Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 09 - 15.03.2019

Equal Pay Day 2019 – Frauen in Bayern erhalten 24 Prozent weniger Lohn

Di Pasquale: „Es ist höchste Zeit, diese Lücke zu schließen!“

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts beträgt der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern in Bayern nach wie vor 24 Prozent. Anlässlich des Equal Pay Day am 18. März kritisiert Dr. Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, die noch immer bestehende Lohnungerechtigkeit: „100 Jahre Frauenwahlrecht, 70 Jahre Gleichstellung im Grundgesetz – und dennoch kann in Bayern auch im Jahr 2019 von echter Gleichstellung zwischen den Geschlechtern noch lange nicht die Rede sein. Mit einer Lohnlücke von 24 Prozent liegt der Freistaat weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 21 Prozent. Nur in Baden-Württemberg ist sie mit 26 Prozent noch größer. Es ist höchste Zeit, diese Lücke zu schließen!“

Di Pasquale zufolge sei das die logische Konsequenz aus der derzeitigen Situation auf dem Arbeitsmarkt. So sind Frauen in besser vergüteten Führungspositionen in Politik und Wirtschaft klar in der Minderheit. Dafür arbeiten sie umso häufiger in Berufen, die trotz hoher gesellschaftlicher Relevanz deutlich schlechter entlohnt werden, etwa als Pflegefachkraft oder Erzieherin. Hinzu kommt, dass vor allem Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen gefangen sind. Sie arbeiten unfreiwillig in kurzer Teilzeit, in Minijobs oder sind befristet beschäftigt. Allein in Bayern sind über 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigen weiblich. Diese Faktoren wirken sich nicht zuletzt auch auf die eigenständige Absicherung im Alter aus. In Bayern erhielten Frauen 2017, bezogen auf die Altersrenten, im Schnitt nur rund 63 Prozent der Neurenten der Männer. Damit liegt die Rentenlücke mit 37 Prozent nochmals deutlich über dem ohnehin schon hohen Verdienstunterschied von 24 Prozent.

Di Pasquale hierzu: „Ein niedriges Einkommen bedeutet auch eine niedrige Rente im Alter. Deshalb ist im Interesse von Millionen Menschen eine schnelle Umsetzung der Grundrente erforderlich. Und zwar ohne Bedürftigkeitsprüfung, denn Lebensleistung verdient Respekt. Der massiven Rentenlücke müssen wir mit guter Bezahlung, sozial abgesicherten Arbeitsplätzen und flexibler Arbeitszeit von vornherein entgegenwirken!“

Den Auskunftsanspruch über vergleichbare Gehälter und ein Rückkehrrecht von Teilzeit in die Vollzeit sind für Di Pasquale zwar „wichtige Schritte in die richtige Richtung“. Kritisch sieht Di Pasquale jedoch, dass sowohl das Entgelttransparenzgesetz als auch das Gesetz zur Brückenteilzeit Beschränkungen unterliegen, die Millionen Menschen und vor allem Frauen ausschließen: „Mehr Selbstbestimmung darf aber nicht von der Größe eines Betriebs abhängen. Wenn diese Gesetze nicht zu zahnlosen Tigern mutieren sollen, müssen sie für alle Beschäftigten gelten“, so Di Pasquale abschließend.


Hintergrund

Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssten, um rechnerisch auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen – in diesem Jahr ist das der 18. März.


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