Deutscher Gewerkschaftsbund

12.10.2017

Streitzeit - Die bayerischen Hochschulen öffnen

Vier von fünf Studierenden an bayerischen Hochschulen haben Abitur. Sie kommen nach wie vor überproportional aus Elternhäusern, in denen beide Eltern selbst Abitur und ebenfalls studiert haben. Nur rund ein Prozent  der bayerischen Studierenden wurde 2016 mit einer beruflichen Qualifikation, aber ohne eine schulische Studienberechtigung, zum Studium zugelassen. Das ist ein Ergebnis der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Alle drei Jahre werden die Studierenden in Bayern im Rahmen der Sozialerhebungen zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage befragt.

Bildungskarrieren werden vererbt

Die Zahlen zeigen: Die hohe soziale Selektivität beim Zugang zu den bayerischen Hochschulen besteht fort. Junge Menschen aus Elternhäusern mit niedrigerem formalem Bildungsstand werden strukturell benachteiligt.

Durchlässigkeit? Fehlanzeige

Der Trend zur Höherqualifizierung führt in Bayern zu steigenden Studierendenzahlen, aber auch zu vermehrten Studienabbrüchen. Die Staatsregierung setzt darauf, StudienabbrecherInnen den Wechsel in eine duale Berufsausbildung zu erleichtern und damit für mehr Durchlässigkeit von „oben nach unten“ zu sorgen. Das ist nicht verkehrt. Es steigert die Bedeutung der dualen Berufsausbildung und hilft sie attraktiver zu machen. Am Grundproblem des bayerischen Bildungssystems ändert das aber nichts. Die Durchlässigkeit von „unten nach oben“ funktioniert nicht oder nur sehr holprig. Bildungskarrieren in Bayern werden – begünstigt durch das dreigliedrige Schulsystem – weiter vererbt. Nur wenige Menschen mit einer beruflichen Qualifikation schaffen ohne Abitur den Sprung an Bayerns Hochschulen. In keinem anderen Bundesland spielt die soziale Herkunft eine so wichtige Rolle wie in Bayern.

Für Chancengleichheit

Die Staatsregierung muss für mehr Durchlässigkeit an Bayerns Hochschulen sorgen und sie weiter für beruflich Qualifizierte öffnen. Der DGB fordert, dass Menschen mit mindestens dreijähriger abgeschlossener Berufsausbildung einen uneingeschränkten Hochschulzugang bekommen. Vorbereitungsangebote und berufsbegleitende Studienkonzepte müssen ausgebaut werden. Das Bafög muss erhöht und im Sinne eines Erwachsenenbafögs ausgebaut werden, also z.B. auch für Weiterbildungen zur Verfügung stehen.

Höchster beruflicher Abschluss der Eltern von Studierenden 1991 bis 2016 in %

Höchster beruflicher Abschluss der Eltern von Studierenden 1991 bis 2016 in %

1) 2016 erstmals zusätzliche Erhebung von Promotion; hier mit Abschluss einer Universität/Kunsthochschule zusammengefasst.
2) 2012 erstmals getrennte Erhebung von Abschluss einer Universität/Kunsthochschule und Abschluss einer Fachhochschule
Quelle: DSW/DZHW 21. Sozialerhebung



ArbeiterInnen studiert!

Gleiche Bildungschancen für alle: Die Zugänge zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe dürfen nicht vom Elternhaus abhängen. Das ist das Leitbild der Studienförderung der Hans Böckler Stiftung (HBS). Sie vergibt seit vielen Jahren Stipendien für das Studium und die Promotion. Sie fördert den Zweiten Bildungsweg. Sie unterstützt die berufliche Orientierung und den Übergang in den Beruf.
Dabei nimmt die HBS vor allem bildungsbenachteiligte Bevölkerungsschichten in den Fokus. Die geförderten Studierenden kommen zu 62 Prozent aus Nicht-Akademikerfamilien. Sie verfügen zu 55 Prozent über Berufserfahrung vor dem Studium. 51 Prozent der Geförderten sind Frauen und 23 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund.

Informationen zu den HBS-Stipendien gibt es unter https://www.boeckler.de/20.htm

 

Die Streitzeit im pdf-Format zum Download:

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