Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 35 - 30.08.2019

Ausbildungsstart 2019: Zu viele offene Ausbildungsplätze - Betriebe müssen umdenken

Jena: „Über den Fachkräftemangel jammern und gleichzeitig Auszubildende und solche, die es werden wollen, mit schlechten Arbeitsbedingungen vergraulen – das passt nicht zusammen!“

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. September 2019 starten wieder mehr als 40.000 junge Menschen in Bayern in ihr Berufsleben. Statistisch gesehen haben angehende Azubis im Freistaat zwar die besten Chancen auf einen Ausbildungsplatz – so kamen laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im August 2019 auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen nur 68 Bewerberinnen und Bewerber. Dennoch gingen in Bayern auch in diesem Jahr wieder mehr als 32.000 Jugendliche bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz leer aus, obwohl es Ende August noch knapp 33.000 Ausbildungsstellen zu besetzen gab.

Aus diesem Grund fordert Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, massive Investitionen in die Ausbildungsqualität und ein generelles Umdenken der Betriebe: „Über den Fachkräftemangel jammern und gleichzeitig Auszubildende und solche, die es werden wollen, mit schlechten Arbeitsbedingungen vergraulen – das passt nicht zusammen. Viele Unternehmen missbrauchen Auszubildende als billige Arbeitskräfte und umgehen Schutzvorschriften. Bei solchen Arbeitsbedingungen ist es nicht verwunderlich, wenn Azubis ihre Ausbildung abbrechen und Bewerbungen ausbleiben.“

Stattdessen müsse es Jena zufolge im Interesse der Betriebe sein, ihre Auszubildenden zu halten und gleichzeitig attraktiv für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber zu sein: „Dafür braucht es gute Arbeitsbedingungen, eine angemessene Vergütung und eine berufliche Perspektive auch nach Abschluss der Ausbildung“, betont Jena. Ein erster wichtiger Schritt sei laut Jena die im Mai beschlossene Mindestausbildungsvergütung, wenngleich diese Jena zufolge „nur die allerunterste Haltelinie“ sein könne.

Kritisch sieht Jena zudem den steigenden „Akademisierungswahn“ auf dem Ausbildungsmarkt: „Durch die Bevorzugung von Jugendlichen mit höheren Schulabschlüssen bleiben viele ausbildungsinteressierte Hauptschulabsolventinnen und -absolventen auf der Strecke. Es braucht jedoch qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze für alle Ausbildungsinteressierten – unabhängig von Schulabschluss, sozialem Status oder Nationalität. Dieses enorme Potenzial an zukünftigen Fachkräften gilt es zu nutzen“, so Jena abschließend.


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