Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 21 - 04.05.2017

Bayerische Unternehmen haben Nachholbedarf bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Jena: "Chronisch Erkrankte und Menschen mit einer Behinderung haben Kenntnisse, Fähigkeiten und Talente. Diese wollen sie einsetzen."

Anlässlich des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai fordert Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, die bayerischen Unternehmen auf ihre Anstrengungen zur Integration Behinderter in den Arbeitsmarkt zu verstärken.

Der Anteil schwerbehinderte Menschen an allen Beschäftigten liegt in Bayern bei nur 4,6 Prozent (private Arbeitgeber: 4,0%, öffentliche Arbeitgeber: 6,6%). Damit liegt der Freistaat deutlich unter der gesetzlich vorgeschriebenen Quote von fünf Prozent schwerbehinderter Beschäftigter. Von den 25.302 Unternehmen in Bayern, die diese Auflage erfüllen müssen (mit mehr als 20 Mitarbeitern), beschäftigt mehr als jedes vierte Unternehmen (6.776) keinen einzigen Schwerbehinderten.*

Dazu erklärt Matthias Jena:

„Leider ist die Stigmatisierung von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt in Bayern noch zu oft Realität. In Italien gibt es den charmanten Ausdruck ‚diversamente abile‘ , der wörtlich übersetzt so viel heißt  wie ‚andersbegabt‘, ‚anders in der Lage sein etwas zu tun‘. Chronisch Erkrankte und Menschen mit einer Behinderung haben Kenntnisse, Fähigkeiten und Talente. Diese wollen sie einsetzen. Sie können genauso zum unternehmerischen Erfolg beitragen, wie alle anderen Kolleginnen und Kollegen auch. Leider wird ihnen hierzu noch viel zu selten Gelegenheit gegeben. Ich fordere die bayerischen Unternehmen auf diese Begabungen nicht brach liegen zu lassen und diesen Menschen eine Perspektive zu geben. Die öffentlichen Arbeitgeber in Bayern sind hier vorbildlich unterwegs. Bei der privaten Wirtschaft bedarf es offensichtlich stärkeren Drucks, etwa durch die deutliche Erhöhung der Ausgleichsabgabe.“

Menschen mit Behinderung sind häufiger und länger arbeitslos als nichtbehinderte Menschen - obwohl sie im Durchschnitt über bessere Bildungsabschlüsse verfügen. In der Verantwortung steht hier vor allem die Wirtschaft. Unternehmen sind verpflichtet, mindestens fünf Prozent Schwerbehinderte zu beschäftigten. Dafür können sie auf zahlreiche Unterstützungsangebote bei Ausbildung oder Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zurückgreifen: Lohnkostenzuschüsse, kostenlose Ausstattung des Arbeitsplatzes oder Begleitung durch Fachpersonal im Betrieb. Trotzdem sind viele Unternehmen zögerlich.

Der der DGB fordert stärkere Anreize für Unternehmen, die Beschäftigungspflicht ernst zu nehmen. Dabei sollten vor allem jene Arbeitgeber in die Pflicht genommen werden, die überhaupt keine Schwerbehinderten beschäftigen. Die gesetzlich vorgesehene Abgabe für ausbleibende Beschäftigung behinderter Menschen sollte stark angehoben werden (pro fehlendem Arbeitsplatz/Monat):

  • bei einer Beschäftigungsquote von drei bis weniger als fünf Prozent von 125 auf 250 Euro,
  • bei einer Beschäftigungsquote von zwei bis weniger als drei Prozent von 220 auf 500 Euro,
  • bei einer Beschäftigungsquote von weniger als zwei Prozent von 320 auf 750 Euro.

*Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, Daten für 2015.


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