Deutscher Gewerkschaftsbund

27.02.2012

Report des DGB Bayern: Prekäre Beschäftigung in Bayern

Immer mehr unsichere Arbeit und Niedriglöhne

Titelbild Report Prekäre Beschäftigung in Bayern.

DGB Bayern

Der DGB Bayern hat seinen Report "Prekäre Beschäftigung in Bayern - jung, weiblich, alt" vorgestellt. Die zentralen Ergebnisse lauten: Unsichere Arbeit und Niedriglöhne nehmen weiter zu und erhöhen vor allem das Alterarmutsrisiko. Von prekärer Beschäftigung besonders betroffen sind junge Menschen, Frauen und ältere Beschäftigte. In der Folge steigert die zunehmende prekäre Beschäftigung die Lebensunsicherheit und das Armutsrisiko vor allem dieser drei Personengruppen.

Der Arbeitsmarkt franst immer weiter aus. Das unternehmerische Risiko wird immer stärker
auf die Arbeitnehmer verlagert. Arbeitsplätze werden ausgelagert und immer häufiger
Niedriglöhne gezahlt, ohne Rücksicht auf die sozialen Sicherungssysteme und die
Einkommenssituation der Menschen. Das ist das eindeutige Ergebnis des Reports, den das
Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES) für den DGB Bayern erstellt hat.

Report Prekäre Beschäftigung in Bayern (PDF, 2 MB)

Der DGB Bayern hat seinen Report "Prekäre Beschäftigung in Bayern - jung, weiblich, alt" vorgestellt. Die zentralen Ergebnisse lauten: Unsichere Arbeit und Niedriglöhne nehmen weiter zu und erhöhen vor allem das Alterarmutsrisiko.

Die Printversion ist vergriffen!

Die Printversion des Reports Prekäre Beschäftigung in Bayern erhalten sie kostenlos bei Ihrer DGB-Region oder beim DGB-Bezirk Bayern.

Einige wesentliche Fakten zur atypischen und prekären Beschäftigung in Bayern:

  • Atypisch Beschäftigte sind mehrheitlich auch prekär Beschäftigte. Das liegt sowohl an
    ihrer Einkommenssituation als auch an den besonderen Risiken, die mit solchen
    Arbeitsverhältnissen verbunden sind.
  • Die Gefahren brüchiger Erwerbsbiographien für die Betroffenen und die negativen
    Auswirkungen (z.B. auf die Sozialversicherung) sind wesentlich massiver als die nur in
    wenigen Fällen vorhandenen Brückenstege in sichere Beschäftigung.
  • Atypische Beschäftigung hat vor allem in den letzten zehn Jahren in Bayern und
    Deutschland schneller zugenommen als in den meisten anderen Ländern der EU.
  • Die übermäßige Ausbreitung solcher atypischen Beschäftigungsverhältnisse hat eine
    ganze Reihe negativer Auswirkungen. Sie werden besonders für junge Leute beim Start
    ins Berufsleben zu einem zunehmenden Problem.
  • Von der grassierenden Ausbreitung atypischer - und meist prekärer - Arbeitsverhältnisse
    geht die große Gefahr einer weiterhin steigenden Altersarmut aus. Schon heute liegt die
    Armutsgefährdungsquote älterer Menschen in Bayern weit über dem Durchschnitt der
    westdeutschen Bundesländer. Hier tickt eine Zeitbombe, deren Sprengkraft selbst die
    schlimmsten Ahnungen übersteigt.

Knapp die Hälfte aller atypisch Beschäftigten arbeitet für Niedriglöhne.

  • Die meisten Nicht-Normalbeschäftigten finden sich im Dienstleistungsbereich (knapp
    45 %). Im Durchschnitt liegen die Anteile atypisch Beschäftigter in den Betrieben bereits
    bei über 30 %.
  • Freiwillige und erzwungene Teilzeit steigt in Bayern dramatisch. In den letzten 10 Jahren
    ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten bei Frauen um 73 % auf 740 Tsd., bei Männern um
    56 % aus 138 Tsd. gestiegen.
  • Die Zahl der sog. Mini-Jobber (weniger als 400 €) hat in Bayern seit 2003 deutlich
    zugenommen (fast + 30 %, auf jetzt 1.148.218, Stand September 2011). Obwohl Mini-
    Jobber bei Löhnen, Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht diskriminiert werden dürfen, wird dies in der Praxis ständig untergraben und weder
    unterbunden noch sanktioniert.
Statement Jena zur Vorstellung des Reports Prekäre Beschäftigung in Bayern. (PDF, 25 kB)

Der Arbeitsmarkt franst immer weiter aus. Das unternehmerische Risiko wird immer stärker auf die Arbeitnehmer verlagert. Arbeitsplätze werden ausgelagert und immer häufiger Niedriglöhne gezahlt, ohne Rücksicht auf die sozialen Sicherungssysteme und die Einkommenssituation der Menschen. Das ist das eindeutige Ergebnis des Reports.

  • In fast jedem dritten Betrieb in Bayern werden Midi-Jobber (401 – 800 €) beschäftigt.
    Rund jeder 10. Midi-Jobber arbeitet in Vollzeit. Diese Beschäftigten erhalten also – trotz
    Vollzeit – weniger als 800 € brutto im Monat.
  • Etwa 43 % Prozent aller Neueinstellungen in Bayern erfolgen nur noch befristet.
  • Knapp die Hälfte aller atypisch Beschäftigten erreicht bei den Bruttostundenlöhnen nicht
    einmal die Niedriglohngrenze (bei Normalarbeitnehmern jeder 10.).
  • Unser Report zeigt auch, dass nicht jedes Vollzeitbeschäftigungsverhältnis automatisch
    ein sicheres Einkommen bedeutet. In Bayern ist der Anteil der Vollzeitbeschäftigten im
    Niedriglohnbereich innerhalb von acht Jahren von 14 % auf nunmehr 18 % gestiegen.
    Insbesondere im Gastgewerbe mit knapp 67 % und bei den sonstigen wirtschaftlichen
    Dienstleistungen mit 60 % (dies beinhaltet auch die Leiharbeit) sind die Anteile
    erschreckend hoch.
  • Atypische Beschäftigung, Prekarität und Niedriglohn ist weiblich. Jede dritte (!) Frau in
    Vollzeitbeschäftigung ist Niedriglohnbezieherin.

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