Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 71 - 03.12.2015

DGB-Ausbildungsreport Bayern zeigt: Betriebe müssen an ihrer Ausbildungsreife arbeiten

Große Unterschiede in den Branchen, Azubis mit Migrationshintergrund benachteiligt

Branchenspezifische Qualitätsunterschiede, regelmäßige Gesetzesverstöße und schlechtere Ausbildungsbedingungen für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Das sind die zentralen Ergebnisse des heute veröffentlichten Ausbildungsreports Bayern 2015 der DGB-Jugend Bayern. Für diesen repräsentativen Report wurden diejenigen befragt, die es am besten wissen müssen: nämlich 1.806 Azubis. Die DGB-Bezirksjugendsekretärin Astrid Backmann stellt fest: „Die Betriebe müssen an ihrer eigenen Ausbildungsreife arbeiten.“

Auch wenn die meisten Auszubildenden (76,7 %) in Bayern mit ihrer Ausbildung zufrieden sind, gibt es erhebliche branchenspezifische Unterschiede. Am wenigsten zufrieden sind die Azubis im Hotel- und Gaststättengewerbe, Einzelhandel, Lebensmittelhandwerk, in der (Zahn-)Medizin und im Friseurhandwerk. Besonders auffallend ist das schlechte Ergebnis der Elektroniker, die in diesem Jahr im hinteren Teil des Rankings liegen, obwohl sie im Vorjahr noch in der Spitzengruppe zu finden waren.

„Es sind leider keine Einzelfälle, dass Azubis ständig Überstunden schieben oder ihre Ausbildungszeit damit verbringen, den Dienstwagen des Chefs zu putzen. Unser Ausbildungsreport belegt das“, sagt Backmann. 44 % der befragten Azubis berichten über regelmäßige Überstunden. Von den Jugendlichen unter 18 Jahren arbeiten 15 % regelmäßig über 40 Stunden pro Woche. Backmann: „ Das ist ein klarer Verstoß gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz, der geahndet werden muss.“ Und die Jugendlichen berichten von weiteren Problemen wie ständigen ausbildungsfremden Tätigkeiten (12 %) oder die fehlende fachliche Anleitung durch einen Ausbilder im Betrieb (9 %). „Nachwuchsförderung geht anders“, sagt Backmann.

Der thematische Schwerpunkt des Ausbildungsreports liegt in diesem Jahr auf Azubis mit Migrationshintergrund. Sie sind mit Ausnahme des Zerspanungsmechanikers in den Ausbildungsberufen mit den besten Bewertungen deutlich unterrepräsentiert: Nur knapp 14 % der angehenden Mechatroniker oder Industriekaufleute haben einen Migrationshintergrund. Überdurchschnittlich stark vertreten sind Migranten dagegen in den Berufen, die bei der Bewertung der Ausbildungsqualität tendenziell schlechter abschneiden. Einen Migrationshintergrund haben rund 60 % der Azubis in der Zahnmedizin, gefolgt vom Einzelhandel (50 %), dem Friseurhandwerk (42 %) und dem Lebensmittelhandwerk (40 %). Jeder vierte Azubi mit Migrationshintergrund fühlt sich wegen seiner Herkunft benachteiligt.

Backmann blickt nach vorne: „Gute Ausbildungsstandards und eine gute Ausbildungsqualität in Bayern branchenübergreifend zu sichern, ist eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre. Dazu braucht es ein funktionierendes niedrigschwelliges Beschwerdemanagement für Azubis sowie wirksame Kontrollen durch Kammern und Staatsregierung, um die Gesetzesverstöße bei der Ausbildung einzudämmen. Jeder Jugendliche hat das Recht auf eine qualitativ gute Ausbildung, egal welcher Herkunft oder Nationalität. Schmalspurausbildungen, zum Beispiel für Geflüchtete, sind mit uns nicht zu machen.“

Die DGB-Jugend Bayern ist vom 7. bis 10. Dezember 2015 mit einem großen Infostand auf der Berufsbildungsmesse in Nürnberg vertreten. Künftige Azubis und ihre Eltern haben die Möglichkeit, sich mit unseren jungen DGB-Ausbildungsexperten, selbst ehemalige Azubis, über Themen wie Ausbildungsqualität, Azubi-Rechte und Verdienst auszutauschen.


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