Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 61 - 02.11.2016

Ausbildungsbilanz 2016: Betriebe müssen sich für Auszubildende öffnen

Einzelne Branchen bieten wenig attraktive Ausbildungsplätze

Anlässlich der heute veröffentlichten Ausbildungsmarktzahlen plädiert der DGB Bayern für eine nüchterne Betrachtung der Ausbildungsbilanz. 12.039 Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt (2015: 10.737) und trotzdem sind 1.129 Ausbildungsinteressierte (2015: 874, das bedeutet eine Steigerung um 29 Prozent) in Bayern ohne Ausbildungsplatz. „Das Passungsproblem zwischen Ausbildungsplätzen und Bewerberinnen sowie Bewerbern ist hausgemacht. Die Betriebe müssen sich für Auszubildende öffnen. Zugleich müssen einzelne Branchen massiv die Attraktivität der Ausbildungsplätze erhöhen“, fordert Carlo Kroiß, Referatssekretär der DGB-Jugend Bayern.

Das Paradox, dass Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, obwohl Ausbildungsinteressierte noch nach Ausbildungsplätzen suchen, erklärt sich einerseits durch die schlechte Ausbildungsqualität in einzelnen Branchen. Andererseits schreiben Betriebe Ausbildungsplätze verstärkt nur noch für Bewerber und Bewerberinnen mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur aus, sodass Ausbildungsinteressierte mit formal niedrigerer Qualifikation außen vor bleiben. „Wenn die Wirtschaft über fehlende Fachkräfte klagt, dann ist es angebracht, sich endlich für alle Bewerberinnen und Bewerber zu öffnen“, so Kroiß weiter.

Mit der assistierten Ausbildung gibt es bereits ein Instrument zur individuellen Förderung von Auszubildenden. Die Betriebe sollten diese Hilfe annehmen, um die Auszubildenden während ihrer Ausbildung zu unterstützen, anstatt die Anforderungen an potenzielle Bewerberinnen und Bewerber immer höher zu schrauben.

Auch dieses Jahr sind ein Großteil der unbesetzten Ausbildungsplätze im Lebensmittelhandwerk, Einzelhandel und im Hotel- und Gaststättengewerbe. Der Ausbildungsreport der DGB-Jugend Bayern (aktueller Report unter http://bayern.dgb.de/-/hNT) zeigt, dass gerade in diesen Branchen die Ausbildungsqualität seit Jahren schlecht bewertet wird. „Betriebe müssen sich fragen lassen, ob sie genügend für eine attraktive Ausbildung und berufliche Perspektiven tun. Wer schlechte Ausbildungsbedingungen und unattraktive berufliche Perspektiven bietet, muss sich nicht wundern, wenn Ausbildungsinteressierte andere Branchen bevorzugen oder andere Wege wählen“, erläutert Kroiß.

Trotz der grundsätzlich hohen Zufriedenheit von Auszubildenden in Bayern muss die Ausbildung jetzt zukunftssicher gemacht werden. „Wir brauchen eine Ausbildungsgarantie, gute Ausbildungsqualität und berufliche Perspektiven für alle jungen Menschen in Bayern, egal woher sie kommen. Wir dürfen uns nicht auf dem bereits Erreichten ausruhen und die Gelegenheit, jetzt die Fachkräfte von morgen zu qualifizieren, nicht verstreichen lassen“, so Kroiß.


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