Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 02 - 31.01.2017

Bayerischer Arbeitsmarkt: Mehr als 84.000 Menschen trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen

Jena: Investitionen in aktive Arbeitsmarktpolitik, Krippenausbau und Förderung der beruflichen Qualifizierung sind Gebot der Stunde

Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, stellt anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen fest: „In Bayern sind derzeit 84.152 Menschen trotz Arbeit zusätzlich auf Hartz IV-Leistungen angewiesen. Ein erheblicher Teil dieser ‚Aufstocker‘ hat nur einen Minijob: 28.070 Personen sind ausschließlich geringfügig beschäftigt.“

„Es ist untragbar, dass so viele Menschen trotz der guten wirtschaftlichen Lage in Bayern von ihrer Arbeit nicht leben können“, erklärt Jena. „Ein besonderes Problem stellen Minijobs dar. Der Minijob ist keine Brücke in reguläre Beschäftigung, sondern ein Armutsrisiko.“ Besonders für Frauen nach der Familienphase, die den Wiedereinstieg in sozialversicherte Arbeit suchen, wird der Minijob häufig zur Sackgasse. Minijobs bieten keine Perspektive auf Qualifizierung und Aufstieg im Beruf.

Bei geringfügiger Beschäftigung werden keine oder nur eingeschränkte Ansprüche für die gesetzliche Sozialversicherung erworben und dies oft über viele Jahre.
„Die bayerischen Jobcenter müssen sich daher dringend stärker für die Beschäftigten im Leistungsbezug engagieren“, fordert Jena. „Wer sich in einer beruflichen Einbahnstraße befindet, braucht mehr Unterstützung statt Druck und Sanktionen. Dazu sind mehr Angebote der aktiven Arbeitsmarktpolitik nötig, insbesondere der beruflichen Qualifizierung muss eine zentrale Rolle zukommen.“

„Studien zeigen deutlich, dass viele Menschen in Minijobs gerne mehr arbeiten würden.“ Für Jena ist deshalb klar: „Unser Ziel ist, dass mehr Minijobs in sozialversicherte Arbeit umgewandelt werden. Der DGB hat hierzu mit dem ‚Reformkonzept Minijob‘ Lösungsvorschläge unterbreitet.“

Matthias Jena sieht aber auch den Freistaat und die Kommunen in der Verantwortung: „Weit über die Hälfte der geringfügig Beschäftigten, die gezwungen sind aufzustocken, sind Frauen. Viele von ihnen leisten Familien- und Pflegearbeit, so dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Stunden arbeiten können. Deshalb muss die Betreuungs- und Pflegeinfrastruktur so ausgebaut werden, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter zu meistern ist. Insbesondere bei der Betreuung der unter Zweijährigen hinkt Bayern nach wie vor dem Bundesschnitt hinterher.“

Zum Jahresbeginn 2015 wurden bundesweit rund 100.000 Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt. „Das ist ein positiver Effekt des Mindestlohns“, betont Jena. „Der Mindestlohn wirkt, allen Unkenrufen zum Trotz. Aber auch die Jobcenter sind in der Pflicht, sich stärker um Aufstocker zu kümmern. Arbeit muss vor Armut schützen und da gibt es noch einiges zu tun.“


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