Deutscher Gewerkschaftsbund

17.01.2014

Keine Verbesserungen bei Ausbildungsqualität

Ausbildungsreport 2013 Bayern: Weiter Mängel und Gesetzesverstöße

Ausbildungsreport 2013

DGB-Jugend Bayern

Matthias Jena (DGB Vorsitzender Bayern) und Astrid Backmann (DGB Bezirksjugendsekretärin) haben heute in München den „DGB Ausbildungsreport Bayern 2013“ vorgestellt. Ernüchterndes Ergebnis: Es sind keine wesentlichen Verbesserungen der Ausbildungsqualität in Bayern zu verzeichnen. Bestehende Mängel und Verstöße gegen gesetzliche Regelungen bleiben weiterhin bestehen. So leisten 41,4 Prozent der befragten Auszubildenden freiwillig oder unfreiwillig Überstunden.

16,5 Prozent erhalten dafür keinen Ausgleich. 11,2 Prozent der Befragten gaben immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten befasst zu sei, beide Werte haben sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert.

Verstöße gegen Jugendarbeitsschutzgesetz

Besonders problematisch sind die bestehenden Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz. 13,1 Prozent der Befragten unter 18 Jahren gaben an, regelmäßig mehr als vierzig Stunden pro Woche arbeiten zu müssen. Minderjährige dürfen aber laut Jugendarbeitsschutzgesetz maximal vierzig Stunden in der Woche arbeiten. 34,8 Prozent der Minderjährigen machen regelmäßig Überstunden. Wir haben es hier also mit einem eindeutigen Rechtsbruch zu tun. Das zeigt, dass Minderjährige in der Ausbildung besser geschützt werden müssen.

Themenschwerpunkte der aktuellen Befragung waren der Einstieg in die Ausbildung und die Perspektiven danach. Der Großteil der befragten Auszubildenden konnte die Ausbildung in ihrem Wunschberuf oder in einem von mehreren für sie interessanten Berufen beginnen. 20,9 Prozent macht allerdings die Ausbildung in einem Beruf, der eigentlich nicht geplant war.

Mehr Zufriedenheit im Wunschberuf

Häufig wird von Arbeitgebern beklagt, dass Jugendliche nicht flexibel genug seien, sowohl räumlich als auch in Bezug auf ihren Ausbildungsberuf. Wie wichtig es aber ist, dass Jugendliche einen Beruf erlernen der sie interessiert, zeigt sich im Verlauf der Ausbildung. Der Report stellt fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Verwirklichung der Wunschausbildung und einem erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben gibt. Wer einen Beruf erlernt, den er ursprünglich gar nicht wollte, ist zu 56,8 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Dieser Anteil steigt auf 85,6 Prozent, wenn es sich um den Wunschberuf handelt. Zudem können sich die Auszubildenden deutlich seltener vorstellen, im Anschluss an ihre Ausbildung im gleichen Beruf weiter tätig zu sein (31,5 Prozent beim Alternativberuf, gegenüber 81,1 Prozent beim Wunschberuf).

Astrid Backmann und Matthias Jena bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des "Ausbildungsreports 2013 Bayern".

Astrid Backmann und Matthias Jena bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des "Ausbildungsreports 2013 Bayern". DGB Bayern/T. Günther

Die Ergebnisse zeigen die Bedeutung einen auswahlfähigen Ausbildungsplatzangebotes auf. Es nützt weder den Unternehmen noch den Auszubildenden, wenn diese in Berufe gedrängt werden, die sie nicht ausüben möchten.

Nur ein Drittel hat bereits Zusage für Übernahme

Trotz Fachkräftediskussion erfüllt sich die Hoffnung auf eine Übernahme nach der Ausbildung keineswegs für alle. Von den Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr haben lediglich 32,2 Prozent zum Zeitpunkt der Befragung eine Zusage für eine Übernahme bekommen, und etwa 6,3 Prozent wussten bereits, dass sie nicht übernommen werden. Die restlichen 61,6 Prozent hatten noch keine Auskunft über ihre berufliche Perspektive im Betrieb.

Jugendliche brauchen aber die Chance ein selbstbestimmtes Leben mit vielfältigen Perspektiven und materieller Sicherheit erreichen zu können. Daher fordern wir die unbefristete Übernahme. Dies ist nicht nur eine Wertschätzung und Anerkennung gegenüber den Auszubildenden, und ihrer beruflichen Leistung sie gibt den jungen Menschen auch längerfristige Perspektiven.

Wer Fachkräfte will, muss gut ausbilden

Wer Auszubildende nicht übernimmt, kann auch keinen Mangel an Fachkräften haben. Der Ausbildungsreport macht deutlich, dass die Betriebe umdenken und, gerade vor dem Hintergrund der Debatte um Fachkräfte, qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen müssen. Berufe die weniger nachgefragt sind, müssen aufgewertet und attraktiver werden. Denn unbesetzte Stellen sind aus unserer Sicht nicht durch einen Bewerber/innenmangel oder die angeblich fehlende Ausbildungsreife der Jugendlichen zu erklären. Vielmehr sind es vor allem die Branchen, die sich durch schlechte Ausbildungsbedingungen, geringe Entlohnung und fehlende Perspektiven auszeichnen, in denen Stellen unbesetzt bleiben

Der Ausbildungsreport unterstreicht daher unsere Forderungen nach einer gesetzlich garantierten Ausbildungsplatzgarantie sowie einer qualitativ guten Berufsausbildung in Bayern.

Die DGB-Jugend hat über 1.970 Auszubildende zu ihrer Situation in Betrieb und Berufsschule befragt. Es lassen sich damit zum zweiten Mal stichhaltige Aussagen zur Qualität der Ausbildung treffen. Der Ausbildungsreport wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt.

Der Ausbildungsreport ist über den DGB-Bezirk Bayern/Abteilung Jugend und Jugendpolitik sowie über die DGB-Jugendbüros vor Ort erhältlich. Die Onlineversion können Sie hier herunterladen:


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