Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 14 - 16.03.2018

Immer weniger Langzeitarbeitslose finden in Bayern eine Arbeit

Jena: "Spaltungen am Arbeitsmarkt sind noch tiefer geworden!"

Obwohl sich der Arbeitsmarkt weiterhin günstig entwickelt, finden immer weniger Langzeitarbeitslose in Bayern einen neuen Arbeitsplatz. Zu diesem Ergebnis kommt der DGB Bayern nach einer Auswertung von regionalen Daten der Bundesagentur für Arbeit. So konnten in den letzten zwölf Monaten nur noch 12.547 Personen eine neue Arbeit aufnehmen und ihre Langzeitarbeitslosigkeit beenden. Im Jahr zuvor waren es noch 13.625 Personen, was einem Rückgang von 8 Prozent entspricht.

"Die gute Lage am Arbeitsmarkt in Bayern darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spaltungen am Arbeitsmarkt noch tiefer geworden sind. Die Chancen von Langzeitarbeitslosen auf einen Arbeitsplatz sind nochmals schlechter geworden", erläutert Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern. Jena sieht vor allem die politischen Entscheider in der Pflicht: "Der Markt alleine wird das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit nicht lösen. Stattdessen braucht es unbedingt ein beherztes Aktionsprogramm des Bundes, um Langzeitarbeitslosen auch hier im boomenden Bayern neue Perspektiven zu eröffnen.“

Jena kritisiert, dass Arbeitslose, die Hartz-IV-Leistungen erhalten, bisher nur sehr unzureichend gefördert würden: "Das Hartz IV-System ist nach wie vor völlig unterfinanziert, weil immer mehr Mittel für die Verwaltungskosten aufgewendet werden müssen. Von 100 Arbeitslosen im Hartz-IV-System erhält nur einer eine Weiterbildung, die zu einem Berufsabschluss führt", sagt Jena. In der Arbeitslosenversicherung sei der Anteil der Personen in solchen Bildungsmaßnahmen vier Mal höher. „Wir müssen dieses Zwei-Klassensystem in der Arbeitsförderung endlich überwinden. Bildungsmaßnahmen müssen ausgebaut werden, damit Abschlüsse nachgeholt werden können und neue Perspektiven eröffnet werden", fordert Jena.

Der DGB Bayern begrüßt daher das Vorhaben der neuen Bundesregierung, zusätzliche Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose in einem so genannten "Sozialen Arbeitsmarkt" zu schaffen und dafür vier Milliarden Euro bereitzustellen. Jena fordert die neue Bundesregierung dazu auf, die versprochenen Hilfen für Langzeitarbeitslose zügig und vor allem in guter Qualität umzusetzen: "Anders als bei den '1-Euro-Jobs' darf es nicht um drittklassige Arbeitsverhältnisse gehen sondern um Gute Arbeit. Vormals Arbeitslose erleben soziale Teilhabe dann, wenn sie etwas Sinnvolles tun, einen ordentlichen Arbeitsvertrag haben und einen Lohn bekommen, der sie unabhängig von Hartz IV macht", so Jena abschließend.

Hintergrund:

Als langzeitarbeitslos gilt, wer ein Jahr und länger arbeitslos ist. In Bayern sind aktuell 51.351 Personen bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter als Langzeitarbeitslose registriert.


Nach oben
28.02.2018
Ar­beits­mark­t: Po­ten­zia­le bes­ser nut­zen! - 124.000 of­fe­ne Stel­len
Jena unterstreicht die Forderungen des DGB Bayern nach einer Bildungsoffensive. „Bildung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote sollten nicht das Privileg der Hochqualifizierten sein."
Zur Pressemeldung

31.01.2018
Ar­beits­mark­t: DGB Bay­ern for­dert Bil­dungs­of­fen­si­ve
Matthias Jena: „Wir müssen die gute Lage am Arbeitsmarkt jetzt nutzen, um insbesondere Ungelernte und Langzeitarbeitslose nachhaltig in Lohn und Brot zu bringen. Dazu braucht es Bildung, Bildung und nochmal Bildung."
Zur Pressemeldung

11.10.2017
Be­trieb­li­che Wei­ter­bil­dung in Bay­ern: Wer hat, dem wird noch mehr ge­ge­ben?
Der heute von der Staatsregierung vorgestellte Kurzbericht zur betrieblichen Weiterbildung in Bayern (IAB-Betriebspanel Bayern 2016) zeigt einmal mehr, dass nicht alle Beschäftigten im Freistaat gleichermaßen von Weiterbildungsangeboten profitieren.
Zur Pressemeldung

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Pressemitteilungen des DGB Bayern