Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 63 - 07.11.2016

Gedenkfeier in Dachau: „Erinnerung muss leben“

DGB-Jugend betont Bedeutung von Erinnerung und warnt vor rechtem Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft

Die DGB-Jugend Bayern erinnerte am heutigen Sonntag in der KZ-Gedenkstätte Dachau an die Opfer des Nationalsozialismus. Unter dem Motto „Erinnerung muss leben“ betonte die Gewerkschaftsjugend dabei die Bedeutung von Erinnerung für die Gestaltung einer menschenwürdigen Zukunft. Aktuelle Entwicklungen bereiten der Gewerkschaftsjugend dabei Sorgen: „Der Aufstieg der ‚Alternative für Deutschland‘ zeigt, dass menschenverachtende Hetze inzwischen bis in die sogenannte Mitte der Gesellschaft salonfähig geworden ist. Mit Wahlergebnissen von teilweise über 20 Prozent für die AfD sind dies auch keine vernachlässigbaren Randgruppen“, so die bayerische DGB-Bezirksjugendsekretärin Astrid Backmann.

In diesem Zusammenhang verwies Backmann in ihrer Begrüßung auch auf die Ergebnisse der aktuellen Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Bayern":
„Auch in Bayern besteht ein erhebliches Potenzial für rechtes Denken und ausgrenzendes Verhalten. Das Gefühl, politisch nicht repräsentiert zu werden und sich an der demokratischen Aushandlung nicht beteiligen zu können, kippt bei Teilen der Bevölkerung in Demokratieverachtung und Wünschen nach autoritären Lösungen. Die nicht verarbeitete ökonomische Krise in Europa und die Kriege auf der Welt mit den daraus resultierenden Fluchtbewegungen dienen als Anlass, um soziale Abstiegsängste in Ressentiments gegen Minderheiten zu kanalisieren.“

Michael Schmitzer, Bundesjugendsekretär der IG Metall Jugend, stellte fest, „dass es bei der Reichspogromnacht am 9. November 1938 um einen Test der Grenzen ging. Einen Test, den die deutsche Bevölkerung nicht bestanden hat.“ Durch den ausbleibenden Widerspruch hätten sich die Nationalsozialisten bestärkt gefühlt ihre Ausgrenzungspolitik fortzusetzen, die in der Vernichtung von Millionen Menschen gipfelte.

Schmitzer betonte die Bedeutung ehrenamtlichen Erinnerns für die demokratische Kultur, forderte aber auch eine institutionelle Verankerung: „Unser Land hat sich sehr lange sehr schwer damit getan, den 8. Mai 1945 überhaupt als feierlichen Anlass anzuerkennen.“ Gerade deswegen wäre ein gesetzlicher Feiertag, der an die Befreiung vom Faschismus erinnert, überfällig.

Astrid Backmann und Michael Schmitzer würdigten in ihren Reden auch den kürzlich verstorbenen Max Mannheimer, der auch für die Gewerkschaftsjugend ein wichtiger Zeitzeuge war.

Auf dem Weg vom ehemaligen Appellplatz zum ehemaligen Krematorium stellten Ehrenamtliche der Gewerkschaftsjugend selbst recherchierte Biografien von Opfern des Nationalsozialismus vor.

Mit der Gedenkfeier anlässlich der Novemberpogrome 1938 erinnert die DGB-Jugend Bayern seit 1952 jährlich im ehemaligen Konzentrationslager Dachau an die Opfer des Nationalsozialismus.


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