Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 54 - 01.10.2021

Ausbildung in Zeiten von Corona – DGB-Jugend Bayern sieht dringenden Handlungsbedarf

Thelen: „Es braucht einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds, flankiert von einer gesetzlichen Ausbildungsgarantie, um Ausbildung für alle zu ermöglichen!“

Die duale Ausbildung steht coronabedingt unter Druck – auch in Bayern. Zu dieser Feststellung kommt die DGB-Jugend Bayern mit Blick auf die aktuellsten Zahlen zur Ausbildungssituation im Freistaat. Hierzu sagt Svenja Thelen, Bezirksjugendsekretärin des DGB Bayern: „Fast 9.000 junge Menschen haben zum Ausbildungsstart keinen Ausbildungsplatz gefunden. Und die Situation verschärft sich noch dadurch, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe im Freistaat spürbar zurückgegangen ist. So wurden Ende August 2021 fast 6.000 Stellen weniger gemeldet als im Vorjahreszeitraum – ein Minus von knapp 6 Prozent.“

Selbst Wirtschaftsminister Aiwanger habe die zurückhaltende Ausbildungsbereitschaft in einer Pressemitteilung zum Ausbildungsstart aufgegriffen und ein Gegensteuern gefordert, so Thelen. „Hier können wir dem bayerischen Wirtschaftsminister ausnahmsweise einmal zustimmen. Denn die duale Ausbildung ist ein Eckpfeiler für den Erfolg der Wirtschaft. Wenn es hier Mängel gibt, hat das nicht nur Folgen für die Fachkräfteentwicklung. Wenn immer mehr Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden, dann gefährdet das letztlich auch den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, betont Thelen.

Besorgniserregend seien laut Thelen auch die Ergebnisse der DGB-Corona-Ausbildungsstudie 2021.* Diese Studie zeige deutlich, dass die Corona-Pandemie junge Menschen in erheblichem Maße belastet. So berichteten insgesamt 72 Prozent der Auszubildenden von einer starken oder sehr starken Belastung.

Besonders Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr, die kurz vor ihren Abschlussprüfungen stehen, schätzen ihre Situation kritisch ein. Von ihnen fühlt sich weniger als die Hälfte (48,5 Prozent) „sehr gut“ bzw. „gut“ über Prüfungstermine und Ablauf informiert. Insgesamt macht sich mehr als ein Drittel der Befragten (34,6 Prozent) „große“ oder „sehr große“ Sorgen, die Ausbildung nicht erfolgreich abschließen zu können.

Thelen sieht auf dem Ausbildungsmarkt daher dringenden Handlungsbedarf: „Um eine ‚Generation Corona‘ auf dem Ausbildungsmarkt zu verhindern, braucht es jetzt einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds, flankiert von einer gesetzlichen Ausbildungsgarantie, um Ausbildung für alle zu ermöglichen.“

Diese Ausbildungsplatzgarantie soll für alle Jugendlichen bis 27 Jahre gelten, die zum 30. September eines Jahres noch einen Ausbildungslatz suchen. „Hier sehen wir die Betriebe in der Pflicht. Schließlich werden ihre zukünftigen Fachkräfte ausgebildet. In den Zukunftsfonds sollen Betriebe ab 5 Beschäftigten einzahlen. Dadurch werden zusätzlich notwendige Ausbildungsplätze finanziert und der Ausbau betrieblicher Ausbildung gefördert“, sagt Thelen.

Als „Rezept gegen Zukunftsängste“ fordert Thelen zudem, Auszubildenden eine berufliche Perspektive zu bieten. „Deshalb brauchen wir die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung“, so Thelen abschließend.

 

*Für diese repräsentative Studie auf Bundesebene wurden mehr als 1.000 junge Menschen befragt, die sich im Februar und März 2021 in einer betrieblichen dualen Berufsausbildung oder einem ausbildungsintegrierten dualen Studium befunden haben. Die Corona-Ausbildungsstudie kann hier heruntergeladen werden.


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