Ehe im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern weiterhin verwehrt. Gerade die Ehe ist aber ein soziales Konstrukt, also eine eingeführte und gesellschaftlich anerkannte Institution. Wenn mit dem Argument „Natur” gegen die Rechte von Menschen argumentiert wird, so wird dahinter einzig und allein die Homophobie und Intoleranz kaschiert.

These 4 – Kinder brauchen Mutter und Vater.

Zunächst ist Ziel und Zweck einer Partnerschaft nicht die Zeugung von Kindern. Die Zeugungsfähigkeit ist auch kein Kriterium für die Eheschließung oder Partnerschaft von heterosexuellen Paaren. Dennoch sollte es auch Paaren gleichen Geschlechts möglich sein, Kinder zu adoptieren. Wissenschaftliche Studien und Untersuchungen widerlegen, dass Kinder eine Mutter und einen Vater für eine gesunde Entwicklung benötigen. Auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen haben Kinder Bezugspersonen von beiden Geschlechtern und das gesunde Großwerden sowie Kindeswohl ist nicht von der Familienzusammensetzung, sondern von Liebe, Fürsorge und Geborgenheit abhängig.

Argumente gegen Vorurteile

DGB-Jugend Bayern

Was ist eigentlich….

Diskriminierung...
meint die herabsetzende Behandlung von Menschen aufgrund von Merkmalen wie(soziale) Herkunft, Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Religion. Diskriminierendes Verhalten zeigt sich im Alltag, z.B. in der Schule, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch auch Medien, Gesetze oder öffentlichen Einrichtungen verhalten sich zum Teil diskriminierend. 

Im Rassismus...
werden Menschen als einer vermeintlich geschlossenen Gruppe zugehörig behandelt. Wegen dieser angenommenen Zugehörigkeit werden ihnen unveränderliche Merkmale und Eigenschaften unterstellt. Die Gruppen werden meist nach angeblich äußerlichen, kulturellen, religiösen oder ethnischen Kriterien klassifiziert. Anhand dieser Einteilung bewertet der Rassismus die Menschen und hierarchisiert Gruppen von Menschen.

Alltagsrassismus...
ist die Übernahme vonrassistischen Denkmustern und Verhaltensweisen in alltägliche Situationen - in der Schule, im Beruf und auf der Straße. Hinter rassistischen Handlungen und Denkweisen liegen in der Regel Machtstrukturen. Diese verfestigen sich in einem schleichenden „Normalisierungsprozess“. Rassismus, ob in Form von Witzen, Beleidigungen oder auch handfesten Ausschlussmechanismen wird dann nicht mehr hinterfragt.

Als Sexismus...
wird die auf das Geschlecht (lat. sexus) bezogene Diskriminierung bezeichnet. Unter dem Begriff werden Geschlechterstereotype, Affekte und Verhaltensweisen gefasst, die einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern zur Folge haben oder darauf hinwirken. Sexismus ist in vielen westlichen Ländern Gegenstand von Gesetzgebung und Sozialforschung, insbesondere der Gender Studies und der Vorurteilsforschung. Der Begriff ist eine aus dem Englischen kommende Parallelbildung zu racism (Rassismus), die als sexism in der US-amerikanischen Frauenbewegung der 1960er Jahre geprägt wurde. Mit Ausnahmen konzentrierte sich die Forschung auf Sexismus gegenüber Frauen. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass Sexismus auch Männer sowie transgender, transsexuelle und intersexuelle Personen betreffen kann. Als zentrale Dimension des modernen Sexismus wird die Leugnung fortgesetzter Diskriminierung von Frauen verstanden.

Heterosexismus...
meint ein Denk- und Verhaltensschema, das verunglimpft, was nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Wie beim Sexismus wird angenommen, dass es „nur“ zwei Geschlechter gibt. Diese würden sich prinzipiell voneinander unterscheiden und deshalb ergänzen. Einer Anziehung der Gegensätze folgend, bildet sich demnach eine natürliche heterosexuelle Orientierung aus. Umgekehrt werden transsexuelle, intersexuelle oder auch androgyne Personen, die sich nicht auf ein biologisches Geschlecht (engl. sex) festlegen wollen, als gesellschaftliche Abweichung zur Norm klassifiziert.

Homophobie...
ist eine Erscheinungsform des Heterosexismus. Sie meint die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Dahinter steht eine irrationale, weil sachlich nicht zu begründende Angst: Gilt die Gesellschaft als „normalerweise“ zweigeschlechtlich, kann Homosexualität die eigene Identität in Frage stellen. Abwehrende Diskriminierung und körperliche Gewalt gegen homosexuelle Menschen können die Folge sein.


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