Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 50 - 30.10.2019

Ausbildungsbilanz 2019: DGB Bayern sieht Luft nach oben

Scholl: „Die bayerischen Unternehmen müssen die Rosinenpickerei beenden!“

Anlässlich der heute veröffentlichten bayerischen Ausbildungsmarktzahlen zieht der DGB Bayern eine nüchterne Ausbildungsbilanz. Denn obwohl es in diesem Jahr noch 15.562 offene Ausbildungsstellen gab (2018: 16.236), sind wieder 1.010 Ausbildungsinteressierte in Bayern ohne Ausbildungsplatz (2017: 1.063). „Hier ist noch Luft nach oben. Die Betriebe müssten gerade in Zeiten des von ihnen so beklagten Fachkräftemangels viel größere Anstrengungen unternehmen, um ihre Ausbildungsplätze auch zu besetzen. Dass trotz tausender unbesetzter Stellen so viele Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf der Strecke bleiben, ist Irrsinn“, kritisiert Andro Scholl, Bezirksjugendsekretär des DGB Bayern.

Ein Großteil der unbesetzten Ausbildungsplätze entfällt auch in diesem Jahr auf den Einzelhandel, das Lebensmittelhandwerk und das Hotel- und Gaststättengewerbe. „Damit sind vor allem die Branchen betroffen, die in Sachen Ausbildungsqualität noch enormen Nachholbedarf haben“, so Scholl. Das zeige der aktuelle „Ausbildungsreport Bayern 2019“ der DGB-Jugend Bayern. „Schlechte Ausbildungsbedingungen, wie beispielsweise regelmäßige Überstunden und ausbildungsfremde Tätigkeiten, sind für viele Auszubildende in Bayern Alltag und führen nicht selten zum Ausbildungsabbruch. Gleichzeitig werden Ausbildungsinteressierte abgeschreckt. Hier gilt es Anreize zu schaffen und die Attraktivität des eigenen Ausbildungsberufes zu erhöhen. Dazu gehören neben Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Auszubildenden auch eine hervorragende Betreuung sowie eine gute Vergütung", betont Scholl.

Scholl zufolge müssten die Betriebe auch die Digitalisierung noch stärker in den Blick nehmen. „Auszubildende müssen gut auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet und entsprechend qualifiziert werden. Unser Ausbildungsreport 2019 hat jedoch deutlich gezeigt, dass dies noch längst nicht in allen Betrieben und Berufsschulen in Bayern der Fall ist. Hier braucht es jetzt deutlich mehr Investitionen.“

Darüber hinaus fordert Scholl die Betriebe auf, ihren Auswahlprozess zu überdenken: „Viele Unternehmen sieben bei potenziellen Azubis nach wie vor rigoros nach Schulabschluss und Noten aus. Jugendliche mit formal niedrigerer Qualifikation gehen dann meist leer aus. Die bayerischen Unternehmen müssen endlich umdenken und die Rosinenpickerei beenden! Denn alle jungen Menschen, die eine Ausbildung aufnehmen wollen oder bereits in Ausbildung sind, haben ein Recht auf eine gute und qualitativ hochwertige Ausbildung“, so Scholl abschließend.


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