Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 43 - 11.10.2017

Betriebliche Weiterbildung in Bayern: Wer hat, dem wird noch mehr gegeben?

DGB fordert bayerisches Landeskonzept für die Fort- und Weiterbildung

Der heute von der Staatsregierung vorgestellte Kurzbericht zur betrieblichen Weiterbildung in Bayern (IAB-Betriebspanel Bayern 2016) zeigt einmal mehr, dass nicht alle Beschäftigten im Freistaat gleichermaßen von Weiterbildungsangeboten profitieren. Vor allem Geringqualifizierte bzw. Beschäftigte in einfachen Tätigkeiten (19 Prozent) und ältere Beschäftigte über 50 Jahre (ca. 25 Prozent) nehmen viel seltener an Weiterbildungen teil als Hochqualifizierte (50 Prozent). Mit höherem Bildungsstand steigt die Chance auf Weiterbildung, ebenso mit der Betriebsgröße, der Zahl der Beschäftigten und der Tarifbindung eines Betriebs.

Dazu erklärt Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern: „Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) spricht von einem ungebrochenen Matthäus-Prinzip bei der Weiterbildung in Bayern: Wer hat, dem wird noch mehr gegeben. Es kann doch nicht sein, dass die, die Weiterbildung besonders dringend brauchen, keine bekommen. Leider erschwert der Freistaat Bayern seinen Bürgern die Teilnahme an individuellen Weiterbildungsangeboten noch zusätzlich. Außer Sachsen ist Bayern das einzige Bundesland, das Beschäftigten die Möglichkeit eines gesetzlichen Bildungsurlaubs verweigert und so auch noch internationales Recht nicht umsetzt.“[1]

Die Zahlen des IAB zeigen, dass die Weiterbildungsquote in Bayern seit 2001 zwar zunächst stark gestiegen ist, allerdings seit drei Jahren stagniert. Der Wert von 2016 liegt sogar ein Prozent unter dem „Spitzenwert“ von 35 Prozent im Jahr 2014.

„Es darf nicht sein, dass gerade in Zeiten rasanten technologischen Wandels Weiterbildung stagniert. Was die Staatsregierung hier als Erfolg verkaufen will ist in Wirklichkeit ein Armutszeugnis. Kein Mensch in Bayern darf bei der Bewältigung des technologischen Wandels auf der Strecke bleiben. Die Weiterbildungsbeteiligung muss über alle Beschäftigtengruppen hinweg erhöht werden, sonst droht uns eine weitere Entkopplung zwischen bildungsfernen und bildungsnahen Schichten,“ so Jena.

Der DGB fordert die Staatsregierung dazu auf ein Landeskonzept für die Fort- und Weiterbildung unter Einbeziehung der Sozialpartner zu erarbeiten. Zentral sind hierfür für den DGB ein Bildungsfreistellungsgesetz, spezielle Ansprachekonzepte für unterrepräsentierte Gruppen, eine existenzsichernde Weiterbildungsförderung, Lehr- und Lernmittelfreiheit sowie die Zertifizierung von Weiterbildungsangeboten.

[1] Deutschland hat sich bereits 1976 mit der Ratifikation der ILO-Konvention 140 zur Einführung eines bezahlten Bildungsurlaubs verpflichtet.


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