Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 69 - 19.12.2016

Arbeitsmarkt: Positive Effekte des Mindestlohns halten an

Jena: Statt Horrorszenarien Lohnplus und Beschäftigungsanstieg in Bayern

Der gesetzliche Mindestlohn wird erstmals seit seiner Einführung im Januar 2015 angehoben. Er steigt zum 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro pro Stunde. Aus diesem Anlass wirft der DGB Bayern einen Blick auf die Beschäftigten- und Verdienstentwicklung seit Einführung des Mindestlohns. Eine aktuelle Analyse belegt erneut die positiven Effekte.

„Der Mindestlohn hat vielen Beschäftigten in Bayern und bundesweit ein kräftiges Lohnplus beschert“, so Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern. Auch zwei Jahre nach der Einführung des Mindestlohns haben sich die Horrorszenarien der Mindestlohngegner nicht bewahrheitet, so Jena. Im Gegenteil. „Die positiven Effekte auf die Verdienst- und Beschäftigtenentwicklung halten an. Wichtig sind wirksame Kontrollen – auch in kleineren Betrieben, damit der Mindestlohn überall ankommt.“

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns sei nötig geworden, „weil immer mehr Arbeitgeber aus der Tarifbindung aussteigen und ein Lohndumping-Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten stattfindet.“ Ziel müsse es sein, so Jena, dass „zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern wieder mehr Tarifverhandlungen geführt und Tarifverträge abgeschlossen werden.“

Neue DGB-Auswertung zur Beschäftigten- und Verdienstentwicklung seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns

Eine aktuelle DGB-Auswertung neuer Zahlen des Statistischen Bundesamts und der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit belegt die positiven Effekte auf die Verdienst- und Beschäftigtenentwicklung. So sind die Verdienste bei Un- und Angelernten in Bayern seit Einführung des Mindestlohns bis Ende des zweiten Quartals 2016 um 3,5 Prozent gestiegen. Bundesweit ist es ein Plus von 3,9 Prozent (West: + 3,5 Prozent, Ost: + 9,4 Prozent).
Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten insgesamt stieg in Bayern um 5,4 Prozent, bundesweit lediglich um 4,2 Prozent (West: +4,1, Ost: +4,3 Prozent). Erheblichen Zuwachs bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Bayern verzeichnet das Gastgewerbe mit 12,7 Prozent – eine Branche, in der der Mindestlohn besonders relevant ist. Das ergibt die DGB-Auswertung der Zahlen der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit des dritten Quartals 2016 im Vergleich mit dem vierten Quartal 2014.

Minijobs hingegen haben in Bayern seit Dezember 2014 bis Ende des ersten Quartals 2016 um ein Prozent abgenommen (bundesweit: -2,3 Ost: -4,6 West: -1,9 Prozent). Insbesondere die Zahl derer, die ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, ist mit -3,9 Prozent noch deutlicher zurückgegangen (bundesweit: -4,6 Ost: -7,1 West: -4,1 Prozent). Viele der weggefallenen Minijobs sind in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt worden. Minijobs als Nebenbeschäftigung nahmen bundesweit um 2,4 Prozent zu. In Bayern sogar um 3,5 Prozent.


Hinweis: Die Verdienste bei Un- und Angelernten beziehen sich auf sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Sonderzahlungen in der Leistungsgruppe 5 (siehe http://www.statistik-portal.de/Statistik-Portal/VVE/Hinweise.asp).
Was sich bei den Mindestlöhnen ab 2017 ändert, finden Sie hier:
http://www.dgb.de/schwerpunkt/mindestlohn/mindestlohn-erhoehung-was-aendert-sich-ab-2017
http://www.dgb.de/was-bedeutet-der-neue-mindestlohn-2017-fuer-den-minijob


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