Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 24 - 22.05.2017

Bezirksfrauenkonferenz des DGB Bayern: Arbeitszeit muss ganz oben auf die politische Agenda

Dr. Verena Di Pasquale: „Eine Aushöhlung gesetzlicher Schutzstandards auf Kosten der Beschäftigten ist mit uns nicht zu machen.“

Die 20. Bezirksfrauenkonferenz des DGB Bayern, die vom 19. bis 20. Mai 2017 in Bamberg stattfand, stand unter dem Motto „Zeit“. Die rund 60 Delegierten aus ganz Bayern und geladene Gäste diskutierten darüber, welche Anforderungen an die Gestaltung von Arbeitszeiten aus der Perspektive der Beschäftigten bestehen. Im einstimmig verabschiedeten Leitantrag fordern die Gewerkschaftsfrauen die Fragen des Volumens und die Gestaltung der Arbeitszeit ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Ziel müsse die Einführung einer kurzen Vollarbeitszeit für Männer und Frauen sein. Auch müsse es den Beschäftigten ermöglicht werden, die Arbeitszeit stärker an ihren Lebensphasen zu orientieren. Die Arbeitgeber seien in der Verantwortung aktiv dazu beizutragen, dass Arbeit und Leben unter einen Hut gebracht werden können. Forderungen der Arbeitgeber nach Öffnungen des Arbeitszeitgesetzes erteilten die bayerischen Gewerkschaftsfrauen eine klare Absage.

Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, stellt dazu fest: „Wir erleben aktuell, wie die Arbeitgeber vorgehen, um die bestehenden Arbeitszeitstandards aufzuweichen. Als Argumente ziehen sie die Flexibilisierungswünsche von Beschäftigten und die angeblichen Flexibilisierungserfordernisse in einer zunehmend digitalen Lebens- und Arbeitswelt heran. Auf der Wunschliste der Arbeitgeber stehen unter anderem die Abschaffung der täglichen Ruhezeit von 11 Stunden wie auch die Abschaffung von Tageshöchstzeiten hin zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Den Arbeitgebern geht es letztlich darum, gesetzliche Schutzstandards auf Kosten der Beschäftigten auszuhöhlen. Das ist mit uns nicht zu machen.“

Di Pasquale weiter: „Es ist überfällig hier in eine andere Richtung zu denken und zu gehen. Die Frage von Arbeitszeiten ist für die Gewerkschaften zentral. Wir setzen uns dafür ein die Arbeitszeiten der abhängig Beschäftigten so zu gestalten, dass sie gesundheitlich nicht belasten, dass sie von den Beschäftigten mitbestimmt werden können und es ermöglichen Arbeit und Leben unter einen Hut zu bringen. Das gilt für Männer, aber wie wir wissen, gilt es für Frauen ganz besonders.“ Denn es sind überwiegend Frauen, die in der Teilzeitfalle feststecken und die sich eine höhere Arbeitszeit wünschen. „Geschlechtergerechtigkeit heißt daher auch, dass wir endlich ein Rückkehrrecht aus Teilzeit- in Vollzeitarbeit brauchen“, so Di Pasquale

Während Männer vor allem bezahlter Erwerbsarbeit nachgehen, verbringen Frauen deutlich mehr Zeit mit Hausarbeit und Pflege, selbst wenn sie berufstätig sind. Das hat negative Auswirkungen auf ihr Einkommen, ihre Karriere und nicht zuletzt auf ihre Alterssicherung. So lange eine gleichmäßige Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen nicht erreicht ist, gelingt es auch nicht, eine Gleichstellung der Geschlechter in Beruf und Gesellschaft zu erreichen.


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