Deutscher Gewerkschaftsbund

16.07.2014

Gymnasium muss durchlässiger und anschlussfähiger werden

Gewerkschaftliche Anforderungen an die Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums

Der DGB Bayern stellt klare Anforderungen an die Weiterentwicklung des Gymnasiums. Es muss durchlässiger und anschlussfähiger werden.

Gewerkschaften und Gymnasium? Die beiden haben mehr miteinander zu tun, als viele denken. Der DGB Bayern hat sich mit der GEW Bayern aufgemacht, sich in den Dialogprozess zur Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums einzuschalten und gewerkschaftliche Anforderungen einzubringen. Es geht aus unserer Sicht nicht einfach um die Frage der Laufzeit am Gymnasium, wie das Volksbegehren der Freien Wähler vermuten lässt. Aus gewerkschaftlicher Sicht stellt sich die Frage, welche Stellung und Bedeutung das Gymnasium innerhalb des bayerischen Schulsystems hat.

Diskurs: Gewerkschaftliche Anforderungen an die Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums (PDF, 374 kB)

Der DGB Bayern stellt klare Anforderungen an die Weiterentwicklung des Gymnasiums. Hier das komplette Diskurs-Papier.

Koordinatenverschiebungen

In diesem Zusammenhang ist es aus unserer Sicht wichtig, gesellschaftliche Entwicklungen genauer anzusehen. Wir gehen davon aus, dass folgende Entwicklungstendenzen zu Koordinatenverschiebungen auch für das Gymnasium, aber auch weit über das Schulsystem hinaus haben werden:

  • Der demografische Wandel wird zu sinkenden Schülerzahlen führen und zumindest in ländlichen Bereichen die bisherige Versorgung mit Gymnasien in Frage stellen.
  • Dagegen steht ein Trend zu höheren Bildungsabschlüssen und zu steigenden Zahlen von Hochschulzugangsberechtigten. Hinter dieser Entwicklung steht die Hoffnung (vor allem der Eltern), dass sich damit für die Kinder und Jugendlichen die Zugänge zu höher bewerteten Berufen eröffnen.
  • Ob dies der Arbeitsmarkt – auch bei einer steigenden Zahl von Arbeitsplätzen, die eine akademische Ausbildung erfordern – auch ermöglichen kann, muss bezweifelt werden. Vermutlich wird es zum einen zu Verdrängungsprozessen beruflich Qualifizierter kommen, zum anderen zu stärkeren Prekarisierungstendenzen bei Akademiker/innen.
  • Zudem erhält das Gymnasium Konkurrenz als Zulieferer für die Hochschulen. Bereits jetzt kommen viele Studienanfänger/innen über berufliche Schulen wie FOS und BOS. Und seit 2009 ist auch für beruflich Qualifizierte der Weg in die Hochschule offen.
  • Nicht zuletzt bleibt eine Konstante: der soziale Filter, der am Gymnasium nach wie vor besonders gut wirkt. Mit der zunehmenden „Heterogenität“ kommen die Gymnasien nach wie vor ungenügend zurecht. Durchlässigkeit funktioniert überwiegend als Einbahnstraße Richtung Real- und Mittelschule.

Anforderungen an das Gymnasium

Im Hinblick auf die beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen geht es dem DGB darum, dass das Gymnasium durchlässiger und anschlussfähiger werden muss. Vier Kernforderungen sollen dazu aus unserer Sicht beitragen:

  • Das Gymnasium muss durchlässiger werden. Deshalb muss es eine Ganztagsschule werden. Für Schüler aus Familien mit geringen finanziellen Ressourcen fordern wir die Wiedereinführung des Schüler-BAföGs in der Oberstufe.
  • Das Gymnasium muss gegenüber den anderen Schularten kompatibler werden, um eine „Aufwärts-Durchlässigkeit“ herzustellen. Neben der Reduzierung der Wochenstunden in der Mittelstufe ist hier der mittlere Schulabschluss wichtig.
  • Das Gymnasium muss die Studierfähigkeit sicherstellen. Das geht nur mit einer Reform der gymnasialen Oberstufe, die in zwei Fächern und einem angeschlossenem W-Seminar vertieftes Lernen ermöglichen soll.
  • Auch das Gymnasium muss auf die Arbeitswelt hin orientieren. Deshalb ist die Berufsorientierung auch dort zu verankern und das bestehende P-Seminar zu einer fächerübergreifenden Arbeitswelt- und Berufsorientierung weiterzuentwickeln.

Die Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums benötigt eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Es bleibt zu hoffen, dass die bayerische Staatsregierung die Lehren aus der überstürzten Einführung des G8 gezogen hat und gerade in Fragen der Durchlässigkeit nicht nur rhetorisch handlungsfähig ist.

Positionspapier der Landesfachgruppe Gymnasium der GEW Bayern


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