Deutscher Gewerkschaftsbund

16.11.2023

Streitzeit: Teure Tarifflucht

Ohne Tarifvertrag haben nicht nur Beschäftigte weniger Geld auf dem Konto. Die Tarifflucht kommt auch die Allgemeinheit teuer zu stehen. Das belegen neue Berechnungen des DGB auf Datenbasis des Statistischen Bundesamtes. Durch Tarifflucht und Lohndumping verlieren allein der Freistaat und die Sozialkassen insgesamt rund 9 Milliarden Euro pro Jahr an Sozialversicherungsbeiträgen und Einkommenssteuer. Das ist ein Batzen Geld, der auch angesichts der staatlichen Investitionsbedarfe dringend gebraucht wird.

KEIN TARIFVERTRAG? SCHLUSS DAMIT!

Über alle Branchen und Berufe hinweg betrachtet, verdienen bayerische Beschäftigte in Unternehmen ohne Tarifvertrag durchschnittlich 2291 Euro netto pro Jahr weniger als tarifgebundene Beschäftigte. Das betrifft inzwischen rund 49% der Beschäftigten in Bayern.

Diese Menschen sind es, die jetzt ganz besonders unter den hohen Preisen leiden und teilweise auf Staatshilfen angewiesen sind. Und das weil sie für Arbeitgeber arbeiten, die meinen durch Lohndumping Geld zu sparen. Und zwar auf dem Rücken der betroffenen Beschäftigten und der Gesellschaft an sich. Das ist ungerecht und verantwortungslos!

Tarifflucht: Pommes

DGB

MIT TARIFVERTRAG IST MEHR DRIN!

Wären 100% der Unternehmen in Bayern tarifgebunden, hätten die Beschäftigten 7,9 Milliarden Euro pro Jahr mehr im Geldbeutel. Die öffentlichen Kassen hätten 3,6 Milliarden mehr über die Einkommenssteuer und die Sozialversicherungen zur Verfügung und die Sozialversicherungen 5,7 Milliarden mehr im Jahr. Aber es geht nicht nur um Geld. Mit Tarifverträgen gibt es kürzere Arbeitszeiten, mehr Urlaub, mehr Weiterbildung, zufriedenere Beschäftigte und produktivere Unternehmen mit stabilem Mitarbeiterstab.

EINTRETEN FÜR DIE TARIFWENDE

Wir brauchen die Tarifwende jetzt! Und das heißt endlich mehr Tarifbindung in Bayern. Wir erinnern die Arbeitgeber an ihre soziale Verantwortung und wir kämpfen weiter für das Verbot von OT-Mitgliedschaften (also Unternehmen, die im Arbeitgeberverband Mitglied sind, den Tarifvertrag aber nicht übernehmen), für das Faire-Löhne-Gesetz im Bund und in Bayern, für eine Erleichterung von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen und steuerliche Entlastungen für Gewerkschaftsmitglieder. Dafür kämpfen wir und haben deshalb die Kampagne „#Tarifwende“ gestartet.

Faire-Löhne-Gesetz? Wir lassen nicht locker!

Ein herber Dämpfer in Sachen Stärkung der Tarifbindung war der jüngst vorgestellte Koalitionsvertrag aus CSU und Freien Wählern. Von Tarifverträgen oder gar einem Tariftreue- und Vergabegesetz findet sich dort keine Spur.

Öffentliche Aufträge und Fördergelder müssen aber endlich auch in Bayern nur noch an Unternehmen gehen, die ihre Beschäftigten ordentlich und nach Tarif bezahlen. Wir akzeptieren kein Lohndumping mit unserem Steuergeld.

Kolleginnen und Kollegen, die für unsere Kinder Schulgebäude bauen, ihr Essen kochen oder die Klassenzimmer sauber machen, müssen fair bezahlt werden.

Tarifgebundene Unternehmen dürfen in Bayern keine Nachteile mehr haben, nur weil sie ihre Leute ordentlich bezahlen.

Mit staatlichem Geld dürfen keine Billigheimer mehr subventioniert werden!

Wir brauchen die Tarifwende in Bayern. Jetzt!

 

 

Hinweis: Die DGB-Berechnungen basieren auf der jüngsten Verdiensterhebung (VE), die das Statistische Bundesamt zuletzt für das Jahr 2022 erhoben hat.


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