Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 38 - 22.10.2014

Report: Ausbildungsqualität in Bayern wird schlechter

Bayern teilweise unter dem Bundesschnitt. Eklatante Verstöße gegen Jugendarbeitsschutz im Hotel- und Gaststättengewerbe

Die Ausbildungsqualität in Bayern ist schlechter geworden. Das ist das zentrale Ergebnis des „Ausbildungsreport 2014 Bayern“ der DGB-Jugend Bayern. In den Kategorien „Überstunden“ und „ausbildungsfremde Tätigkeiten“ schneidet Bayern sogar schlechter ab als der Bundesdurchschnitt. Für diese repräsentative Studie hat die DGB-Jugend Bayern fast 2.000 Auszubildende schriftlich befragt.

Astrid Backmann, Bezirksjugendsekretärin des DGB Bayern, sagt: „Manche Betriebe sehen ihre Azubis als billige Arbeitskräfte und vernachlässigen die Ausbildungsinhalte. Gleichzeitig klagen sie über unbesetzte Ausbildungsplätze. Es sind genügend ausbildungsinteressierte Jugendliche vorhanden. Hier sind die Betriebe in der Pflicht. Sie müssen die Qualität ihrer Ausbildung verbessern und dürfen sich nicht nur die Rosinen unter den Azubis herauspicken.“

Die Ausbildungsmängel und die Verstöße gegen gesetzliche Regelungen sind vielfältig. Jeder vierte befragte Azubi hat keinen betrieblichen Ausbildungsplan. Bei 15 Prozent der Azubis mit Ausbildungsplan wird dieser nicht immer eingehalten. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 12 Prozent der Befragten müssen häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten ableisten. Im Vorjahr waren es noch 8 Prozent.

43 Prozent der befragten Auszubildenden leisten freiwillig oder unfreiwillig regelmäßig Überstunden (plus 4,6 Prozentpunkte). 16 Prozent von ihnen erhalten dafür keinen Ausgleich in Form von Freizeit oder Bezahlung. 38 Prozent der minderjährigen Auszubildenden machen regelmäßig Überstunden, von denen nur 60,8 Prozent dafür einen Freizeitausgleich bekommen. Backmann: „Das sind klare Gesetzesverstöße. Das Jugendarbeitsschutzgesetz schreibt unmissverständlich vor, dass Jugendliche unter 18 Jahren maximal vierzig Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Hier besteht erheblicher Handlungsbedarf, um minderjährige Auszubildende in angemessener Weise zu schützen.“

Besonders schlecht ist die Ausbildungsqualität in den Berufen des Hotel- und Gaststättengewerbes. Hier wurden 410 Auszubildende aus den Berufen Hotelfachleute, Koch/Köchin, Fachleute für Systemgastronomie und Restaurantfachleute befragt. Jeder Vierte hat keinen betrieblichen Ausbildungsplan. Ist ein Ausbildungsplan vorhanden, wird dieser bei 32 Prozent nur manchmal, selten oder nie eingehalten. 63 Prozent arbeiten mehr als 40 Stunden. Fast 70 Prozent machen regelmäßig Überstunden. 36 Prozent bekommen die Überstunden zudem weder durch Freizeit noch Bezahlung ausgeglichen.

Die Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz sind im Hotel- und Gaststättengewerbe eklatant. 62 Prozent der minderjährigen Auszubildenden arbeiten mehr als 40 Stunden pro Woche. 68 Prozent machen Überstunden, obwohl dies für minderjährige Auszubildende nicht zulässig ist.

Joschka Ebel, Landesjugendsekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, sagt dazu: „Da ist es kein Wunder, dass gerade in dieser Branche die Vertragslösungs- und Abbruchquoten besonders hoch sind.“

Die DGB-Jugend Bayern fordert wirksame Kontrollen, um die Gesetzesverstöße bei der Ausbildung einzudämmen. „Dabei dürfen die Staatsregierung und die Bezirksregierungen auch nicht vor Sanktionen zurückschrecken“, so Backmann. Und weiter: „Die Betriebe müssen umdenken, ihre Hausaufgaben machen und endlich qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Berufe, die wenig nachgefragt werden, müssen aufgewertet und attraktiver werden. Sonst werden die Arbeitgeber ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können.“


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