Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 49 - 02.11.2017

Ausbildungsbilanz 2017: Polarisierung des Ausbildungsmarktes nimmt zu

Kroiß: "Wer sich nicht um eine attraktive Ausbildung kümmert, braucht sich über unbesetzte Ausbildungsplätze nicht wundern"

Anlässlich der heute veröffentlichten bayerischen Ausbildungsmarktzahlen plädiert der DGB Bayern für eine kritische Betrachtung der Ausbildungsbilanz. 14.361 Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt (2016: 12.039) und trotzdem sind 1.243 Ausbildungsinteressierte in Bayern ohne Ausbildungsplatz. Gegenüber dem Vorjahr (1.129 unversorgte Bewerber) bedeutet das eine Steigerung um 10 Prozent. "Scheinbar nimmt die bayerische Wirtschaft die stärker werdende Polarisierung am Ausbildungsmarkt nicht ernst genug. Unbesetzte Ausbildungsstellen angesichts unversorgter Ausbildungsinteressierter sind ein Skandal. Hier muss dringend ein Umdenken in den Betrieben stattfinden", fordert Carlo Kroiß, Bezirksjugendsekretär der DGB-Jugend Bayern.

Das Paradox, dass Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, obwohl Ausbildungsinteressierte noch nach Ausbildungsplätzen suchen, erklärt sich einerseits durch die dauerhaft schlechte Ausbildungsqualität in einzelnen Branchen. Andererseits konzentrierten sich viele Betriebe gezielt auf Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur, sodass Ausbildungsinteressierte mit formal niedrigerer Qualifikation außen vor bleiben. "Jedem jungen Menschen muss die Möglichkeit auf einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsplatz gegeben werden. Hier steht die Wirtschaft in der Pflicht, endlich zu liefern, anstatt ein weiteres Auseinanderklaffen zwischen Ausbildungsinteressierten und unbesetzten Ausbildungsplätzen hinzunehmen", so Kroiß weiter.

Mit der assistierten Ausbildung existiert bereits ein Instrument zur individuellen Förderung von Auszubildenden. Das Beispiel des Malereibetriebes Sartori & Fuhrmann GmbH zeigt, dass die assistierte Ausbildung ein erfolgreiches Mittel sein kann, um allen jungen Menschen eine qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen. Bisher (Stand 10.10.2017) wurden in den Ausbildungsjahren 2015 bis 2017 ca. 1.300 junge Menschen mit der assistierten Ausbildung unterstützt. Der DGB fordert die Betriebe auf, dieses Angebot der Bundesagentur für Arbeit stärker in Anspruch zu nehmen, um Auszubildende während ihrer Ausbildung zu unterstützen, anstatt die Anforderungen an potenzielle Bewerber immer höher zu schrauben.

Auch in diesem Jahr entfällt ein Großteil der unbesetzten Ausbildungsplätze auf das Lebensmittelhandwerk, den Einzelhandel und das Hotel- und Gaststättengewerbe. Der "Ausbildungsreport Bayern 2017" der DGB-Jugend Bayern (http://bayern-jugend.dgb.de/-/a6d) zeigt, dass gerade in diesen Branchen die Ausbildungsqualität seit Jahren schlecht bewertet wird. "Wer sich nicht um eine attraktive Ausbildung kümmert, braucht sich über unbesetzte Ausbildungsplätze nicht wundern. Wer schlechte Ausbildungsbedingungen und unattraktive berufliche Perspektiven bietet, wird im Werben um qualifizierten Nachwuchs das Nachsehen haben", erläutert Kroiß.

Trotz der grundsätzlich hohen Zufriedenheit von Auszubildenden in Bayern muss die berufliche Bildung jetzt zukunftssicher gemacht werden. "Wir können nicht länger warten und trotz unbesetzter Ausbildungsplätze weiterhin unversorgte Ausbildungsinteressierte in Warteschlangen parken. Es braucht eine Ausbildungsgarantie, die durch eine Umlage finanziert werden muss", so Kroiß.


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