Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 25 - 01.05.2021

Tag der Arbeit: Corona-Folgen entgegenwirken - Soziale Schieflage beseitigen

Di Pasquale: „Ein ‚Weiter so‘ wie vor der Krise darf es nicht geben!“

Die Corona-Pandemie hat die sich seit Jahrzehnten zuspitzende ungleiche Verteilung und die Defizite im sozialen Bereich drastisch aufgedeckt. „Gerade mit Blick auf die Bundestagswahl im September ist es daher erforderlich, die durch Corona verschärfte Ungleichheit zum Thema zu machen und gewerkschaftliche Vorstellungen dagegenzusetzen. Ein ‚Weiter so‘ wie vor der Krise darf es nicht geben! Wir kämpfen für mehr Sicherheit und Perspektive für alle Beschäftigten und ihre Familien“, sagte Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, im Rahmen ihrer Rede zum Tag der Arbeit in Kösching.

Auch im Freistaat, „der angeblichen Vorstufe zum Paradies“, nehme die soziale Schieflage zu, so Di Pasquale. „Hier arbeiten knapp eine Million Beschäftigte zu einem Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro brutto die Stunde. Und fast drei Viertel aller Niedriglohnbeschäftigten sind Frauen“, betonte die Gewerkschafterin. Hinzu komme, dass Frauen besonders unter den Corona-Folgen zu leiden haben: „Corona schleudert Frauen und Familien mit Lichtgeschwindigkeit zurück in alte Rollenbilder. Es sind die Frauen, die ihre Familien durch die Pandemie steuern, mit unbezahlter Familienarbeit und oft auf Kosten ihrer Einkommen. Schon vor Corona haben sie jeden Tag anderthalb Stunden mehr unbezahlte Arbeit in Haushalt und Familie geleistet als Männer. Hier sind moderne Arbeitszeitmodelle notwendig, um zu verhindern, dass diese Kluft noch größer wird!“, so Di Pasquale.

Zudem sei auch die Tarifbindung im Freistaat laut Di Pasquale seit Jahren auf dem Rückzug. „Dabei zeigen die Pandemie-Monate klar und deutlich: Tarifverträge sind die Basis für gute Arbeit. Nur dort, wo es Tarifverträge gibt, ist es überhaupt gelungen, die Aufstockung von Kurzarbeitergeld zu verhandeln.“ Di Pasquale bezeichnete es als Skandal, dass gerade in diesen schwierigen Zeiten Unternehmen aus Tarifverträgen flüchten. „Dennoch weigert sich Bayern als einziges Bundesland, ein Tariftreue- und Vergabegesetz für öffentliche Aufträge einzuführen. Außerdem braucht es mehr allgemeinverbindliche Tarifverträge, die für alle Beschäftigten in den entsprechenden Tarifbereichen gültig sind. Für eine starke Tarifbindung in Bayern sind diese Maßnahmen unerlässlich.“

Neben den politischen Forderungen sei es laut Di Pasquale am 1. Mai an der Zeit, sich in Erinnerung zu rufen, was Gewerkschaften mit ihrem Einsatz in Zeiten der Corona-Pandemie für die Beschäftigten erreicht haben. Neben der Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, der Verlängerung des Anspruchs auf Arbeitslosengeld oder auch den zwingend notwendigen Zukunftsinvestitionen sei hier u.a. das Verbot von Leiharbeit und Werkverträgen in der Fleischwirtschaft zu nennen. Di Pasquale hierzu: „Das zeigt: Mit Gewerkschaften läuft es besser – in Krisenzeiten und darüber hinaus!“


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