Deutscher Gewerkschaftsbund

27.03.2024

Streitzeit: Höchste Zeit für Gleichberechtigung

Höchste Zeit für Gleichberechtigung

 Der Freistaat ist Schlusslicht in Sachen Gleichstellung. So hat Bayern mit lediglich 25,1 Prozent den bundesweit niedrigsten Frauenanteil im Parlament. Frauen sind so gut ausgebildet wie noch nie, doch auch heute noch verdienen sie in Bayern 21 Prozent weniger als Männer. Damit wiederum liegt Bayern auf dem vorletzten Platz unter den Bundesländern. In Bayern arbeiten über 1,3 Mio. Frauen in Teilzeit und mehr als 800.000 Frauen in einem geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnis. Doch statt dafür Sorge zu tragen, dass jede Frau ihre Existenz eigenständig sichern kann, befürwortet die Bayerische Staatsregierung nach wie vor Minijobs. Zudem mangelt es an flächendeckenden und bezahlbaren Betreuungsstrukturen. Allein in Bayern fehlen 70.000 Betreuungsplätze für Kinder. Doch statt hier endlich alles zu ermöglichen, damit Arbeit und Leben unter einen Hut passen, fällt Sozialministerin Scharf nichts anderes ein, als sich dafür stark zu machen, die Tageshöchstarbeitszeit abzuschaffen. Das sieht sie als Weg zu einer besseren Vereinbarkeit, obwohl dies eine Sackgasse ist, auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten. Viele Frauen wollen gerne mehr arbeiten, ihnen fehlen schlicht die Betreuungsstrukturen und passgenaue Arbeitszeitmodelle. Hier sind die Staatsregierung wie auch die Arbeitgeber aufgefordert zu liefern und Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Das hilft dann auch bei der Fachkräftesicherung.

Altersarmut ist weiblich

Die Rente ist der Spiegel des Erwerbslebens. In keinem anderen Bundesland ist die Altersarmut von Frauen so hoch wie im reichen Bayern. 24,5 Prozent der Frauen über 65 gelten in Bayern als armutsgefährdet (2022). Immer mehr Rentnerinnen sind auf Grundsicherung angewiesen. Allein in den letzten drei Jahren ist die Zahl der Frauen, die im Freistaat auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen sind, auf 76.000 angestiegen. Um Armut im Alter wirksam zu bekämpfen, braucht es im Hier und Jetzt stabile, sozialversicherte und gut bezahlte Beschäftigung ab dem ersten Euro. Hier stehen die Arbeitgeber in der Pflicht. Denn für ein gutes Leben heute und im Alter braucht es gute Arbeit!

Tarif gewinnt!

Mit Tarifverträgen zu Equal Pay Frauen in Unternehmen mit Tarifbindung verdienen im Durchschnitt 3,70 Euro mehr pro Stunde als Frauen in nicht tarifierten Unternehmen. Hinzu kommen Weihnachts- und Urlaubsgeld ebenso wie kürzere Arbeitszeiten. Auch schaffen Tarifverträge Transparenz, Sicherheit und Planbarkeit und begrenzen Willkür. Um die Tarifbindung zu stärken ist es an der bayerischen Staatsregierung endlich ein Faire-Löhne-Gesetz auf den Weg zu bringen und öffentliche Aufträge nur noch an tarifgebundene Unternehmen zu vergeben.

Brot- und Rosenpreis

DGB München

Der Brot- und Rosen-Preis 2024 

Anlässlich des Internationalen Frauentags 2024 würdigten die bayerischen Gewerkschaftsfrauen erstmals eine gleichstellungspolitische Errungenschaft mit einem Positivpreis: Der Brot- und Rosen-Preis ging an Karin Reinfelder, Betriebsratsvorsitzende der Klinikum Nürnberg Service-Gesellschaft.

Sie hat es gemeinsam mit ihren Kolleg*innen geschafft, den Arbeitgeber zurück in die Tarifbindung zu zwingen. So gelang es, die Arbeitsbedingungen für alle zu verbessern und den Leitsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ Realität werden lassen. Niedriglöhne gehören beim Klinikum Nürnberg nun der Vergangenheit an.

Ihren Einsatz für gute Arbeit lässt sich mit ihrem Zitat gut zusammenfassen: „Wenn man solidarisch ist, kann es allen gut gehen, nicht nur einem Teil. Ein Krankenhaus, eine Belegschaft, ein Tarifvertrag.“


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