Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 55 - 04.11.2018

Gedenkfeier in Dachau: „Erinnern heißt kämpfen“

Charlotte Knobloch: „Schauen Sie nicht weg, sondern hin, wenn Menschen ausgegrenzt und diffamiert werden!“

Die DGB-Jugend Bayern erinnerte am heutigen Sonntag in der KZ-Gedenkstätte Dachau zum 66. Mal an die Opfer des Nationalsozialismus.

Hauptrednerin in diesem Jahr war Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. In ihrer Gedenkrede äußerte Knobloch ihre Sorgen hinsichtlich des zunehmenden Rechtsrucks in der Bundesrepublik: „Wir erleben heute, wie Selbstverständlichkeiten unserer freiheitlichen Demokratie fast täglich angegriffen und beschimpft werden. Wir erleben, wie eine Partei, die unseren offenen Staat ablehnt, in diesem selben Staat Wahlerfolge einfährt und sich als politische Kraft auf allen Ebenen in den Parlamenten festsetzt. Und, womöglich am Erschreckendsten: Wir erleben mit dem Aufstieg dieser Partei auch eine Wiederkehr von Fremdenhass, Intoleranz und Antisemitismus in einer Deutlichkeit und Intensität, wie ich es mir niemals hätte vorstellen können.“

Angesichts der aktuellen Entwicklungen forderte Knobloch zu Zivilcourage auf: „Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr. Schauen Sie nicht weg, sondern hin, wenn Menschen ausgegrenzt und diffamiert werden. Und: Stehen Sie auf, wenn Demokratie und Freiheit in Gefahr sind. Heute – und jeden Tag.“

Mit dem neuen Motto „Erinnern heißt kämpfen“ zeigt die Gewerkschaftsjugend auf, dass Erinnerungsarbeit untrennbar mit der moralischen und politischen Verpflichtung für aktives demokratisches Eingreifen in die heutigen Verhältnisse verbunden ist. „Wir erinnern uns heute und machen uns erneut bewusst: Wir sind viele, wir mögen mit verschiedensten Mitteln kämpfen, aber wir haben ein gemeinsames Ziel: Nie wieder Faschismus! Kämpfen heißt aber auch, dass wir nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern uns aktiv an Debatten um eine menschenwürdige und solidarische Zukunft unserer Gesellschaft beteiligen“, betonte Andro Scholl, Bezirksjugendsekretär des DGB Bayern, in seiner Eröffnungsrede.

Auch Scholl stellte fest, dass offen rechts auftretende Organisationen wie die AfD mit ihren antisemitischen, faschistischen und rassistischen Positionen bestehende Tabus einreißen und so die rote Linie immer wieder überschreiten. „Es findet eine Gewöhnung an diese Verrohung der Sprache und der politischen Auseinandersetzung statt. Aus der Gewalt der Worte in der Politik wird reale Gewalt im Alltag. Daher müssen wir diese rote Linie – dort, wo sie nicht mehr oder zu undeutlich existiert – neu ziehen“, so Scholl.

 

Hintergrund

Mit der Gedenkfeier anlässlich der Novemberpogrome 1938 erinnert die DGB-Jugend Bayern seit 1952 jährlich im ehemaligen Konzentrationslager Dachau an die Opfer des Nationalsozialismus. Neben den Redebeiträgen stellen seit 2012 Ehrenamtliche der Gewerkschaftsjugend auf dem Weg vom ehemaligen Appellplatz zum ehemaligen Krematorium selbst recherchierte Biografien von Opfern des Nationalsozialismus vor.

 


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