Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 12 - 29.03.2017

DGB Bayern erinnert an die Gründung des Bayerischen Gewerkschaftsbundes vor 70 Jahren

Jena: „Für die Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen braucht es starke Gewerkschaften.“

Mit einem Festakt erinnerte der DGB Bayern heute an den 70. Jahrestag der Gründung des Bayerischen Gewerkschaftsbundes (BGB). Vor gut 400 Gästen aus Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft warf Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, den Blick zurück in die unmittelbare Nachkriegszeit:
„Der Gründung des Bayerischen Gewerkschaftsbundes vor 70 Jahren ist nicht irgendein Krieg vorausgegangen, sondern ein Zivilisationsbruch. Antisemitismus und Rassismus bis hin zum beispiellosen Völkermord waren offizielle Staatspolitik geworden. Die Not derer, die die nationalsozialistische Barbarei überlebt hatten, war unbeschreiblich. Gewerkschaftsmitglieder haben nach dem zweiten Weltkrieg Verantwortung für den Wiederaufbau übernommen, sie haben Trümmer weggeräumt und sich eingesetzt für die Wiederherstellung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Aufklärung.“

Einheitsgewerkschaft statt Zersplitterung

Die Erfahrungen der Weimarer Republik und der NS-Zeit waren prägend für den Wiederaufbau der Gewerkschaften, so Jena:
„Die Gewerkschaften und ihre Repräsentanten gehörten zu den ersten Opfern des nationalsozialistischen Terrors. Eine schwache Demokratie und die in verschiedene Richtungsgewerkschaften zersplitterte Arbeiterbewegung waren nicht in der Lage, dem wirksam entgegenzutreten. Eine Lehre aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte war daher die Schaffung von Einheitsgewerkschaften: Religiös neutral und parteipolitisch unabhängig. Eine geschlossene und einige Gewerkschaftsbewegung, die auch in stürmischen Zeiten Garant für Demokratie und Wohlstand der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sein kann.“

Grundstein für zahlreiche Erfolge

Diese Geschlossenheit in Verbindung mit den Grundwerten Freiheit, Solidarität und soziale Gerechtigkeit legten den Grundstein für die Erfolge der Gewerkschaftsbewegung in den letzten 70 Jahren:
„Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mitbestimmung in den Betrieben, Verkürzung der Arbeitszeiten, durch Tarifpolitik die Beteiligung am wirtschaftlichen Wohlstand, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und den gesetzlichen Mindestlohn. Das sind nur ein paar der großartigen Erfolge, auf die wir stolz sein dürfen“, so Jena. Mit Blick auf die Zukunft betonte er: „Gewerkschaften haben viel bewegt, aber wir müssen auch selbst in Bewegung bleiben. Für die Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen braucht es starke Gewerkschaften. Die, bei aller Unterschiedlichkeit, gemeinsam das Ziel verfolgen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der abhängig Beschäftigten zu verbessern.“

Gewerkschaften und die Arbeitswelt im Wandel

Jena verwies darauf, dass die Gewerkschaften in den letzten Jahren viel getan haben, um ihre Strukturen und Kommunikation zu modernisieren. So sei es gelungen, zahlreiche neue Mitglieder, insbesondere junge Menschen und Frauen, zu gewinnen. Die Humanisierung der Arbeitswelt bleibe zentrale Aufgabe der Gewerkschaften. Die sich verändernden Rahmenbedingungen machten es erforderlich, neue politische und tarifpolitische Antworten auf alte Fragen zu finden. Dabei könne der Erfahrungsschatz der letzten 70 Jahre sehr hilfreich sein.
Besondere Sorge bereitet Jena die zunehmende Tarifflucht von Arbeitgebern:
„In Bayern arbeiten mittlerweile nur noch 53% der Beschäftigten in einem Betrieb mit Tarifvertrag. Dies ist ein gesellschaftlicher Skandal, der auf viel zu wenig Empörung stößt. Die Tarifbindung ist eine zentrale Größe in unserer sozialen Marktwirtschaft. Je höher die Tarifbindung, desto sozialer ist die Marktwirtschaft. Als Gewerkschafter werden wir es nicht zulassen, dass sich die Arbeitgeber ihren Manchester-Kapitalismus zurückholen.“
Jena forderte auch ein klares Vorgehen gegen Arbeitgeber, die die Arbeit von Betriebs- und Personalräten sowie Gewerkschaften behinderten: „Dies widerspricht dem Artikel 9 Absatz 3 unseres Grundgesetzes. Die permanenten Verstöße gegen die Verfassung müssen endlich entsprechend bestraft werden.“

Soziale Gerechtigkeit steht auf der Agenda

In ihrem Schlusswort richtete die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, Dr. Verena Di Pasquale, den Blick auf die Bundestagswahl im Herbst: „Soziale Gerechtigkeit steht wieder auf der Agenda. Dass dies so ist, ist auch den Gewerkschaften zu verdanken. Denn wir haben beispielsweise die aktuelle Diskussion um eine zukunftsfeste Rente angestoßen. Unsere Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit ist es nicht, dass Rente vielleicht, irgendwie reichen sollte, um im Alter halbwegs über die Runden zu kommen. Genau deshalb fordert der DGB einen Kurswechsel in der Rentenpolitik, damit Jung und Alt sich wieder auf die Rente verlassen können. Der Sinkflug der Rente muss gestoppt und das Rentenniveau deutlich angehoben werden.“
In diesem Zusammenhang verwies Di Pasquale auch darauf, dass in Bayern jede vierte ältere Frau armutsgefährdet ist: „Altersarmut ist überwiegend weiblich. Gründe für die sehr niedrigen Renten von Frauen sind vor allem die geringen Einkommen und die wenigen Versicherungsjahre, auf die sie oftmals kommen. Noch immer fehlt es an der Lohnangleichung. Noch immer wird gleiche und gleichwertige Arbeit nicht gleich bezahlt. Bei der Frage der Entgeltgleichheit geht in Bayern nichts voran. Die Entgeltlücke liegt bei 24 Prozent. Von gleichen Chancen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt können viele Frauen nur träumen. Das muss sich ändern und da bleiben wir Gewerkschaften mit Nachdruck am Ball.“


Zur Geschichte des Bayerischen Gewerkschaftsbundes (BGB):
Bereits kurz nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Regime begann der Wiederaufbau der Gewerkschaften in Bayern. Schnell entstanden in Betrieben und Städten örtliche gewerkschaftliche Zusammenschlüsse. Unter dem Motto „In der vereinten Kraft muss unsere Stärke liegen“ fand vom 27. bis 29. März 1947 in einer Großküche in der Rosenheimer Straße in München der Gründungskongress des Bayerischen Gewerkschaftsbundes (BGB) statt. Der BGB bildete den Dachverband für insgesamt 13 Gewerkschaften. Lorenz Hagen (1885-1965) wurde zum Präsidenten des BGB gewählt. Im Oktober 1949 ging der BGB im in München neu gegründeten Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auf. Lorenz Hagen wurde erster Vorsitzender des DGB Bezirks Bayern.


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