Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 41 - 08.11.2011

Für eine Wirtschaftsordnung mit dem Menschen im Mittelpunkt

Treffen von Vertretern des DGB Bayern und der Freisinger Bischofskonferenz in München

Für eine Wirtschaftsordnung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, plädierten Vertreter der Freisinger Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Kardinal Reinhard Marx und Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Bayern unter ihrem Vorsitzenden Matthias Jena bei ihrem ersten offiziellen Treffen am Montagabend, 7. November, in München. Gesprächsthemen waren unter anderem der Sonn- und Feiertagsschutz, die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie prekäre Beschäftigung.

„Der Sonntag ist ein starkes Symbol dafür, dass in unserem Leben noch Raum ist für etwas anderes. Er ist ein Einschnitt und eine Zäsur, ein Zeichen für eine Gesellschaft, die sich nicht gänzlich dem ökonomischen Rhythmus unterwirft“, sagte Kardinal Marx. Er verwies auf die zahlreichen Allianzen von Gewerkschaften und Kirche für den Sonn- und Feiertagsschutz, um „eine Durchökonomisierung aller Lebensbereiche zu verhindern“. Marx beklagte, nach 1989 habe sich die Ideologie eines radikalen Kapitalismus durchgesetzt, im Angesicht der Krise fehle nun der Mut und die Kraft, „eine soziale Marktwirtschaft auf europäischer Ebene zu etablieren“. Er bekräftigte: „Wir wollen keinen Kapitalismus, sondern eine soziale Marktwirtschaft.“

Der Vorsitzende des DGB Bayern Jena sprach sich ebenfalls für eine sozial orientierte Marktwirtschaft aus, deren unverzichtbare Elemente Tarifautonomie, betriebliche Mitbestimmung und Sozialstaatlichkeit sein müssten: „In der aktuellen Finanzkrise versäumt es die Politik, die Finanzmärkte als Verursacher der Krise in den Blick zu nehmen. Die von der Realwirtschaft abgekoppelten Finanzmärkte müssen endlich strenger reguliert werden. Sie schaden den Menschen statt ihnen zu dienen.“ Seine besondere Sorge gelte der Ausweitung von Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung sowie dem Absinken des durchschnittlichen Reallohns. Die Folge sei eine Ausweitung des Armutsrisikos, besonders im Alter.

Armut zu vermeiden, sei das Uranliegen der Kirche und „auch die umfassende Idee, die hinter der sozialen Marktwirtschaft steht“, unterstrich Kardinal Marx. Neben der Entwicklung der Löhne solle man „das Feld der Qualifizierung nicht außer Acht lassen“, um möglichst vielen Menschen eine Arbeit zu vermitteln, von deren Bezahlung sie ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten, erklärte Marx. In diesem Zusammenhang forderte Jena: „Es ist ein Gebot der Würde des Menschen, dass ein Vollzeitbeschäftigter genug Lohn erhält, um sich und seine Familie zu ernähren. Die Politik hat die Verantwortung, einen gesetzlichen Rahmen zu setzen, der das gewährleistet.“

An dem Gespräch nahmen von kirchlicher Seite neben Marx der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, der Leiter des Katholischen Büros Bayern, Prälat Lorenz Wolf, der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, Wolfgang Obermair, Vorstand des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising, sowie weitere Vertreter bayerischer Diözesen teil. Der DGB-Bezirksvorstand war neben Matthias Jena und seiner Stellvertreterin Christiane Berger vertreten mit den bayerischen Gewerkschaftsspitzen Luise Klemens (ver.di), Hans Hartl (NGG) und Gele Neubäcker (GEW) sowie Spitzenvertretern der Gewerkschaften IG Metall, IG BAU und GdP.

Diese Pressemitteilung wird zeitgleich von der Pressestelle der Freisinger Bischofskonferenz versendet.

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Foto v.l.: Prälat Lorenz Wolf (Leiter des Katholischen Büros Bayern), Alber Schmid (Vorsitzender des Landeskomitess der Katholiken in Bayern), Wolfgang Obermair (Vorstand des Charitasverbandes der Erzdiözese München und Freising), Gele Neubäcker (Landesvorsitzende GEW), Hans Hartl (Landesbezirksvorsitzender NGG), Christoph Warmuth (Domkapitular der Diözese Würzburg), Gerhard Ludwig Müller (Bischof von Regensburg), Kardinal Reinhard Marx (Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising), Dr. Roland Batz (KAB-Diözesanpräses der Diözese Regensburg), Matthias Jena (Vorsitzender DGB Bayern), Luise Klemens (Landesbezirksleiterin ver.di), Christiane Berger (stellv. Vorsitzende DGB Bayern)


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