Deutscher Gewerkschaftsbund

05.12.2014

Rentenreport des DGB Bayern: Bayern droht massives Rentenproblem

Der "Rentenreport Bayern 2014" des DGB Bayern zeigt, dass Bayern in ein massives Rentenproblem gerät, wenn der Gesetzgeber nicht zügig und konsequent gegensteuert. Dabei gibt es mehrere Problemfelder, die dringend angegangen werden müssen: das Rentenniveau, der Niedriglohnsektor, die gesundheitlichen Folgen von schlechter Arbeitsqualität.

Erstens: Das Rentenniveau wird immer weiter abgesenkt. Künftig wird es kaum mehr möglich sein, den eigenen Lebensstandard nach dem Renteneintritt auch nur annähernd aufrechtzuerhalten.

Zweitens: Der große Niedriglohnsektor sorgt in Bayern dafür, dass rund ein Viertel der Beschäftigten so wenig verdient, dass sie neben ihren Ansprüchen aus der Rentenversicherung im Alter auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind.

Drittens: Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer scheiden aufgrund psychischer und physischer Erkrankungen vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus. Auch für diese Bezieherinnen und Bezieher von Erwerbsminderungsrenten ist Altersarmut meist vorprogrammiert. Deshalb brauchen wir für die Beschäftigten, die einfach nicht mehr können, flexiblere Übergänge in die Rente.

Rentenreport Bayern 2014 (PDF, 1 MB)

Der DGB Bayern präsentiert mit seinem „Rentenreport Bayern 2014“ Zahlen und Analysen zur aktuellen Lage der Rentnerinnen und Rentner.

Neue Rentenzahlen für Bayern

Die Höhe der durchschnittlichen Altersrente in Bayern lag bei bayerischen Männern, die 2013 erstmals Rente bezogen, bei 949 Euro. Der Unterschied zu den Frauen ist eklatant, sie bekamen im Schnitt mit lediglich 529 Euro monatlich etwas mehr als die Hälfte. Viele Menschen erreichen mit ihren Rentenansprüchen damit nicht einmal das Grundsicherungsniveau.

2013 erhielten in Bayern mehr als 114.000 Menschen Leistungen der Grundsicherung im Alter - mehr als 65.000 davon waren 65 oder älter, mehr als 48.000 davon waren unter 65 und dauerhaft erwerbsgemindert. Für diese Menschen reicht die Rente schon heute nicht mehr zum Leben. Seit der Verfügbarkeit der Daten im Jahr 2007 ist dabei ein Anstieg um fast 28.000 Personen bzw. 33 % zu verzeichnen.

Mehr aktuelle Rentenzahlen für Bayern im Statement und im Report

Forderungen des DGB

Der DGB Bayern fordert eine Reform, die das Rentensystem nachhaltig stärkt. Altersarmut und Bedürftigkeit drohen weiter zu wachsen. Dies wollen wir Gewerkschaften mit aller Macht verhindern. Menschen, die jahrzehntelang hart gearbeitet haben, dürfen nicht zu Bittstellern werden.

Wenn die Politik nicht gegensteuert, werden die heute jungen Menschen erheblich länger arbeiten müssen und dennoch erheblich geringere Rentenansprüche erwerben.
Der DGB hat vorgerechnet, wie dieser Entwicklung Einhalt geboten werden kann. Wir fordern, jetzt den Beitragssatz moderat anzuheben und so eine Demografiereserve aufzubauen. Notwendig wäre eine schrittweise Anhebung des Beitragssatzes auf 22 Prozent bis zum Jahr 2030. Dies bedeutet für Durchschnittsverdiener eine Zusatzbelastung von etwa vier Euro je Monat.

Statement PK Rentenreport Bayern 2014 Jena Di Pasquale (PDF, 114 kB)

Matthias Jena und Dr. Verena Di Pasquale stellen die Ergebnisse des „Rentenreports Bayern 2014“ vor und formulieren Schlussfolgerungen für eine zukunftsfeste Rentenpolitik.

Statt der Rentenversicherung mit einer erneuten Absenkung des Beitragssatzes notwendige Mittel zu entziehen, fordern wir den Aufbau von Reserven. Damit könnten weitere Rentenkürzungen verhindert und darüber hinaus die Erwerbsminderungsrente spürbar verbessert werden. Sogar die Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters könnte nach unserem Finanzierungskonzept ausgesetzt werden.

Prekäre Arbeitsverhältnisse müssen konsequent zurückgedrängt und Minijobs reformiert werden. Gute Arbeit ist das sicherste Mittel gegen Altersarmut. Gute Arbeit gibt es vor allem dort, wo es einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad und gute Tarifverträge gibt. Es liegt daher auch in der Hand der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sich durch die Mitgliedschaft in einer Interessenvertretung für höhere Löhne und Rentenansprüche einzusetzen.

Aber auch der Staat ist gefragt, wenn es um gute Arbeit geht. Der von den Gewerkschaften durchgesetzte Mindestlohn von 8,50 Euro ist ein wichtiger Schritt, um Lohndumping Einhalt zu gebieten. Das reicht aber nicht aus. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Minijobs voll sozialversicherungspflichtig werden und ab dem ersten Euro Beiträge an die Rentenkasse fällig sind. Zudem brauchen wir ein gesetzliches Rückkehrrecht von Teilzeit- in Vollzeitarbeit. Die nach wie vor niedrigeren Renten von Frauen sind eine Folge mangelnder Erwerbsbeteiligung. Frauen sind weit häufiger als Männer prekär beschäftigt (Mini-Jobs, unfreiwillige Teilzeit etc.).

Außerdem muss das Rentensystem eine Antwort auf die Probleme der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, die eine gesundheitlich belastende Tätigkeit ausüben und nicht bis zum Renteneintrittsalter durchhalten können. Das heißt: Die Zahl der Erwerbsminderungsrenten muss drastisch verringert werden. Das wird nur gehen, wenn sich die Betriebe auf eine alters- und alternsgerechtere Gestaltung der Arbeit einstellen. Gerade aufgrund der steigenden psychischen Diagnosen brauchen wir zudem eine Anti-Stress-Verordnung, die Beschäftigte wirksam vor psychischen Belastungen schützt.


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