Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 22 - 23.04.2021

Saisonstart im Corona-Jahr: DGB Bayern fordert Schutz für Erntehelfer*innen

Jena: „Wir brauchen einen Flächentarifvertrag, in dem die Rechte der Beschäftigten verbindlich abgesichert sind.“

Mit dem Saisonstart in der Landwirtschaft kommen auch in diesem Jahr tausende Erntehelferinnen und -helfer nach Bayern. Ende Juni 2020 waren 8.649 von ihnen ohne Kranken-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung auf bayerischen Feldern beschäftigt. Auch in diesem zweiten Corona-Jahr hat die Bundesregierung die eigentlich auf 70 Tage begrenzte Frist, innerhalb der die Erntehelfer*innen sozialversicherungsfrei beschäftigt werden können, trotz Pandemie auf insgesamt 102 Tage ausgeweitet.

„Ohne die Saisonbeschäftigten aus Rumänien, Polen oder Bulgarien gibt es keinen Spargel, keine Erdbeeren und keinen Wein. Aber in der Landwirtschaft gilt das Credo: Billig müssen die Arbeitskräfte sein“, kritisiert der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena. „Die Bundesregierung ist erneut vor der Landwirtschaftslobby eingeknickt und eröffnet Tür und Tor, um die Sozialversicherungspflicht für vier Monate zu umgehen. Wir lehnen diese missbrauchsanfällige Regelung ab. Diese war ursprünglich für die Ferienzeit von Schüler*innen und Studierenden gedacht. Darauf muss sie auch wieder begrenzt werden“, fordert Jena.

Darüber hinaus sei laut Jena davon auszugehen, dass Hygiene- und Infektionsschutzregeln nicht eingehalten und zu wenig kontrolliert werden: „Wegen Corona müssen Schlafräume eigentlich einzeln belegt werden. Aber auch hier lässt die Bundesregierung Schlupflöcher: Wenn eine Einzelbelegung nicht möglich ist, darf mit einer halbierten Belegungsdichte einfach weitergearbeitet werden Beschäftigte müssten nachts in einem Doppel- oder Vierbettzimmer schlafen, ohne zu wissen, ob ihre Kolleg*innen sie vielleicht anstecken. Um Zustände wie in der Fleischwirtschaft zu vermeiden, müssen die Beschäftigten unbedingt besser geschützt werden. Zumindest für die Dauer der Pandemie muss eine zwingende Unterbringung in Einzelzimmern gelten.“  

Der DGB fordert Sozialversicherungsschutz ab dem ersten Tag der Beschäftigung sowie einen schlagkräftigen Arbeits- und Infektionsschutz. „Zudem ist dem Mindestlohnbetrug ebenso wie den miesen, überteuerten Unterkünften endlich ein Ende zu bereiten“, so Jena. Der Gewerkschafter fordert, dass Arbeitgeber an den Verhandlungstisch mit der zuständigen Branchengewerkschaft IG BAU kommen: „Wir brauchen einen Flächentarifvertrag, in dem die Rechte der Beschäftigten verbindlich abgesichert sind“, so Jena abschließend.


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