Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 26 - 18.05.2020

DGB Bayern kritisiert menschenunwürdige Verhältnisse in Massenunterkünften

Jena: „Nicht nur ein Katalysator für Konflikte, sondern auch für Infektionen.“

Die Corona-Pandemie hat offengelegt, dass sich an den Unterkünften von Geflüchteten und den Massenunterkünften von Werkvertragsbeschäftigten in Schlachthöfen grundsätzlich etwas ändern muss. Enge Unterkünfte, Mehrbettzimmer und Waschräume unter schwierigen hygienischen Bedingungen fördern die Infektionen.

Hierzu Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern: „Natürlich ist es richtig, nach einem Ausbruch von Corona Quarantänemaßnahmen anzusetzen. Allerdings kann das Risiko eines Ausbruchs minimiert werden, wenn beispielsweise Geflüchtete entzerrt untergebracht werden. Massenunterkünfte sind nicht nur ein Katalysator für Konflikte, sondern eben auch für Infektionen.“ Hinzu komme, dass diese Verhältnisse menschenunwürdig seien, so Jena. „Auch für Beschäftigte in Schlachthöfen, die aus Osteuropa kommen, gelten die hiesigen Standards. Das gilt sowohl für die Arbeitsbedingungen als auch für das Wohnen. Ich erinnere an das Zitat von Max Frisch: ‚Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen.‘ Weil das so ist, müssen sie auch menschenwürdig behandelt werden“, betont Jena. Um zu gewährleisten, dass diese Standards eingehalten werden, seien Jena zufolge mehr Kontrollen und schärfere Sanktionen unabdingbar.

Zudem kritisiert der DGB Bayern Teile der Landwirtschaft, die Erntehelfer suchen, diese dann aber gleichzeitig über ein Praktikum kostenfrei arbeiten lassen. „Das muss aufhören. Ich nenne es Ausbeutung, wenn Menschen über ein Praktikum der Mindestlohn vorenthalten wird. Hier ist das Bayerische Innenministerium angehalten, die Ausländerämter zu einer einheitlichen Regelung zu bringen, die Lohnuntergrenzen nicht zu unterlaufen. Das Mindestlohngesetz definiert Praktika eng als Orientierung für eine Berufsausbildung oder Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit. Ein Unterlaufen des Mindestlohnes durch Scheinpraktika werden wir nicht hinnehmen“, so Jena.

Damit die Beschäftigten zu ihrem Recht kommen, wird der DGB Bayern sie gemeinsam mit den Beratungsstellen für „Faire Mobilität“ in München und Nürnberg sowie „Faire Integration“ in Nürnberg und Augsburg unterstützen.


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