Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 59 - 07.12.2018

Rentenreport des DGB Bayern zeigt Missstände auf

Jena: „Es ist ein Skandal in so einem reichen Land, wenn die Rente nicht zum Leben reicht!“

Mehr als 70 Prozent der Frauen und gut 37 Prozent der Männer, die 2017 in Bayern in Rente gingen, liegen mit einer gesetzlichen Altersrente von weniger als 900[1] Euro deutlich unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 1.074 Euro. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des neuen Rentenreports des DGB Bayern.

Daher sieht Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, trotz des beschlossenen Rentenpaktes der Bundesregierung weiteren Korrekturbedarf zur Stärkung der gesetzlichen Rente: „Gerade die Menschen, die im Berufsleben wenig verdienen und somit auch später nur sehr niedrige gesetzliche Renten bekommen, können es sich oft schlichtweg nicht leisten, privat vorzusorgen. Niedrige Löhne und private Vorsorge schließen sich faktisch aus. Daher muss die gesetzliche Rente weiter gestärkt werden. Denn es ist ein Skandal in so einem reichen Land, wenn die Rente nicht zum Leben reicht!“

„Dreh- und Angelpunkt“ müsse laut Dr. Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, das Rentenniveau bleiben: „Mit einem sinkenden Rentenniveau droht immer mehr Menschen Armut oder sozialer Abstieg im Alter oder bei Erwerbsminderung. Die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis zum Jahr 2025 ist daher ein richtiger und überfälliger Schritt der Bundesregierung, der beweist, dass die Rentenkampagne des DGB gewirkt hat. Perspektivisch muss dieses Schutzniveau jedoch weiter angehoben und dauerhaft stabilisiert werden“, fordert Di Pasquale.

Der Rentenreport verdeutlicht zudem, dass der Abstand zwischen Frauen und Männern in Bayern auch bei der gesetzlichen Durchschnittsrente eklatant ist. Männer, die 2017 erstmals eine Altersrente bezogen haben, erhielten im Schnitt 1.081 Euro pro Monat, Frauen mussten mit durchschnittlich 684 Euro auskommen. Demnach liegt die Differenz bei den Renten („Gender Pension Gap“) mit rund 37 Prozent nochmals deutlich über dem ohnehin schon hohen Verdienstunterschied („Gender Pay Gap“) von 24 Prozent in Bayern.

Di Pasquale zufolge ist dies unter anderem auf die niedrigere Erwerbsbeteiligung und unterbrochene Erwerbsbiografien von Frauen zurückzuführen. „Zudem sind Frauen wesentlich häufiger mit reduzierten Arbeitszeiten und dem sich ausweitenden Niedriglohnsektor konfrontiert. Daher ist es dringend notwendig, den Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen und atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit zu transformieren. Denn nur gute Arbeit bringt auch gute Renten hervor“, so Di Pasquale.

Darüber hinaus zeigt der „Rentenreport Bayern 2018“ deutliche regionale Unterschiede in Bayern auf. So erzielten Neurentner in Bayern im Landkreis Erlangen-Höchstadt mit 1.368 Euro im Jahr 2017 die höchste gesetzliche Durchschnittsrente. Schlusslicht ist die Stadt Augsburg mit gesetzlichen Durchschnittsrenten für Männer von nur 662 Euro.

Bei den Frauen erhielten Neurentnerinnen im Landkreis München die höchste durchschnittliche Rente mit 833 Euro. Dagegen mussten sich die Neurentnerinnen im Landkreis Regen im Schnitt mit 527 Euro begnügen.

„Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Bayern sind wir also noch meilenweit entfernt. Dabei steht genau diese Aufgabe seit einigen Jahren in der Bayerischen Verfassung. Hier ist die Staatsregierung gefordert, dieses Ziel endlich mit gezielter Wirtschafts-, Regional- und Strukturpolitik umzusetzen“, so Jena abschließend.

 

Hintergrund

Mit dem „Rentenreport Bayern 2018“legt der DGB Bayern seinen vierten Bericht zur Situation der Rentnerinnen und Rentner in Bayern vor. Für den Report wertete der DGB Bayern aktuelle Zahlen und Daten der Deutschen Rentenversicherung aus.

Den „Rentenreport Bayern 2018“ können Sie unter https://bayern.dgb.de/service/broschueren in digitaler Form herunterladen.



[1] Bei allen Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte. Das bedeutet, es gibt sowohl nach oben als auch nach unten deutliche Abweichungen.


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