Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 15 - 26.04.2017

Arbeitszeitkampagne der vbw: Arbeitgeber greifen Schutzrechte der Beschäftigten an

Jena: Ein Schleifen des Arbeitszeitrechts führt zu noch größeren gesundheitlichen Belastungen

Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, kritisiert die einseitigen Forderungen der heute vorgestellten Arbeitszeitkampagne der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) scharf. „Die Arbeitgeber bekommen den Hals nicht voll. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bayern zeigen sich bereits heute so flexibel wie noch nie.“

Die bestehenden tariflichen Arbeitszeitregelungen bieten etwa durch Gleitzeit-, Flexi- oder Langzeitkonten bereits hohen Spielraum für betriebliche Belange. Eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeit oder eine Abschaffung der Mindestruhezeit lehnen die bayerischen Gewerkschaften entschieden ab. „Dies würde zu noch größeren gesundheitlichen Belastungen führen. Bei einer weiteren Entgrenzung der Arbeitszeit bliebe praktisch keine Zeit für Erholung, Familie, Freunde und soziales Engagement. Vielfach ist die Grenze des Zumutbaren bereits überschritten. Das Ansteigen psychischer Erkrankungen und die hohe Zahl an Erwerbsminderungsrentnerinnen und –rentnern bestätigt dies. Vom Fachkräftebedarf zu reden, die Mitarbeiter dann jedoch auf dem schnellsten Weg in die Burnout-Klinik zu schicken passt nicht zusammen“, so Jena.

Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit wird regelmäßig ausgedehnt. Davon zeugen 767 Millionen bezahlte und 911 Millionen unbezahlte Überstunden, die die deutschen Beschäftigten 2016 leisteten. „Das dürfte jedoch nur die Spitze des Eisberges sein. Viele Tätigkeiten, etwa das abendliche Mailschreiben, werden häufig gar nicht erfasst. Es bedarf hier endlich wieder ordentlicher Verhältnisse, so dass jede geleistete Arbeitsstunde auch dokumentiert und vergütet wird“, fordert Jena.
Umgekehrt stehen die Arbeitgeber immer dann auf der Bremse, wenn es um berechtigte Flexibilisierungswünsche der Arbeitnehmer, etwa bei Kindererziehungs- und Pflegezeiten geht. Flexibilisierung ist noch zu oft eine Einbahnstraße im Sinne der betrieblichen Erfordernisse. Dazu stellt Matthias Jena fest: „Die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen endlich als gleichberechtigt anerkannt werden. Ein erster Schritt hierzu wäre es, wenn die vbw ihre Blockadehaltung hinsichtlich eines Rückkehrrechtes auf eine Vollzeitstelle aufgeben würde.“

Die vbw führt in ihrer Argumentation immer wieder die Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Arbeitgebern und Beschäftigten an. Der DGB Bayern bezweifelt die Aussagekraft dieser Umfrage. Bundesweit wurden lediglich ca. 1.000 Beschäftigte befragt. Insgesamt haben sich mehr Arbeitgeber als Beschäftigte beteiligt. Jena schlägt daher vor: „Warten wir das Ergebnis der Beschäftigtenbefragung der IG Metall ab, an der sich bundesweit mehr als 680.000 Beschäftigte in rund 7000 Betrieben beteiligt haben. Das ist repräsentativ, auf der Grundlage dieser Befragung können wir dann gerne weiterdiskutieren.“


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