Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 59 - 13.10.2016

Lohnlücke systematisch angehen!

Dr. Verena Di Pasquale zum Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit

Am 14.10. beginnt die Ungerechtigkeit: Wenn man die statistische Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zurückrechnet, arbeiten Frauen ab jetzt bis Ende des Jahres unentgeltlich. Mit 21 Prozent ist die Entgeltdifferenz zwischen den Geschlechtern in Deutschland eine der höchsten in der Europäischen Union. Bayern steht noch schlechter da. Das symbolische Datum des Tages der betrieblichen Entgeltgleichheit ist Anlass, sich systematisch mit der Entgeltlücke zu beschäftigen.

„Bayern weist mit 24 Prozent eine Lohnlücke zwischen den Geschlechtern auf, die nochmals über dem Bundesdurchschnitt von 21 Prozent liegt. Es ist zu begrüßen, dass nun endlich Bewegung in das geplante Gesetz zur Lohngerechtigkeit gekommen ist. Jetzt muss es darum gehen, den Entwurf in ein wirksames Gesetz umzusetzen, das auf betrieblicher Ebene die Lohnlücke sichtbar macht und beseitigt“, fordert Dr. Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern.

Arbeitnehmerinnen in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten erhalten mit dem geplanten Gesetz einen individuellen Auskunftsanspruch. „Mehr Transparenz darüber, wie das eigene Gehalt im Verhältnis zu dem der Kolleginnen und Kollegen ausfällt, ist der erste Schritt, um Benachteiligungen aufzudecken und dagegen vorzugehen“, so Di Pasquale weiter.

„Zusätzlich braucht es verbindliche Vorgaben bei der Überprüfung der Entgeltstrukturen in den Betrieben. Hier sieht der Gesetzentwurf lediglich eine Aufforderung an Unternehmen ab 500 Beschäftigte vor. Wichtig wäre hier, die Unternehmen zu einer systematischen Überprüfung zu verpflichten“, betont Di Pasquale.

In allen Betrieben, in denen Gewerkschaften aktiv und Betriebsräte vorhanden sind, ist die Entgeltlücke nachweislich geringer. „In tarifungebundenen Unternehmen sieht das aber ganz anders aus. Gerade dort brauchen wir ein Lohngerechtigkeitsgesetz, das verbindliche Vorgaben macht. Eine gesetzliche Regelung muss mehr beinhalten als einen individuellen Auskunftsanspruch. Dieses Instrument ist viel zu schwach“, kritisiert Di Pasquale.

Es ist klar, dass die Entgeltlücke nicht auf einen Schlag beseitigt werden kann. Richtig ist: Ein großer Teil der Entgeltlücke lässt sich erklären. Frauen und Männer arbeiten in verschiedenen Berufen und Betrieben unterschiedlicher Größe. Außerdem unterbrechen oder reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit zugunsten von Familienpflichten und steigen daher seltener auf. Richtig ist aber auch: Trotz aller Erklärungen bleibt eine Differenz. Frauen mit gleicher Qualifikation auf vergleichbaren Stellen verdienen sieben Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. „Soll sich die Lohnlücke gänzlich schließen, brauchen wir weitere Veränderungen. Dazu zählen eine Aufwertung frauendominierter Tätigkeiten, faire Aufstiegschancen für Frauen und Arbeitszeiten, die sich am Lebensverlauf orientieren“, so Di Pasquale abschließend.


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