Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 48 - 09.11.2020

DGB-Jugend Bayern gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus in digitaler Form

Ramelsberger: „Auch zuhause kann es durchaus klamm werden. Dann, wenn man sich ein wenig vor Augen führt, was in den letzten 12, 13 Monaten in diesem Land geschehen ist.“

Die DGB-Jugend Bayern erinnerte am heutigen Sonntag zum 68. Mal an die Opfer des Nationalsozialismus. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte das Gedenken der DGB-Jugend Bayern nicht wie üblich auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau stattfinden. Stattdessen verlegte die DGB-Jugend das Gedenken in den digitalen Raum und veröffentlichte 75 Jahre nach Kriegsende ihre Botschaften unter dem Motto „Erinnern heißt kämpfen“ auf ihren Social-Media-Kanälen. Neben zahlreichen Beiträgen der Ehrenamtlichen aus der DGB-Jugend Bayern ist dort auch die diesjährige Gedenkrede von Hauptrednerin Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin bei der Süddeutschen Zeitung, als Videobotschaft zu sehen.

Darin betont Ramelsberger die Aktualität rechten Gedankenguts und rechter Gewalt: „Wir können diesmal nicht in der KZ-Gedenkstätte in Dachau sein. Wir können nicht die Wege gehen, die die Häftlinge gegangen sind. Wir können nicht auf dem Appellplatz stehen. Dort, wo die Gefühle, die Gedanken immer sehr, sehr nahe kommen. Wir stehen nicht in der klammen Kälte der Novembertage, so wie sonst. Sondern wir sind zuhause, dort, wo es warm und meist recht gemütlich ist. Und dennoch: Auch zuhause kann es durchaus klamm werden. Dann, wenn man sich ein wenig vor Augen führt, was in den letzten 12, 13 Monaten in diesem Land geschehen ist. Dann, wenn man den Satz der DGB-Jugend ernst nimmt, dass Erinnern kämpfen heißt.“

Ramelsberger weist auf die Gefahr der Verharmlosung hin, die tief in der deutschen Rechtsprechung verankert und dadurch institutionalisiert ist: „Wer, wie ich als Gerichtsreporterin, seit Jahren beobachtet, wie die Justiz gegen Rechtsradikale agiert, dem fällt auf, wie oft sich Staatsanwälte und Gerichte zurückziehen auf formale Argumente, wie sehr sie sich davor scheuen, Demokratieverächtern Grenzen aufzuzeigen.“ Als Beispiele führt Ramelsberger unter anderem die Prozesse gegen den Täter von Halle und den Mann an, der wegen psychischer Beihilfe zum Mord an Walter Lübcke angeklagt ist.

Svenja Thelen, Bezirksjugendsekretärin des DGB Bayern, sagt anlässlich des diesjährigen Gedenkens an die Reichspogromnacht: „Erinnerung muss leben und Erinnern heißt kämpfen. Dafür gedenken wir heute gemeinsam – wenn auch von zu Hause aus. Wir erinnern an die Novemberpogrome, an die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der Synagogen und jüdische Geschäfte angegriffen und zerstört, in der Jüdinnen und Juden gequält und ermordet wurden.“

Mit Blick auf die aktuelle politische Lage betont Thelen weiter: „Wir kämpfen täglich für eine solidarische Gesellschaft, in welcher es egal ist, woher man kommt, welche Hautfarbe man hat, wen man liebt oder welcher Religion man angehört. Wir kämpfen gegen das Paktieren mit rechten Parteien in unseren Parlamenten, wir kämpfen gegen rechte Netzwerke in unserer Polizei, wir kämpfen dafür, dass solch grauenhafte Anschläge, wie jener in Hanau, nicht wieder geschehen und wir erinnern an die Opfer. Wir leben in einer Zeit fundamentaler Angriffe auf die zentralen Werte unserer Gesellschaft. Daher ist es umso wichtiger, dass wir zusammen- und dagegenstehen, dass wir klar machen: Nicht mit uns!“


Zu den Social-Media-Kanälen der DGB-Jugend Bayern:

Facebookseite der DGB-Jugend Bayern: https://www.facebook.com/dgbjugendbayern

Instagram-Auftritt der DGB-Jugend Bayern: https://www.instagram.com/dgbjugendbayern


Hintergrund

Mit der Gedenkfeier anlässlich der Novemberpogrome 1938 erinnert die DGB-Jugend Bayern seit 1952 jährlich im ehemaligen Konzentrationslager Dachau an die Opfer des Nationalsozialismus. Das Motto „Erinnern heißt kämpfen“ zeigt auf, dass Erinnerungsarbeit untrennbar mit der moralischen und politischen Verpflichtung für aktives demokratisches Eingreifen in die heutigen Verhältnisse verbunden ist.

Neben den Redebeiträgen stellen seit 2012 Ehrenamtliche der Gewerkschaftsjugend selbst recherchierte Biografien von Opfern des Nationalsozialismus vor. Die diesjährigen Biografien können ebenfalls auf den Social-Media-Kanälen der DGB-Jugend Bayern nachgelesen werden.


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