Deutscher Gewerkschaftsbund

24.06.2015

DGB-Jugend überreicht Skulptur „Die Vergebung“ im tschechischen Lidice

Gedenkfeier für Opfer der Nazi-Greueltaten

Azubis der Firma Grammer überreichen mit der DGB-Jugend ihre Skulptur "Die Vergebung" bei der Gedenkfeier 2015 im tschechischen Lidice.

Azubis der Firma Grammer überreichen mit der DGB-Jugend ihre Skulptur "Die Vergebung" bei der Gedenkfeier 2015 im tschechischen Lidice. OS KOVO/Frantisek Vonderka

Dem Ort Lidice in Tschechien, ca. 20 km nordwestlich von Prag, widerfuhr am 28. Mai 1942 eine grauenvolle Tragödie. Obwohl völlig unschuldig, zerstörten Nazi-Schergen als Vergeltungsmaßnahme für die Tötung ihres tschechischen Statthalters Heydrich sämtliche 93 Häuser des rund 500 Einwohner zählenden Ortes. 173 Männer wurden vor Ort erschossen, 200 Frauen kamen überwiegend in KZs, 100 Kinder wurden in speziellen Bussen vergast.

Der DGB Bayern und die DGB-Jugend Bayern nahmen vor zwei Jahren zum ersten Mal an einer Gedenkfeier in Lidice teil. In Absprache mit der tschechischen Metallgewerkschaft OS KOVO und der Amberger IG Metall konnten in diesem Jahr deutsche Jugendliche für eine aktive Rolle bei den Feierlichkeiten gewonnen werden. Das gelang mit Hilfe des Ausbildungsleiters Gerhard Pilz und der Auszubildenden- und Jugendvertretung unter Leitung von Lukas Hiersig. Elf Azubis (allesamt IG Metall-Mitglieder) diskutierten, konzipierten und fertigten in Eigenregie und Eigenarbeit eine Skulptur. Die Firma Grammer unterstützte das Projekt, indem sie Material, Transportmittel und Arbeitszeit unentgeltlich zur Verfügung stellte.

Beitrag von Oberpfalz-TV über die Skulpturübergabe in Lidice

An der Gedenkfeier in Lidice nahmen am 28. Mai teil: Sieben Azubis, der JAV-Vorsitzende Lukas Hiersig, Ausbildungsleiter Gerhard Pilz, Katja Ertl (DGB-Jugendsekretärin Oberpfalz), Helmut Fiedler (Abteilungsleiter „Grenzüberschreitende Beziehungen“ DGB Bayern), Petr Arnican (DGB-Projektsekretär und Dolmetscher) sowie Martin Oswald (Dolmetscher).

Mahnung zu einem friedlichen Zusammenleben

Die Gedenkfeier begann mit einem Rundgang durch die Ausstellung und das Gelände. Beim eigentlichen Festakt begrüßte Tomas Valasek (Projekt- und Jugendleiter OS KOVO) die Anwesenden und bedankte sich für deren Engagement. Der Vorsitzende von OS KOVO, Jaroslav Soucek, sowie sein Stellvertreter Jaromir Endlicher bedankten sich ebenfalls bei den tschechischen und bayerischen Jugendlichen und betonten, dass diese mit ihrem Interesse und ihren Skulpturen einen wichtigen Beitrag für die Mahnung zu einem friedlichen Zusammenleben der Völker und für die gute Nachbarschaft von Böhmen und Bayern leisteten.

Helmut Fiedler zitierte den deutschen Philosophen Wilhelm von Humboldt mit den Worten: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“. Er freute sich über eine interessierte Jugend, die verhindert, dass die Verbrechen aus der Nazi-Zeit in Vergessenheit geraten. Als letzter Redner berichtete Lukas Hiersig über die Entstehung der Skulptur und die damit verbundenen Diskussionen. Es war nichts vorgegeben, außer dass die Skulptur aus Metall sein sollte und thematisch zu den Vorgängen in Lidice am 28. Mai 1942 passen sollte. Als Ergebnis entstand das Werk „Die Vergebung“. Von tschechischen Berufsschülern aus Jihlava und Hradec Kralove wurden zwei weitere Werke überreicht. Die Teilnehmer erhielten Dankurkunden.

Zeitzeugen beeindrucken die Azubis

Danach bestand die Gelegenheit, mit drei „Kindern von Lidice“, die die damaligen Ermordungen überlebt hatten (sie wurden als „Nordisch“ eingestuft und in Adoptiv-Familien verbracht), zu diskutieren und ihre Geschichte direkt von diesen Zeitzeugen zu erfahren. Den Gesichtern der Jugendlichen war deutlich anzusehen, dass es für sie unbegreiflich war, wie Menschen anderen Menschen derartiges Leid zufügen konnten.

Sie messen dem Gedenken an die Greueltaten größte Bedeutung bei. In der Schule hatten sie darüber nichts gelernt. Nun wollen sie die Erinnerung als in die Zukunft gerichtete Warnung verstehen. Sie nutzten auch die Gelegenheit, sich mit den tschechischen Jugendlichen auszutauschen.

Von den Zeitzeugen wollten die Jugendlichen wissen, wie sie heute über die Deutschen denken. Die Zeitzeugen betonten, dass sie sehr wohl registrierten, dass es gerade den Deutschen, die nach Lidice kommen und mit ihnen zusammen der Vergangenheit gedenken, ernst sei zu verhindern, dass solche Greueltaten wieder geschehen können. Und sie seien auch davon überzeugt, dass dies für eine überwältigende Mehrheit aller Deutschen gelte. Aktuelle Entwicklungen wie Pegida und die Ausgrenzung von Flüchtlingen beobachteten sie mit Besorgnis.


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