Deutscher Gewerkschaftsbund

09.12.2013

Studie des DGB Bayern: "Arbeitsqualität und Rente in Bayern"

Nur 17 % der Beschäftigten glauben, dass ihre Rente zum Leben reichen wird

Titel der DGB-Broschüre "Arbeitsqualität und Rente in Bayern"

DGB Bayern

Für viele Menschen wird es auch in Bayern zunehmend schwieriger, von der eigenen Rente im Alter leben zu können. Schon heute ist Altersarmut ein Problem. Es gibt für die Beschäftigten einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit heute und ihrer Rente morgen. Diesem Zusammenhang geht der DGB Bayern in seiner Studie „Arbeitsqualität und Rente in Bayern“ nach. Wir haben im Rahmen des „DGB-Index Gute Arbeit“ Beschäftigte in Bayern ausführlich zu ihrer Arbeitsqualität und zu ihren Erwartungen bezüglich ihrer zukünftigen Arbeitsfähigkeit und Rentenhöhe befragt: Glauben Sie, bis zum Renteneintrittsalter arbeiten zu können? Wird ihre Rente im Alter zum Leben ausreichen?

Zwei zentrale Ergebnisse der Sonderauswertung des Index Gute Arbeit für Bayern lauten: Nur 42 % der befragten Beschäftigten in Bayern erwarten, dass sie ihre derzeitige Tätigkeit unter den gegebenen Umständen bis zum gesetzlichen Rentenalter uneingeschränkt ausüben können, 45 % rechnen nicht damit.

Zweitens: Nur 17 % der Beschäftigten gehen davon aus, dass ihre Rente aus Erwerbstätigkeit im Alter sehr gut (1%) oder gut (16%) ausreichen wird. Mehr als vier Fünftel der Beschäftigten sind der Meinung, dass ihre Rente im Alter gerade so (40 %) oder aber nicht (43 %) ausreichen wird.

Die vorgelegten Daten zur Rentenentwicklung zeigen, dass die Befürchtungen der Beschäftigten in Bayern um ihre Alterssicherung durchaus begründet sind: Bayern verzeichnet im Vergleich der deutschen Bundesländer sehr niedrige Rentenzahlbeträge und hat eine hohe Armutsrisikoquote bei Älteren. Von der eigenen Rente im Alter leben zu können, wird für viele Menschen, auch in Bayern, zunehmend schwieriger. Schon heute ist Altersarmut ein Problem. So gelten 14,3 % aller Bayern im Jahr 2012 als armutsgefährdet. Bei den ab 65-Jährigen sind es sogar 21,3 % (s. S. 30). Das ist der höchste Wert aller Bundesländer.

DGB-Broschüre "Arbeitsqualität und Rente in Bayern" (PDF, 3 MB)

Im Rahmen des "DGB-Index Gute Arbeit" haben sich Beschäftigte in Bayern ausführlich zu ihrer Arbeitsqualität und zu ihren Erwartungen bezüglich ihrer zukünftigen Arbeitsfähigkeit und Rentenhöhe geäußert.

In Zukunft muss jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in Bayern mindestens 47 Jahre lang arbeiten, um eine Rente zu bekommen, die knapp oberhalb der Grundsicherung liegt. Hintergrund für diese besorgniserregende Entwicklung sind zwei Faktoren: Erstens arbeiten in Bayern 21 Prozent bzw. etwas mehr als 690.000 der Vollzeitbeschäftigten  zu Niedriglöhnen. Zweitens soll das Rentenniveau von derzeit knapp 50 bis auf 43 Prozent im Jahr 2030 sinken. Altersarmut wird damit eine Gefahr, auch für Normalverdienende. Dann wird Altersarmut zum Massenphänomen.

Die zunehmende Prekarisierung am Arbeitsmarkt in Kombination mit den Einschnitten in der gesetzlichen Rentenversicherung führen dazu, dass Lebensstandardsicherung im Alter für viele Menschen zum Fremdwort wird.

Voraussetzungen für Rente mit 67 sind nicht da

Die Voraussetzungen für die Rente mit 67 sind nicht gegeben. Weder sind die Betriebe in der Mehrheit bereit, in die Arbeitsfähigkeit ihrer Beschäftigten zu investieren und die Arbeitsbedingungen entscheidend zu verbessern, noch zeichnet sich ein Ende der Diskriminierung Älterer ab, speziell bei der Rekrutierung vom externen Arbeitsmarkt. Ein erheblicher Anteil von Beschäftigten schafft es so nicht einmal bis 65 und schon gar nicht bis 67 zu arbeiten.

Die Vorhaben der Großen Koalition wie die Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente, die Möglichkeit für langjährig Versicherte, mit 63 abschlagsfrei in Rente zu gehen, die bessere Anrechnung von Kindererziehungsleistungen für vor 1992 geborene Kinder und die geplante solidarische Lebensleistungsrente sind wichtige erste Schritte in die richtige Richtung. Sie reichen aber nicht aus, es muss es darum gehen, die Ursachen zu bekämpfen.

Zum einen darf das Rentenniveau nicht weiter sinken (dazu findet sich im Koalitionsvertrag leider gar nichts). Zum anderen muss die immense Ausweitung von Niedriglöhnen, die zunehmende Prekarisierung von Arbeit und der Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträge gestoppt werden. Auch die Arbeitgeber sind gefordert, denn der Arbeits- und Gesundheitsschutz ist in vielen Betrieben immer noch unzureichend.

Wer mit dem Gehalt nicht auskommt, dem wird die Rente erst recht nicht reichen

Die Qualität der Arbeit und das Auskommen mit der zukünftigen Rente sind zwei Seiten einer Medaille. Wer heute mit seinem Gehalt nicht auskommt und/oder aufgrund der belastenden Arbeitsbedingungen gar nicht in der Lage ist bis zum Renteneintritt arbeiten zu können, für den wird es in der Rente erst recht nicht reichen. Doch sind das keine Entwicklungen, die nicht zu stoppen sind. Es gibt Alternativen.

Verfassungswidrig - Arbeit darf nicht krank machen

DGB Bayern

Nicht der demografische Wandel - Stichwort: mehr alte und weniger junge Menschen - ist das Problem. Unsere Gesellschaft wird immer reicher. Die Wirtschaftsleistung steigt. Die Frage danach, wie der gesellschaftlich geschaffene Reichtum verteilt wird, muss verstärkt gestellt werden. Bei der Diskussion um die sozialen Sicherungssysteme wird das von interessierter Seite gerne ausgeblendet. Doch sprechen die Sozialberichte des Bundes oder aber auch der Bayerischen Staatsregierung eine deutliche Sprache. Nur muss dann auch gehandelt werden, um soziale Missstände zu beseitigen.

Die Rentenpolitik alleine kann die Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt nicht ausgleichen. Damit wäre sie schlicht überfordert. Es ist Zeit dafür, dass gute Arbeit zum flächendeckenden Standard wird.

Die Beschäftigten in Bayern gehen heute im Durchschnitt mit knapp 64 Jahren in die Rente. Diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden müssen, schaffen es im Schnitt gerade mal bis zum 51. Lebensjahr. Das zeigt deutlich, dass etwas schiefläuft im Freistaat.

Mit guten Arbeitsbedingungen können Beschäftigte länger arbeiten

Gute Arbeitsbedingungen verbessern die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten auch im höheren Erwerbsalter. Doch wird die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten nicht ausreichend vor gesundheitlichen Belastungen geschützt. Auf der einen Seite steigt der Druck in der Arbeit, auf der anderen Seite fehlt es an Prävention und Gesundheitsförderung in den Betrieben. Das spiegelt sich dann auch in den Erwartungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Arbeitsfähigkeit und dem Auskommen mit der Rente wider.

Die in dieser Broschüre vorgelegten bayerischen Ergebnisse zeigen großen Handlungsbedarf auf. Wir brauchen einen Politikwechsel in der Rentenpolitik, am Arbeitsmarkt und in den betrieblichen Realitäten, für ein Mehr an Perspektive, heute und im Alter.

Dass das möglich ist, hat der DGB unter anderem in seinem Rentenkonzept aufgezeigt. Eine gesetzliche Rente ist möglich, die wieder gleichzusetzen ist mit der ausreichenden Sicherung des Lebensstandards im Alter. Allein der politische Wille muss da sein, sich zum Wohle aller Beschäftigten einzusetzen.


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