Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 66 - 29.11.2016

Zehn Jahre Rente mit 67: Gestiegenes Renteneintrittsalter geht an Lebenswirklichkeit vorbei

Dr. Verena Di Pasquale: Ältere auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor stigmatisiert

Der Kabinettsbeschluss zur Einführung der Rente mit 67 jährt sich am Dienstag, 29.11., zum zehnten Mal. Zu diesem Jahrestag zieht die stellvertretender Vorsitzende des DGB Bayern, Dr. Verena Di Pasquale, Bilanz: „Das Heraufsetzen des Renteneintrittsalters geht an der Lebenswirklichkeit der Menschen in Bayern vorbei. Viele Menschen schaffen es einfach nicht, gesund und in Arbeit dieses Alter zu erreichen.“

Der Beschluss zur Rente mit 67 sieht vor, dass die Regelaltersgrenze, bei deren Erreichen abschlagsfrei in Rente gegangen werden kann, schrittweise von 65 auf 67 angehoben werden soll. Im Durchschnitt gehen die Menschen in Bayern derzeit mit 64,3 Jahren in Altersrente. Auch wenn dieser Wert in den letzten Jahren angestiegen ist, ist er noch deutlich vom gesetzlich vorgesehen Renteneintrittsalter von aktuell 65 Jahren und fünf Monaten entfernt. Zumal Sondereffekte durch die mit dem Rentenpaket 2014 eingeführte „neue“ Mütterrente beim Anstieg berücksichtigt werden müssen. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen, gehen im Schnitt sogar schon mit 51,6 Jahren in die  Erwerbsminderungsrente.

Die Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind umso geringer, je näher sie der Regelaltersgrenze kommen: Im Jahr 2015 gingen in Bayern lediglich 51,3 Prozent der 60-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Im Alter von 63 Jahren waren es sogar nur noch 21,6 Prozent. Der Anteil der 65-Jährigen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung an ihrem Jahrgang beträgt sogar nur noch 6,7 Prozent. Bei Betrachtung der Vollzeitstellen sacken die Werte weiter ab.

„Der Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, dass die Rente mit 67 für viele einer Rentenkürzung gleichkommt. Die große Mehrheit der Beschäftigten scheidet bereits vorher aus dem Erwerbsleben aus. Dies ist häufig mit erheblichen Abschlägen bei der Rente verbunden. Die Stigmatisierung Älterer am Arbeitsmarkt zeigt sich auch darin, dass der Wiedereinstieg in Arbeit für Ältere deutlich schwieriger ist. Viele finden aus der Arbeitslosigkeit nicht mehr zurück. Ihnen droht dann die Zwangsverrentung mit 58 Jahren samt lebenslanger Abschläge. Hier brauchen wir dringende Reformen und ein Umdenken der Arbeitgeber. Forderungen nach einer weiteren Erhöhung des Renteneinstiegsalters gehen vollkommen an der Realität vorbei.“ so Di Pasquale.

Weitere Informationen zur Situation der Rentnerinnen und Rentner in Bayern finden Sie im „Rentenreport Bayern 2016“ des DGB Bayern, der unter folgendem Link heruntergeladen werden kann: https://bayern.dgb.de/-/hSk


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