Deutscher Gewerkschaftsbund

18.07.2017

Streitzeit - Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Bayern

Von der Einführung des achtjährigen Gymnasium  (G8) im Jahr 2004 erhoffte sich die Staatsregierung Einsparungen und die Wirtschaft  jüngere Abiturienten. Die Umsetzung ließ zu wünschen übrig: Schüler, Eltern und Lehrer klagen seit Jahren über Stoffdichte, Stress und Überforderung. Daran haben auch Reformen wie die „Mittelstufe Plus“ nichts geändert. Anfang April hat sich die CSU vom G8 verabschiedet.

Ein neues G9?

Wichtigster Punkt: An Gymnasien soll künftig wieder neun Jahre bis zum Abitur gelernt werden. Neu ist die Klasse 11, die für vorwissenschaftliches Arbeiten, Reflexion und Vertiefung genutzt werden soll, aber von leistungsstarken Schülern übersprungen werden kann. Der Nachmittagsunterricht wird stark reduziert. Die überarbeiteten Lehrpläne sollen Raum für neue Inhalte bieten. Bis 2025 will die Staatsregierung 1.000 Lehrerstellen und 500 Mio. Euro für den Schulbau bereitstellen.

Kein echter Neustart!

Der DGB Bayern spricht sich für ein längeres gemeinsames Lernen aus. Die Aufteilung der Schüler nach der 4. Klasse ist ein Grund für die hohe Selektivität im bayerischen Schulsystem. Die Rückkehr zum Vormittagsunterricht ist rückwärtsgewandt. Bayern ist Schlusslicht beim Ganztagsschulausbau und wird es so auch bleiben  (siehe Grafik). Eine echte pädagogische Reform ist nicht erkennbar. Den 1.000 zu schaffenden Stellen stehen 1.800 Stellen gegenüber, die mit der Einführung des G8 eingespart wurden.

Andere Schulformen benachteiligt

Gerade einmal 150 zusätzliche Stellen bis 2019 sollen an Grund-, Mittel- und Realschulen die Unterrichtsversorgung sicherstellen! Bei der Inklusion werden falsche Prioritäten gesetzt, indem an Förderschulen Stellen geschaffen werden, an Regelschulen lediglich Stellen fortgeschrieben werden. So muss sich niemand wundern, wenn Bayern bei der Inklusion hinterherhinkt. Die frühkindliche Bildung bleibt gleich ganz außen vor, bis irgendwann ein Konzept entwickelt ist. Auch die Berufliche Bildung profitiert kaum. Für ein vermeintlich umfassendes Bildungspaket ist das eine mehr als enttäuschende Bilanz.

Anteil der Schülerinnen und Schüler in Ganztagsschulen 2014 (in %)

DGB Bayern


Mehr Studienanfänger als Azubis

Im Jahr 2016 überstieg die Zahl der Studienanfänger erstmals die Zahl der Auszubildenden. Gleichzeitig gelingt es Schülern mit Hauptschulabschluss sehr häufig nicht, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Wenn es nach der CSU-Landtagsfraktion geht, soll die berufliche Bildung jedoch auch weiterhin ein Schattendasein fristen: Lediglich 100 Stellen bis 2019 und 10 Mio. Euro für Investitionen werden versprochen. Bei 1.612 Berufsschulen in Bayern ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bessere Ausstattung zur Ausbildung für die „Industrie 4.0“ bekommen nur wenige „Exzellenzzentren“. Während Studiengebühren wieder abgeschafft wurden, werden für berufliche Fortbildungsabschlüsse teilweise über 5.000 Euro fällig. Statt Gebührenfreiheit will die CSU bloß den „Meisterbonus“ von 1.000 auf 1.500 Euro anheben.

Das Duale System braucht mehr Investitionen, um attraktiv und zukunftsfest zu werden. Die CSU bietet aber nur Almosen.

Die Streitzeit im pdf-Format zum Download:

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