Deutscher Gewerkschaftsbund

31.01.2011

Report des DGB Bayern: Leiharbeit in Bayern

Unreguliert - Unterbezahlt - Unsicher

Titelbild des Reports Leiharbeit in Bayern

DGB Bayern

Leiharbeit ist immer weiter auf dem Vormarsch. Der Höchststand vor dem Krisenjahr 2009 ist längst deutlich übertroffen – Tendenz weiter steigend. Leiharbeit dient den Unternehmen zunehmend, eine zweite, schlechter bezahlte Lohnlinie zu etablieren und Arbeitnehmer zweiter Klasse mit eingeschränkten Rechten und unsicheren Vertragsbedingungen zu beschäftigen. Für die gleiche Arbeit erhalten Leiharbeiter weniger Geld als regulär Beschäftigte.

Der DGB Bayern macht mit dem Report „Leiharbeit in Bayern – Unreguliert, Unterbezahlt, Unsicher“ die Situation von Leiharbeitern in Bayern und die damit verbundene Deregulierung des Arbeitsmarktes transparenter. Eigene Berechnungen und Analysen in der Untersuchung des IMU-Instituts im Auftrag des DGB Bayern liefern neue Erkenntnisse über die Leiharbeit in Bayern.

Leiharbeit wächst in allen Branchen

Leiharbeit boomt. Das heißt zugleich: Lohndumping boomt. Der Wirtschaftsaufschwung findet auf dem Rücken vieler Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen statt, die unreguliert, unterbezahlt und unsicher beschäftigt sind. Leiharbeit begrenzt sich nicht mehr auf den Einsatz in der Industrie. Sondern Leiharbeit wächst dramatisch z.B. in der Altenpflege, bei den Banken, den Flughafen-Bodendiensten, der Gebäudereinigung, im Handel, in den Krankenhäusern und Zeitungsredaktionen.

Report Leiharbeit in Bayern (PDF, 4 MB)

Leiharbeit ist immer weiter auf dem Vormarsch. Der Höchststand vor dem Krisenjahr 2009 ist längst deutlich übertroffen – Tendenz weiter steigend. Der DGB Bayern macht mit dem Report „Leiharbeit in Bayern – Unreguliert, Unterbezahlt, Unsicher“ die Situation von Leiharbeitern in Bayern und die damit verbundene Deregulierung des Arbeitsmarktes transparenter.

Der Untertitel des Reports beschreibt treffend die Lage: Unreguliert – Unterbezahlt – Unsicher. Wir haben herausgefunden: Leiharbeiter in Bayern erhalten im Schnitt nur halb so viel Lohn wie regulär Beschäftigte. In der Spitze liegt die Lohndifferenz bei 60 %. Die systematische finanzielle Schlechterstellung von Leiharbeitern zeigt es deutlich: Durch Leiharbeit soll ein zweites, niedrigeres Entlohnungsniveau geschaffen und ein Arbeitnehmer zweiter Klasse etabliert werden.

Die Niedriglohnschwelle in Westdeutschland liegt bei 1.870 € brutto. Unser Report belegt: Vier von fünf Leiharbeitern in Bayern arbeiten für Niedriglöhne unterhalb dieser Schwelle. Leiharbeitskräfte sind in Folge der schlechteren Bezahlung etwa siebenmal so häufig wie andere sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf zusätzliche staatliche Transferleistungen angewiesen. Der Staat muss ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken. Allein für die Leiharbeitnehmer in Bayern kostet das die Steuerzahler etwa 70 Mio. Euro pro Jahr (bundesweit etwa 500 Mio. Euro). Der Staat und die Bundesagentur für Arbeit subventionieren die schlimmsten Praktiken der Leiharbeit.

Weder Brücke in Beschäftigung...

Wenn Arbeitgeber versuchen, sich und anderen die Leiharbeit schönzureden, dann nutzen sie gerne das Bild einer Brücke, die in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis führt. Ein schönes Bild, der Wahrheitsgehalt tendiert aber gegen Null. Unsere Studie ergibt keinen Anhaltspunkt für eine wie auch immer geartete Brückenfunktion der Leiharbeit, es tut sich vielmehr ein tiefer Abgrund auf. Ältere Arbeitnehmer werden ohnehin schon vom Arbeitsmarkt gedrängt. In der Leiharbeit haben sie sogar noch schlechtere Beschäftigungschancen. Der Anteil der Arbeitnehmer über 50 an allen Leiharbeitern ist deutlich geringer als ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Statement Jena zur Vorstellung des Reports Leiharbeit in Bayern (PDF, 68 kB)

Leiharbeit boomt. Das heißt zugleich: Lohndumping boomt. Der Wirtschaftsaufschwung findet auf dem Rücken vieler Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen statt, die unreguliert, unterbezahlt und unsicher beschäftigt sind. Leiharbeit begrenzt sich nicht mehr auf den Einsatz in der Industrie. Sondern Leiharbeit wächst dramatisch z.B. in der Altenpflege, bei den Banken, den Flughafen-Bodendiensten, der Gebäudereinigung, im Handel, in den Krankenhäusern und Zeitungsredaktionen.

Junge Arbeitnehmer hingegen sind unter Leiharbeitern deutlich überrepräsentiert. Mehr als jeder fünfte Leiharbeiter in Bayern ist jünger als 25 Jahre. Leiharbeit stellt für sie einen Filter am Arbeitsmarkt dar. Eine erkennbare Perspektive ist mit der Leiharbeit nicht verbunden. Wir wissen, dass junge Beschäftigte insgesamt von allen Formen prekärer und atypischer Beschäftigung am stärksten betroffen sind. Der Jugend wird so von Anfang an ein Leben in beruflicher und finanzieller Unsicherheit aufgezwungen.

...noch Jobmotor

Leiharbeit ist ein ständiges Drohpotenzial. Und Leiharbeit verdrängt reguläre Arbeitsplätze. Mittlerweile sind in Bayern die Zahl der Leiharbeiter und auch ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bereits über das Niveau vor der Krise geklettert. Und das obwohl die Wirtschaft brummt wie schon lange nicht mehr. Das ist ein klares Indiz dafür, dass normale Arbeit zunehmend durch Leiharbeit verdrängt und ersetzt wird. Gegen die Behauptung, Leiharbeit sei ein Jobmotor, spricht auch die Tatsache, dass Leiharbeit in Nordbayern stärker ansteigt als in Südbayern, in Südbayern aber die Gesamtzahl der Beschäftigten stärker steigt als in Nordbayern.

Der Beschäftigungsanstieg in der Leiharbeit ist in Nordbayern höher als der Anstieg der Gesamtbeschäftigung, weshalb sich außerhalb der Leiharbeitsbranche ein Arbeitsplatzverlust von über 4.600 Stellen ergibt. In Nordbayern nimmt also die Anzahl der direkt beim Einsatzbetrieb beschäftigten Arbeitnehmer ab und die Anzahl der Leiharbeiter zu. Das heißt: Leiharbeit schafft in Bayern keine neuen Arbeit, sondern verdrängt reguläre Arbeit.

Statement Dr. Biehler (IMU) zur Vorstellung des Reports Leiharbeit in Bayern (PDF, 47 kB)

Mit der Neuregelung der Leiharbeit in den Hartz-Gesetzen wurde das Ziel verfolgt, Langzeitarbeitslosen eine Brücke in den regulären Arbeitsmarkt zu bauen. Alle bisher vorliegenden Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass es solche Effekte entweder nicht gibt oder sie sehr schwach sind. Das IAB spricht deshalb nur noch von einem schmalen Steg. Auch die hier vorgelegte Untersuchung findet für eine solche Brückenfunktion keine belastbaren Anhaltspunkte.

Schleudersitz statt Klebeeffekt

Den sogenannten Klebeeffekt, also den Verbleib als Stammbeschäftigter im Entleihunternehmen, schätzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) auf lediglich 15 Prozent, andere Institute gehen von noch niedrigeren Werten aus. Und ohne die von Gewerkschaften und Betriebsräten bei den Entleihbetrieben erkämpften Besserstellungsvereinbarungen wären die Zahlen noch niedriger. Als vor einigen Jahren die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen abgeschafft werden sollten, wurde kritisiert, dass ein Klebeeffekt von etwa 25 Prozent viel zu niedrig sei, um die Fortführung dieser Maßnahmen zu rechtfertigen. Und heute wird in der Öffentlichkeit eine Klebequote von maximal 15 Prozent als Grund für die arbeitsmarktpolitische Bedeutung der Leiharbeit angeführt. Im Durchschnitt werden pro Monat 6,5 Prozent der Leiharbeiter entlassen. Damit ist ihr Entlassungsrisiko etwa 10-mal höher als zum Beispiel im Verarbeitenden Gewerbe (Quelle: Agentur für Arbeit).


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