Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 22 - 17.06.2009

DGB-Bayern: Der Bildungsstreik ist richtig!

"Die Schüler und Studenten, die sich am Bildungsstreik beteiligen, haben nicht nur unsere Sympathie, sondern auch unsere Solidarität. Wie bei jedem Streik gilt auch hier: Wenn Reden und Verhandeln nichts nützen, braucht man andere Mittel, seine Ziele zu erreichen.
In der Bildungspolitik wurde genug versprochen, die Probleme aber nicht gelöst. Deshalb: Wer nicht hören will, muss fühlen", erklärte heute die stellvertretende bayerische DGB-Vorsitzende Heide Langguth in München.

Die Probleme in Bayern seien längst bekannt: Im Freistaat hätten die Kinder von Facharbeitern deutlich schlechtere Chancen Abitur zu machen, als Kinder von Akademikern. Die Bildungspolitik werde zudem immer mehr auf das Interesse der Wirtschaft ausgerichtet.
Der Elitegedanke feiert fröhliche Urstände das G8 in seiner jetzigen Form und die Studiengebühren seien dafür deutliche Belege.
Seit Jahren geht die Studienbeteiligung von Kindern aus Arbeiterfamilien zurück. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund fallen nahezu komplett durch das Raster.
"Und das, obwohl immer alle in Sonntagsreden vom Weg in die Wissensgesellschaft schwafeln. Auf diesem Weg sollen aber offensichtlich immer weniger wirklich mitgenommen werden", betonte Heide Langguth.

Die Kritik am Bildungsstreik sei reine Ideologie. Die Äußerungen des bayerischen Wissenschaftsministers Heubisch (FDP), der den Studierenden vorwarf, ihren Forderungen läge ein überholtes Karrierebild zugrunde, seien zynisch.
"Gerade die, die selbst privilegiert sind, die Bildungskarriere gemacht haben, die früher bei der Wirtschaft und jetzt in der Politik Einfluss und Macht haben, empfehlen den anderen Bescheidenheit. Die Elite will offensichtlich unter sich bleiben", so Langguth.

Übersehen werden vollkommen die sozialen Realitäten: Die Hälfte aller Praktika nach einer Berufs- oder Hochschulausbildung seien unbezahlt, über die Hälfte der jungen Beschäftigten hätten bereits mindestens einen befristeten Arbeitsvertrag gehabt. Und mehr als ein Drittel aller jungen Beschäftigten verdienten weniger als 1.500 Euro brutto monatlich und das in Vollzeit!
"Das Ziel von Studium oder Berufsausbildung kann nicht Niedriglohn und Ausbeutung sein!", schloss Heide Langguth.


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