Deutscher Gewerkschaftsbund

27.11.2017

Streitzeit - Gesundheitsrisiko Arbeitszeit!

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) will das Arbeitszeitgesetz massiv aufzuweichen. Der Acht-Stunden-Tag wird ebenso in Frage gestellt wie die elf Stunden Ruhezeit. Damit spielt die vbw mit der Gesundheit der Beschäftigten.

Gefährliche Arbeitszeiten

Die Schutzregelungen des Arbeitszeitgesetzes sind nicht willkürlich festgelegt worden. Vielmehr handelt es sich  um eine Grundvoraussetzung zur Vermeidung von Gesundheitsrisiken und Arbeitsunfällen. Zahlreiche Studien belegen, dass sowohl eine Verlängerung der täglichen als auch der wöchentlichen Arbeitszeit die Gesundheit der Beschäftigten gefährdet. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) betont in ihrer Stellungnahme zur EU-Arbeitszeitrichtlinie, dass zwischen der siebten und neunten Arbeitsstunde das Unfallrisiko erheblich ansteigt.

Für viele Arbeitnehmer kommen neben der Arbeitszeit auch längere Strecken zum Arbeitsplatz hinzu. Das Risiko einen Unfall auf dem Heimweg von der Arbeit zu erleiden, erhöht sich durch das Überschreiten der geltenden Regelungen. Die Gefährdung der Beschäftigten überträgt sich also auch in die Freizeit bzw. Wegezeit. Langfristig wird die Erholung durch Überschreitungen der Acht-Stunden-Regel gestört.

Pausen & Ruhezeit nötig

Die DGUV empfiehlt deshalb für die Gestaltung der Arbeitszeiten unter anderem folgende Regelungen: Zusätzlich zu einer längeren Pause – 30 Minuten sind ab einer Arbeitszeit von sechs Stunden gesetzlich vorgeschrieben, ab neun Stunden Arbeitszeit 45 Minuten – sollten mehrere kurze Pausen über den Tag verteilt werden. Auch die Pausengestaltung spielt eine wichtige Rolle. Demnach sollte es möglich sein, den Arbeitsplatz zu verlassen.

Wichtig ist auch eine ausreichende Ruhezeit von elf Stunden, denn erst dann wird ein Abschalten möglich. Die tägliche Arbeitszeit sollte acht Stunden und die wöchentliche Arbeitszeit nicht 40 Stunden überschreiten.

Ü Arbeiten kann nicht einfach durch längere Ruhephasen – zum Beispiel durch ein längeres Wochenende – ausgeglichen werden. Die negativen Effekte verstärken bzw. häufen sich.

Gefahr für Gesundheit

Lange Arbeitszeiten haben vielfache Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Langzeituntersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass neben dem Erkrankungsrisiko und Schlafproblemen auch Herzerkrankungen auftreten können.

Der DGB wendet sich deshalb entschieden gegen eine Ausweitung der täglichen Regelarbeitszeit. Die Gesundheit der Beschäftigten ist für die Arbeitgeber offenbar nur ein Thema für Sonntagsreden. Arbeitszeitverstöße haben ihre Ursache nicht in fehlender Flexibilität, sondern in der in der Personalplanung.

Viele Arbeitgeber wollen den 12- bis 14-Stunden-Tag zurück. Das ist so 80er-Jahre ... 1880er-Jahre!

DGB / Foto: Wikipedia/Elmar J. Lordemann / CC BY-SA 2.0 DE

Acht Stunden sind genug!

Das Thema Arbeitszeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Aus gutem Grund. Schon 1890 schrieb der Hygieniker Prof. Vogt: „Die Maschine kann 24 Stunden am Tag arbeiten; sie hat keinen Geist und weder Gesundheit noch Krankheit. Aber der Mensch, der sie bedient, besitzt nicht die Reparaturfähigkeit der Maschine; er bleibt, wenn er durch Überarbeitung abgenutzt ist, alsdann ein Invalide mit verkürzter Lebenszeit.“ Zum 1. Mai 1900 wurde daher der Acht-Stunden-Tag gefordert.

Erst nach der Revolution 1918 gelang es den AchtStunden-Tag erstmals gesetzlich zu verankern. Aber nicht alle Arbeitgeber haben ihren Frieden damit geschlossen. Knapp 100 Jahre später steht er wieder im Feuer.

Grund genug, sich wieder an die Geschichte zu erinnern. Denn einmal erkämpfte Rechte sind nicht für die Ewigkeit. Die Arbeitszeitfrage ist so aktuelle wie eh und je.


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