Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 38 - 04.09.2020

DGB Bayern zum Start des Schuljahres 2020/21: Schüler, Eltern und Lehrkräfte in der Krise nicht allein lassen

ena: „Die Staatsregierung muss jetzt ihre Hausaufgaben machen!“

Anlässlich des Schulstarts in der kommenden Woche stellt Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, fest: „Schon jetzt ist absehbar, dass auch das neue Schuljahr stark von der Corona-Krise geprägt sein wird. Die Pandemie legt schonungslos strukturelle Probleme im bayerischen Schulsystem offen und verschärft sie weiter. Diese reichen vom Lehrkräftemangel über lückenhafte technische Ausstattung und fehlende pädagogische Konzepte für den digitalen Unterricht bis hin zu den stark vom Elternhaus abhängigen Bildungschancen. Die Staatsregierung muss jetzt ihre Hausaufgaben machen! Die 1,6 Millionen Schülerinnen und Schüler an den bayerischen Schulen, ihre Eltern und ihre Lehrkräfte dürfen in der Krise nicht allein gelassen werden.“

Gerade an den Grund-, Mittel- und Förderschulen ist der Personalmangel hausgemacht und war schon seit Jahren absehbar. Der durch die Pandemie weiterhin notwendige Schutz von Risikogruppen wird den Mangel zusätzlich vergrößern. „Darüber kann auch die kurzfristige Ankündigung des Kultusministers nicht hinwegtäuschen, dass über alle Schularten hinweg 800 auf ein Jahr befristete Stellen für ‚Teamlehrkräfte‘ geschaffen werden sollen. Angesichts von allein ca. 2.300 staatlichen Grundschulen in Bayern ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Um die Unterrichtsversorgung mittel- bis langfristig zu sichern, muss zum einen die Zahl der Studienplätze deutlicher erhöht und das Lehramtsstudium flexibler und schulartübergreifend ausgestaltet werden. Zum anderen sind attraktivere Arbeitsbedingungen notwendig, z.B. durch A13 als einheitliche Einstiegsbesoldung und entsprechende Aufstiegsmöglichkeiten“, betont Jena.

Mit Blick auf die technische Ausstattung der Schulen stellt Jena fest: „Freistaat und Bund haben in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die digitale Ausstattung der Schulen zu verbessern. Die letzten Monate haben aber deutlich gezeigt, dass auch in Bayern noch großer Nachholbedarf besteht. Um allen Schülerinnen und Schülern eine gleichwertige Teilnahmemöglichkeit an digitalen Unterrichtsangeboten zu ermöglichen, muss es selbstverständlich werden, dass ihnen bei Bedarf geeignete digitale Endgeräte, entsprechende Software sowie ein verlässlicher und schneller Internet-Zugang zu Verfügung gestellt werden. Auch den Lehrkräften ist es nicht zuzumuten, dass sie für dienstliche Aufgaben weiterhin Privatgeräte nutzen müssen.“

Laut Jena reiche eine bessere technische Ausstattung allein jedoch nicht aus: „Technik ist kein Selbstzweck, sie kann Lernprozesse nur unterstützen. Hier braucht es dringend ein pädagogisches Gesamtkonzept für digitale Bildung. Um auf Corona-bedingte Schulschließungen besser als im letzten Schuljahr vorbereitet zu sein, sollte zum Anfang des neuen Schuljahres ein besonderer Schwerpunkt darauf gelegt werden, die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte für das Lernen bzw. Lehren im Distanzunterricht zu qualifizieren und ihre Medienkompetenz zu stärken.“

Jena sieht das Kultusministerium auch gefordert, ergänzende Angebote für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf zu entwickeln: „Die Corona-Krise darf nicht dazu führen, dass sich die soziale Auslese im bayerischen Bildungssystem noch verschärft. Sollte es zu weiteren Phasen des Distanzunterrichts kommen, muss es individuelle Unterstützungsangebote für Schülerinnen und Schüler geben, damit niemand den Anschluss verliert.“

Mit Blick auf die Organisation des Schulbetriebs in Zeiten der Pandemie fordert Jena umfassende Maßnahmen hinsichtlich des Infektionsschutzes: „Die Sicherheit und Gesundheit aller am Schulleben Beteiligten muss an erster Stelle stehen. Die Bereitstellung von ausreichend Desinfektionsmitteln ist daher ebenso wichtig wie regelmäßiges Händewaschen und Lüften, die Möglichkeit regelmäßiger Testungen für alle Menschen im Schulbetrieb sowie Maßnahmen zum Schutz von Risikogruppen. Sobald wieder auf Distanzunterricht zurückgegriffen wird, sollte der Grundsatz ‚je jünger, desto mehr Präsenzunterricht‘ gelten.“

Kritisch sieht Jena, dass die Aufsicht bei Unterricht außerhalb der Schule bei den Erziehungsberechtigten verbleiben soll: „Dies geht vollkommen an der gesellschaftlichen Realität vorbei und wird in vielen Fällen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen. Stattdessen braucht es klare Betreuungsangebote auch für Zeiten außerhalb des Präsenzunterrichts, auf die sich die Eltern verlassen


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