Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 55 - 30.09.2016

Internationaler Tag der älteren Menschen: Altersarmut in Bayern schon längst Realität

Dr. Di Pasquale fordert stabiles Rentenniveau und Gute Arbeit

Altersarmut im Freistaat ist längst Realität. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes stieg die Armutsquote bei Personen über 65 Jahren im Jahr 2015 mit 21,8 Prozent auf den höchsten Wert unter allen Altersgruppen. Im Jahr 2005 lag die Armutsquote der über 65-Jährigen noch bei 18 Prozent.

Dr. Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, fordert angesichts des morgigen internationalen Tags der älteren Menschen einen Kurswechsel in der Rentenpolitik: „Das Rentenniveau darf nicht weiter abgesenkt werden. Es muss in einem ersten Schritt stabilisiert und anschließend deutlich angehoben werden. Die Bayerische Staatsregierung muss mehr zur Bekämpfung der Altersarmut tun.“

„Mitten im reichen Bayern sind ältere Menschen immer stärker von Altersarmut bedroht. Wird jetzt nicht rentenpolitisch gegengesteuert, werden zukünftig immer mehr ältere Menschen in Bayern in Armut leben. Viele werden auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein, um einigermaßen über die Runden zu kommen“, ergänzt Di Pasquale.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Armut älterer Menschen in Bayern stark zugenommen. Gerade Frauen über 65 Jahre trifft es besonders, denn jeder Vierten droht die Altersarmut. „Ältere Menschen in Bayern tragen ein deutlich höheres Armutsrisiko als die Gesamtbevölkerung. Ziel muss es sein, dass die Älteren nicht von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt werden. Jede und jeder arme oder von Armut bedrohte Mensch ist einer zu viel“, so Di Pasquale.

Während laut Statistischem Bundesamt die Armutsgefährdungsquote gemessen am Landesmedian in den letzten zehn Jahren für die Gesamtbevölkerung von 14 Prozent auf 15 Prozent stieg, erhöhte sie sich für Menschen, die 65 Jahre und älter waren, von 20,4 Prozent im Jahr 2005 auf 24,4 Prozent im Jahr 2015. Die Armutsgefährdungsquote der Rentnerinnen und Rentner sowie der Pensionärinnen und Pensionäre stieg im selben Zeitraum sogar von 16,4 Prozent auf 22,4 Prozent.

Die Zunahme der Armutsgefährdung zeichnet sich auch in einer deutlich gestiegenen Zahl der Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherungsleistungen im Alter beziehungsweise bei Erwerbsminderung ab. Allein im Zeitraum von 2012 bis 2014 ist eine Zunahme von über zehn Prozentpunkten feststellbar. Waren in Bayern 2012 noch 106.000 Menschen auf Grundsicherung angewiesen, so kamen im Jahr 2014 bereits über 117.000 ältere Personen nur noch mit dieser Leistung über die Runden.

„Zwei Stellschrauben sind bei der Armutsbekämpfung besonders wichtig. Zum einen muss die Entwertung von Lebensleistungen durch das weitere Absinken des Rentenniveaus beendet werden. Zum anderen brauchen wir existenzsichernde Löhne und gute Arbeitsbedingungen, damit die Menschen eine ordentliche Alterssicherung bei guter Gesundheit erreichen können. Die Bayerische Staatsregierung ist gefordert, ihren Teil zur Armutsbekämpfung beizutragen“, so Di Pasquale abschließend.

Armutsgefährdet ist nach Definition der Europäischen Union, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens pro Monat zur Verfügung hat. In Bayern gilt ein Einpersonenhaushalt mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 1.025 Euro im Jahr 2015 als armutsgefährdet.


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Soziale Lage in Bayern: Staatsregierung auf einem Auge blind
Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, äußert sich im Vorfeld der angekündigten Regierungserklärung von Sozialministerin Emilia Müller zur sozialen Lage in Bayern kritisch: „Bayern geht es im Ländervergleich hervorragend. Dennoch darf die Staatsregierung nicht die drängenden Probleme aus den Augen verlieren oder auf die lange Bank schieben.“ Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Emilia Müller redet sich soziale Lage in Bayern schön
Anlässlich der Regierungserklärung zur sozialen Lage in Bayern erneuert der bayerische DGB Vorsitzende Matthias Jena seine Kritik an der einseitigen Betrachtungsweise der Staatsregierung: „Die Lobrede von Emilia Müller auf Bayern als Land der sozialen Gerechtigkeit ist äußerst einseitig. Viele Menschen in Bayern können nicht von sich behaupten, in nie gekanntem Wohlstand zu leben.“ Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Jena: „Rente muss für ein Leben in Würde reichen.“
Mit dem „Rentenreport Bayern 2016“ legt der DGB Bayern seinen dritten Bericht zur Situation der Rentnerinnen und Rentner in Bayern vor. Für den Report wertete der DGB Bayern aktuelle Zahlen und Daten von der Deutschen Rentenversicherung aus. Der Report zeigt, dass auch in Bayern für viele Menschen die Rente allein nicht reicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Zur Pressemeldung

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Pressemitteilungen des DGB Bayern