Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 05 - 27.01.2013
Neue Zahlen

Fast 100.000 Erwerbsfähige unter 35 Jahren in Bayern beziehen Hartz IV

In keinem anderen Bundesland ist der Frauenanteil so hoch

Nach einer Sonderauswertung der amtlichen Statistik für den DGB waren im September 2012 in Bayern 96.373 Erwerbsfähige unter 34 Jahren auf Hartz IV angewiesen. Davon 34.709 erwerbsfähige Jugendliche zwischen 17 und 24 Jahren und 61.664 junge Menschen zwischen 25 und 34 Jahren.

Dazu Matthias Jena, Vorsitzender des DGB-Bayern: „Ein wesentlicher Grund dafür sind die grassierenden Dumpinglöhne. Immer mehr – vor allem auch junge Menschen – können von ihrem Gehalt nicht leben und müssen am Monatsende aufs Amt, um mit Hartz IV aufzustocken. Sie erleben schon in jungen Jahren massive Armut. Die Hälfte der jungen Hilfebedürftigen in Bayern zählen zu den Langzeitbeziehern, die in den letzten 24 Monaten mindestens 21 Monate auf staatliche Fürsorge angewiesen waren. Armutskarrieren verfestigen sich auch in Bayern. Diese Zahlen sollten für die Politik in Bayern ein Alarmsignal sein.“

Die Jugendlichen bräuchten dringend eine Perspektive heraus aus den Warteschleifen, sagt Jena. Dazu gehörten existenzsichernde Löhne, gute Bildungsarbeit und eine Sozialpolitik, die auf die Bedürfnisse der Jugendlichen zugeschnitten sei. Außerdem müsse die Zusammenarbeit von Jugendamt und Jobcenter entscheidend verbessert werden.

Von den 34.709 Leistungsbeziehern zwischen 17 und 24 sind 20.543 Frauen; das entspricht einem Anteil von 59 Prozent. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der jungen Frauen an den erwerbsfähigen Harz-IV-Empfängern so hoch wie in Bayern. Unter den 25 bis 34-Jährigen liegt der Anteil sogar noch höher – bei 62 Prozent (Bundesdurchschnitt 55 Prozent). Der DGB-Landeschef macht vor allem mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten und fehlende Ganztagsschulen im Freistaat für den außerordentlich hohen Frauenanteil unter den jungen Hartz-IV-Empfängern verantwortlich. „In Bayern liegt die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren deutlich unter 20 Prozent und ist damit meilenweit von der bundesweit festgelegten Zielmarke von 35 Prozent entfernt. Dadurch können junge Mütter in Bayern weniger als in anderen Bundesländern Beruf und Familie miteinander vereinbaren und sind schneller auf Hartz IV angewiesen.“ Mit dem lahmenden Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Ganztagsschulen nehme man die Benachteiligung von Frauen billigend in Kauf, so Jena.
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Erwerbsfähigen Leistungsbezieher in Bayern im September 2012, Datenstand Dezember 2012:
Insgesamt: 292.045, davon Frauen: 160.968
17 - unter 25 Jahre: 34.709, davon Frauen 20.543 (59 %, Bundesdurchschnitt 54 %)
25 - unter 35 Jahre: 61.664, davon Frauen 38.454 (62 %, Bundesdurchschnitt 55 %)

Als „erwerbsfähig“ gilt, wer nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.


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