Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 55 - 29.11.2019

Gemeinsam Langzeitarbeitslosigkeit reduzieren – Fokus auf Prävention

München. Langzeitarbeitslosigkeit und Hilfebedürftigkeit weiter abzubauen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In Bayern arbeiten die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, das Arbeitsministerium, das Wirtschaftsministerium, das Innenministerium, das Kultusministerium, die Wirtschaftsverbände und die Gewerkschaften gemeinsam daran. Dies zeigt sich in der heutigen Unterzeichnung einer Erklärung zur Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit und Hilfebedürftigkeit.

Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, sagte zu diesem Anlass: „Die hohe Nachfrage auf dem bayerischen Arbeitsmarkt eröffnet gute Chancen, auch langzeitarbeitslosen Menschen eine Beschäftigung zu eröffnen. Arbeit ist von großer Bedeutung für das Selbstwertgefühl der Menschen. Der beste Ansatz, Langzeitarbeitslosigkeit zu reduzieren, ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Besonders kümmern wir uns in Familien, die von der Grundsicherung leben, um die Kinder, um die Vererbung von Arbeitslosigkeit aufzubrechen. Wir unterstützen Unternehmen finanziell, wenn sie Langzeitarbeitslosen eine Chance geben. Und wir nutzen die Möglichkeiten des Teilhabechancengesetzes. Dadurch erhalten auch Menschen, die schon sehr lange ohne Arbeit sind, eine Chance auf reguläre Beschäftigung. Unsere Ansätze werden nur nachhaltig erfolgreich sein, wenn wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten und jeder seinen Beitrag einbringt. Das gelingt uns in Bayern glücklicherweise besonders gut.“

"Unser Arbeitsmarkt ist weiterhin robust. Das belegen auch die heute veröffentlichten Zahlen. Mit einer Quote von 2,7 Prozent hat Bayern nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer. Dadurch haben wir eine gute Ausgangssituation, gemeinsam die Langzeitarbeitslosigkeit zu reduzieren", so Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Bayerns Arbeitsministerin Kerstin Schreyer stellt fest: „Auch in Bayern gibt es Menschen, die bisher nicht im gleichen Umfang von der guten Arbeitsmarktsituation wie andere Gruppen profitieren. Deshalb müssen wir uns genau anschauen, wie wir gerade die Menschen, die schon lange arbeitslos sind, wieder in Arbeit bringen. Das geht nur, wenn sich die Berater in den Jobcentern mehr Zeit für ihre Kunden nehmen können. So können sie passgenaue Hilfen entwickeln. Um dies zu ermöglichen, muss der Bund für eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung der Jobcenter sorgen. Ergänzend brauchen wir die Vernetzung mit weiteren Stellen, damit die Hilfen auch aus einem Guss kommen. Hierzu geben das Bayerische Arbeitsministerium und die Regionaldirektion gemeinsam Anstöße. Flankierend stehen in Bayern für jede Zielgruppe, die auf Grund verschiedener Hemmnisse eine besondere Unterstützung benötigt, passgenaue Förderprogramme der Staatsregierung zur Verfügung.“

Innen- und Integrationsminister Joachim Herrmann: „Arbeit ist einer der wichtigsten Schlüssel für gelingende Integration. Die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund gelingt im bundesweiten Vergleich in Bayern sehr gut. Es gibt aber auch bei uns Langzeitleistungsbezieher sowie Langzeitarbeitslose mit Flucht- beziehungsweise Migrationshintergrund. Ein Grund sind oft mangelnde Deutschkenntnisse, ein fehlender Berufsabschluss oder eine für den deutschen Arbeitsmarkt unzulängliche Qualifikation. Diese Risikofaktoren müssen wir in den Blick nehmen, wenn wir verhindern wollen, dass Langzeitarbeitslosigkeit entsteht und sich verfestigt.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo: „Unser Ziel ist es, die Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Ab dem Schuljahr 2020/21 bieten wir allen berufsschulpflichtigen Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz verschiedene schulische Vollzeitangebote mit einer zusätzlichen sozialpädagogischen Betreuung. Damit erweitern wir unser Angebot und verbessern die Zusammenarbeit zwischen den Schulen, den Jugendberufsagenturen und den weiteren Netzwerkpartnern vor Ort. Wir erleichtern damit unseren Schülerinnen und Schülern den Übergang von der Schule ins Berufsleben.“

Der Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Bertram Brossardt, verweist darauf, dass insbesondere die Hartz IV-Arbeitsmarktreformen einen wesentlichen Beitrag zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit geleistet haben: „Das Prinzip Fördern und Fordern hat sich bewährt und Langzeitarbeitslosen wieder neue Perspektiven gegeben. Zu Beginn des Jahres 2005 waren rund 142.000 Personen in Bayern langzeitarbeitslos, heute sind es rund 100.000 weniger.“ Mit Sorge sieht die vbw aber, dass der weitere Abbau der Arbeitslosigkeit in diesem Bereich zuletzt nicht mit der außerordentlich positiven Entwicklung des Arbeitsmarkts Schritt gehalten hat. „Wir brauchen daher eine ambitionierte Weiterentwicklung des SGB II. Insbesondere sind die Hinzuverdienstmöglichkeiten so zu reformieren, dass sie auf die schrittweise Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeittätigkeit zielen. Um die verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit weiter konsequent abzubauen, gilt es, betroffene Menschen individuell und passgenau zu unterstützen. Zusammen mit der RD Bayern hat die vbw dazu im Rahmen der Initiative Fachkräftesicherung+ das Projekt `Chance zum Wiedereinstieg´ gestartet“, sagte Brossardt.

Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, ergänzt: „Die Chancen der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sind unweigerlich mit einer guten Betreuung verbunden. Wie so oft ist dabei der Personalschlüssel das A und O. Um auf die speziellen Bedürfnisse der Langzeitarbeitslosen eingehen zu können, bedarf es einer Neujustierung des Personalbedarfs in den Jobcentern. Die derzeit nach dem SGB II angestrebten Betreuungsquoten von 1:75 bei unter 25-Jährigen und 1:150 bei über 25-Jährigen sind deutlich zu hoch und werden überdies örtlich noch überschritten. Hier ist der Bund aufgefordert gegenzusteuern.“


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