Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 48 - 18.10.2019

Azubi-Report 2019: Betriebe und Berufsschulen in Bayern haben Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung

Jena: „Macht das BBiG endlich zu einem Schutzgesetz für Azubis!“

Ausbildungsfremde Tätigkeiten, unbezahlte Überstunden und regelmäßige Überschreitungen der wöchentlichen Höchstarbeitszeit durch minderjährige Auszubildende sind in bayerischen Ausbildungsbetrieben noch immer an der Tagesordnung. Das zeigt der neue „Ausbildungsreport Bayern 2019“ der DGB-Jugend Bayern, der dabei gleich mehrere negative Rekorde verzeichnet.

So ist die allgemeine Ausbildungszufriedenheit bei den Befragten zwar weiterhin hoch (72 Prozent), dies ist allerdings der niedrigste Wert seit Veröffentlichung des ersten bayerischen Ausbildungsreports im Jahr 2012. Dabei gibt es erneut erhebliche branchenspezifische Unterschiede. Am schlechtesten bewertet wurden in diesem Jahr die Hotelfachleute, die Maler- und Lackierer_innen sowie die zahnmedizinischen Fachangestellten.

Diese Unterschiede sind laut dem bayerischen DGB-Landesvorsitzenden Matthias Jena vor allem auf die unterschiedlichen Mitbestimmungsstrukturen in den Betrieben zurückzuführen: „Die Zufriedenheit steigt signifikant, wenn junge Menschen in ihrer Ausbildung über eine Jugend- und Auszubildendenvertretung mitentscheiden können, die Ausbildung gut vergütet und die Ausbildungsqualität hoch ist.“ Diese Bedingungen seien Jena zufolge eher in größeren Betrieben zu finden, während kleinere Betriebe ihre Auszubildenden „oftmals nur als billige Arbeitskräfte missbrauchen“, so Jena.

Der Themenschwerpunkt in diesem Jahr ist „Ausbildung 4.0“. Denn nahezu alle Ausbildungsberufe sind von zum Teil massiven Veränderungen durch die Digitalisierung betroffen. Die Befragung zeigt jedoch, dass dies noch längst nicht alle Betriebe und Branchen erkannt haben. So fühlen sich lediglich 72,6 Prozent der Befragten gut auf die Anforderungen der Digitalisierung vorbereitet. Und nur etwas mehr als die Hälfte (58,8 Prozent) der Befragten gaben an, auch gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert zu werden. Von denjenigen, die Aspekte der Digitalisierung und Automatisierung in der Ausbildung wichtig finden (78,4 Prozent), wird knapp ein Drittel (32 Prozent) nicht entsprechend geschult.

Andro Scholl, Bezirksjugendsekretär des DGB Bayern, stellt klar: „Eine Ausbildung muss ganzheitliche berufliche Handlungskompetenz vermitteln. In Zeiten der Digitalisierung bedeutet das, den jungen Menschen auch die heutigen technischen Möglichkeiten zunutze zu machen. Dazu gehört auch eine entsprechende Vorbereitung und Qualifizierung.“

Scholl zufolge sei dies nicht allein ein Problem der Betriebe, auch die Berufsschulen hätten hier noch enormen Nachholbedarf. Nur 43 Prozent der Befragten sehen ihre Berufsschule „gut“ oder „sehr gut“ ausgerüstet. Und nur 36 Prozent fühlen sich an der Berufsschule „sehr gut“ oder „gut“ auf den Umgang mit Technologien vorbereitet. „Mit fortschreitender Ausbildungsdauer steigt die Skepsis sogar noch an“, betont Scholl. Die allgemeine Qualität der Berufsschule beurteilen 13 Prozent der Befragten mit „ausreichend“ oder „mangelhaft“. Auch das ist der schlechteste Wert seit Erhebung der Daten. Laut Scholl sei eine bessere materielle und personelle Ausstattung der Berufsschulen daher „unerlässlich“.

Angesichts der finalen Lesungen der Novelle des Berufsbildungsgesetztes (BBiG) im Bundestag fordert Scholl den Gesetzgeber auf, Lern- und Lehrmittelfreiheit im BBiG zu verankern: „Der Arbeitgeber muss die vollen Kosten für alle Ausbildungsmittel übernehmen, die für das Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich sind. Darunter fallen auch die Kosten für mobile Endgeräte.“

Jena sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, endlich alles für eine qualitative und gute Ausbildung der Zukunft zu tun. „Hierzu gehören klare Grenzen bei der Arbeitszeit, ein verbesserter Rahmen für die Qualität der Ausbildung und eine Untergrenze bei der Vergütung. Macht das BBiG endlich zu einem Schutzgesetz für Azubis!“, so Jena abschließend.

 

Hintergrund

Der jährliche Ausbildungsreport für Bayern liefert Zahlen und Fakten für eine Debatte zur Ausbildungsqualität und weist darüber hinaus auf erhebliche Missstände in der Ausbildung hin. Für diese repräsentative Studie wurden knapp 2.200 junge Auszubildende in ganz Bayern befragt. In diesem Jahr veröffentlicht die DGB-Jugend Bayern ihren „Ausbildungsreport“ bereits zum achten Mal.

Den Ausbildungsreport Bayern 2019 können Sie hier herunterladen.


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