Deutscher Gewerkschaftsbund

30.05.2016

Streitzeit: Gesunde Arbeit ist möglich!

Die Zahlen zur Arbeitsbelastung in Bayern sprechen eine deutliche Sprache. Laut dem kürzlich veröffentlichten Gesundheitsreport der DAK  nehmen 117.000 Beschäftigte in Bayern Medikamente zu sich, um dem hohen Stresslevel während der Arbeitszeit standzuhalten oder ihren Stress abzubauen.

Arbeiten ohne Ende

Arbeitsbedingter Stress und Leistungsdruck sind traurige Realität für die Mehrzahl der Beschäftigten in Bayern. Die betrieblichen Erfahrungen zeigen, dass sich die Arbeitszeit nicht nur ausdehnt, sondern auch die Belastung währenddessen steigt. Das belegt der aktuelle Report des DGB Bayern, „Arbeiten ohne Ende in Bayern.“ Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlt sich mittlerweile bei der Arbeit gehetzt oder unter Zeitdruck (siehe Grafik). Nicht nur einzelne Berufsgruppen oder Branchen sind in der Arbeit überfordert. Vielmehr steigen die Belastungen für die Beschäftigten berufs- und branchenübergreifend – ob in der Gebäudereinigung oder im Verkauf, ob für die Pflegekraft, den Produktionsarbeiter, die Softwareentwicklerin oder den Außendienstler.

Gesundheitliche Folgen

Die starken Belastungen am Arbeitsplatz bleiben nicht ohne Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten. Die nach wie vor bedeutsamen körperlichen Belastungen nehmen mit wachsendem Zeit- und Leistungsdruck zu. Außerdem steigen die psychischen Belastungen.

Grafik Streitzeit 07/2016

DGB Bayern

Mittlerweile sind psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen nach Muskel- und Skeletterkrankungen. Laut Rentenreport des DGB Bayern von 2014 sind sie zudem die häufigste Diagnoseart für Erwerbsminderungsrenten. Das zeigt ganz klar den Handlungsbedarf. Die Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass Beschäftigte ihre Arbeit bis zum Renteneintrittsalter ausüben können. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Gefährdung ihrer Beschäftigten durch Überbelastung zu vermeiden und gegen arbeitsbedingte Erkrankungen präventiv vorzugehen. Die Bayerische Staatsregierung ist aufgefordert, den Arbeitgebern mit gutem Beispiel voranzugehen. Sie muss eine umfassende politische Initiative für die bessere Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in bayerischen Betrieben und Verwaltungen anstoßen. Im Mittelpunkt dieser Initiative müssen die psychischen Belastungen stehen.

Die Streitzeit "Gesunde Arbeit ist möglich!" schildert die Probleme zu hoher Arbeitsbelastung, insbesondere durch arbeitsbedingten Stress und Leistungsdruck. Sie bezieht sich inhaltlich auf den Report "Arbeiten ohne Ende in Bayern" und die darin verankerte Forderung nach einer Anti-Stress-Verordnung.

Anti-Stress-Verordnung

Es ist allerhöchste Zeit, die Beschäftigten wirksam vor krankmachenden Belastungen zu schützen. Dazu brauchen wir klare Regeln, um die stetig steigenden Anforderungen in der Arbeit einzuschränken. Mit Blick auf die hohe Zahl dauerhaft gestresster und psychisch kranker Beschäftigter in Bayern, fordert der DGB Bayern mehr denn je eine Anti-Stress-Verordnung.

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Neuer Report

„Arbeiten ohne Ende in Bayern“: Im neuen Report des DGB Bayern berichten Betriebs- und Personalräte aus verschiedenen Branchen über die konkreten Auswirkungen des ausufernden Arbeits-, Zeit- und Leistungsdrucks. Die Folgen sind verheerend. Die Beschäftigten in Bayern schaffen es immer weniger, das berufliche und das private Leben miteinander in Einklang zu bringen. Sowohl die körperliche Gesundheit als auch das soziale und private Leben der Beschäftigten werden stark beeinträchtigt. Psychische Erkrankungen nehmen zu, Arbeit und Familie lassen sich nur schwer vereinbaren, für das Ehrenamt und das Vereinswesen bleibt kaum noch Zeit. Damit muss Schluss sein. Wir brauchen eine neue Ordnung der Arbeit, die die Belastung der Beschäftigten spürbar senkt. Mehr dazu im Report „Arbeiten ohne Ende“ unter https://bayern.dgb.de/-/YWh.


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