Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 53 - 10.11.2019

DGB-Jugend Bayern gedenkt Opfer des Nationalsozialismus

Restle: „Wer 'nie wieder Faschismus' heute ernst meint, muss alles dafür tun, dass den neuen Wegbereitern der Weg verstellt wird.“

Die DGB-Jugend Bayern erinnerte am heutigen Sonntag in der KZ-Gedenkstätte Dachau zum 67. Mal an die Opfer des Nationalsozialismus.

Als Hauptredner war in diesem Jahr Georg Restle, Journalist und Redaktionsleiter des WDR-Politmagazins „Monitor“ zu Gast. In seiner Gedenkrede verdeutlichte Restle die Notwendigkeit einer solchen Erinnerungskultur gerade in dieser Zeit: „Wenn in diesem Land eine Partei wieder knapp 25 Prozent der Stimmen erhält, an deren Spitze ein Mann steht, der eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad fordert, dann bedeutet das nichts anderes, als dass aus Erinnern ein Nicht-Erinnern, also ein Vergessen werden soll.“

Daher forderte Restle, die Erinnerungskultur weit zu begreifen: „Wir sollten uns nicht nur an die Opfer erinnern, sondern auch daran, wie die Verbechen möglich wurden. Wo sie ihren Anfang nahmen - in den Köpfen der Feinde einer offenen, demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft. Wer 'nie wieder Faschismus' heute ernst meint, muss alles dafür tun, dass den neuen Wegbereitern der Weg verstellt wird.“

Auch Andro Scholl, Bezirksjugendsekretär des DGB Bayern, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass Erinnerungsarbeit „noch nie so wichtig wie heute“ war. Dabei nahm er Bezug auf die Vielzahl an rassistischen Übergriffen, beispielsweise die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie zuletzt der antisemitische Anschlag in Halle. Daher forderte Scholl „in Zeiten des Rechtsrucks“ deutlich mehr Investitionen in politische Bildungsarbeit in Bayern.

Scholl konstatierte, dass man sich „mittendrin im Kampf gegen den Faschismus“ befinde. Daher sei es wichtig, dass Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, aber auch die Politik klare Kante gegenüber rechten Parteien zeigen. „Wir alle sind gefordert, uns gegen Alltagsrassismus einsetzen, egal ob im Betrieb, in der Straßenbahn oder im Nachtclub“, so Scholl.

Hintergrund

Mit der Gedenkfeier anlässlich der Novemberpogrome 1938 erinnert die DGB-Jugend Bayern seit 1952 jährlich im ehemaligen Konzentrationslager Dachau an die Opfer des Nationalsozialismus. Das Motto „Erinnern heißt kämpfen“ zeigt auf, dass Erinnerungsarbeit untrennbar mit der moralischen und politischen Verpflichtung für aktives demokratisches Eingreifen in die heutigen Verhältnisse verbunden ist.

Neben den Redebeiträgen stellen seit 2012 Ehrenamtliche der Gewerkschaftsjugend auf dem Weg vom ehemaligen Appellplatz zum ehemaligen Krematorium selbst recherchierte Biografien von Opfern des Nationalsozialismus vor.


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