Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 18 - 13.04.2021

Umfrage der DGB-Jugend Bayern zeigt: Lange Fahrtwege und hohe Fahrtkosten sind Alltag für viele Auszubildende

Thelen: „Wir brauchen im Freistaat jetzt ein kostengünstiges, flächendeckendes 365 €-Ticket für Auszubildende und dual Studierende!“

Mehr als drei Viertel (77,7 %) der Auszubildenden zahlen monatlich mehr als 50 Euro für die Fahrtkosten zum Ausbildungsbetrieb oder zur Berufsschule, knapp 40 Prozent haben gar Fahrtkosten von mehr als 100 Euro pro Monat. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer Online-Umfrage* der DGB-Jugend Bayern zur Mobilität in der Ausbildung.

Hierzu sagt Svenja Thelen, Bezirksjugendsekretärin beim DGB Bayern: „Das ist fatal, gerade vor dem Hintergrund, dass die aktuelle Mindestausbildungsvergütung im 1. Ausbildungsjahr bei 515 Euro pro Monat liegt. Wie sollen Auszubildende Fahrtkosten in dieser Höhe neben der Miete und anderen Lebenshaltungskosten finanzieren? Selbst bei höheren Ausbildungsvergütungen ist das eine erhebliche finanzielle Belastung.“

Zudem sind auch lange Fahrtwege in die Ausbildungsstätten für viele Auszubildende Alltag. So müssen 34,8 Prozent der Befragten mehr als 20 Kilometer zum Betrieb zurücklegen, 11,9 Prozent fahren 40 Kilometer und mehr. Für den Weg zur Berufsschule müssen 30 Prozent der befragten Auszubildenden über 40 Kilometer zurücklegen.

Dabei nutzen Auszubildende sowohl den ÖPNV (44,8%) als auch das Auto gleichermaßen (44,8%), 10 Prozent der Auszubildenden fahren mit dem Rad oder gehen zu Fuß. „Der hohe Nutzungsgrad des Autos lässt sich dadurch erklären, dass knapp 38 Prozent der Befragten angaben, dass sie den Betrieb ‚gar nicht‘ oder ‚weniger gut‘ mit dem ÖPNV erreichen. Bei der Berufsschule sind es 24,8 Prozent“, betont Thelen.

„Daher ist es dringend notwendig, den ÖPNV flächendeckend und schnell auszubauen. Darüber hinaus brauchen wir im Freistaat jetzt ein kostengünstiges, flächendeckendes 365 €-Ticket für Auszubildende und dual Studierende. Langfristig fordern wir jedoch ein kostenfreies Azubiticket. Hier sehen wir auch die Ausbildungsbetriebe in der Pflicht, für die Fahrtkosten ihrer Auszubildenden aufzukommen.“

90 Prozent der befragten Auszubildenden gaben an, ein landesweites Azubiticket für 1 Euro pro Tag nutzen zu wollen, und zwar unabhängig davon, wie viel sie im Monat für Fahrtkosten ausgeben oder welches Verkehrsmittel sie bisher nutzen.

„Mit einem kostengünstigen Azubi-Ticket erhalten Auszubildende und dual Studierende eine ökologische und bezahlbare Möglichkeit, ihre Ausbildungsstätten zu erreichen. Für die Auszubildenden wäre das finanziell eine enorme Entlastung. Gleichzeitig lässt sich so die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter steigern“, so Thelen abschließend.

Die Auswertung der Online-Umfrage kann in Broschürenform hier heruntergeladen werden.

 

* Die Ergebnisse basieren auf einer Stichprobe von 569 ausgewerteten Datensätzen. Dabei wurden die Antworten der Auszubildenden einbezogen, deren Wohnsitz in Bayern liegt oder bei denen sich die Berufsschule bzw. der Betrieb im Bundesland befindet.


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