Deutscher Gewerkschaftsbund

28.10.2016

Streitzeit: Ausbildung darf nicht überlasten!

„41,8 Prozent der Auszubildenden berichten von regelmäßigen Überstunden. Davon müssen 8,5 Prozent sogar mehr als fünf Überstunden pro Woche leisten. Über 10 Prozent der Azubis, die Überstunden machen, bekommen diese nicht einmal finanziell oder durch Freizeit ausgeglichen.“ Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Auszubildenden in Bayern für den „Ausbildungsreport Bayern 2016“.

Psychische Belastungen

Der Schwerpunkt des aktuellen Reports liegt auf den psychischen Belastungen beim Berufseinstieg. Fast 50% der Auszubildenden geben an, bereits in der Ausbildung unter Belastungen zu leiden. Am häufigsten nannten die Auszubildenden die Fahrtzeit als Belastungsfaktor. Jeder fünfte Auszubildende empfindet lange Fahrtzeiten als belastend beziehungsweise sehr belastend. Da Bayern ein Flächenland ist, sind lange Fahrzeiten nicht zu vermeiden, solange Auszubildende aufgrund der geringen Ausbildungsvergütungen nicht von zu Hause auszuziehen können. Die Arbeitgeber sind gefragt, Auszubildenden eine preiswerte, betriebsnahe Unterbringung zu ermöglichen, um ihre Auszubildenden zu entlasten.

Ausbildungsreport Bayern 2016, S. 9 DGB-Jugend Bayern

Mit 18 Prozent ist Leistungs- und Zeitdruck die am zweithäufigsten genannte Belastung. Eine gut strukturierte Ausbildung sollte genügend Zeit für die Aneignung der einzelnen Ausbildungsinhalte beinhalten. Fehlende Ausbildungspläne, Ausbilder und Überstunden führen aber zu unstrukturierter Vermittlung von Ausbildungsinhalten. Die Arbeitgeber sind gefordert, die Ausbildung so zu gestalten, dass es nicht bereits zu Beginn der Berufskarriere zu einer Überforderung kommt.

JAV als Korrektiv

Ein wichtiges Korrektiv im Betrieb sind betriebliche Interessensvertretungsorgane. Auszubildende ohne betriebliche Interessenvertretung sind nur zu 13,8 Prozent sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung. Wenn ein Betriebs- oder Personalrat existiert, sind 27,6 Prozent der befragten Azubis sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung – in Betrieben mit einer Auszubildendenvertretung (JAV) sogar 33,7 Prozent. Auszubildende, die Gewerkschaftsmitglied sind, sind wiederum deutlich zufriedener mit ihrer Ausbildung als solche, die keine sind.

Die Streitzeit "Ausbildung darf nicht überlasten!" macht auf den Schwerpunkt des aktuellen Ausbildungsreports der DGB-Jugend Bayern, die psychischen Belastungen in der Ausbildung, aufmerksam.

Wir bleiben wachsam.

Es ist Aufgabe der Kammern, ihren Aufsichtspflichten nachzukommen und auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften in den Betrieben zu dringen. Aber auch der DGB Bayern und die Gewerkschaften werden weiterhin wachsam bleiben, sodass Auszubildende nicht bereits bei ihrem Berufseinstieg durch Überstunden und das Umgehen von Schutzvorschriften überlastet werden.

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Ausbildungsreport

Die DGB-Jugend Bayern veröffentlichte mit dem „Ausbildungsreport Bayern 2016“ bereits zum fünften Mal ihren bayerischen Ausbildungsreport. Im Rahmen der Berufsschultour wurden über 1.200 Auszubildende in Bayern zur Qualität ihrer Ausbildung befragt und so eine repräsentative Studie erstellt. Ähnlich wie in den letzten Jahren sind dreiviertel der Auszubildenden in Bayern mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Im Branchenvergleich wird jedoch deutlich, dass einige Ausbildungsberufe systematisch schlechter abschneiden, und dies bereits seit Jahren. Der Einzelhandel sowie zahnmedizinische und medizinische Fachangestellte gehörten bereits in den letzten Ausbildungsreporten zu den schlecht bewerteten Ausbildungsberufen. Mehr dazu im „Ausbildungsreport Bayern 2016“ unter http://bayern.dgb.de/-/hNT.


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