Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 70 - 12.11.2023

Erinnern heißt kämpfen. DGB-Jugend Bayern erinnert an Opfer des Nationalsozialismus

Zadoff: „Das Erbe der Überlebenden anzutreten, ist ein Erbe des widerständigen Erinnerns.“

Seit über 70 Jahren erinnert die DGB-Jugend Bayern jährlich an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch am heutigen Sonntag trug sie in der KZ-Gedenkstätte Dachau ihre Gedenkveranstaltung aus. In Zeiten, in denen jüdische Gräber geschändet werden, in denen auf den Straßen unverhohlen die Auslöschung Israels beschwört wird, und in denen der stellvertretende bayerische Ministerpräsident nach Bekanntwerden seiner rechtsextremen Haltung mindestens während der Jugendzeit nicht nur im Amt belassen, sondern von den Menschen per Direktmandat erneut in den Landtag gewählt wurde, war das Motto „Erinnern heißt kämpfen“ aktueller denn je.

Die Gedenkrede hielt in diesem Jahr Prof. Dr. Mirjam Zadoff, Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München. Sie forderte in ihrer Gedenkrede vor dem ehemaligen Krematorium des KZ Dachau dazu auf, die Erinnerungsarbeit der Überlebenden fortzuführen: „Überlebende zählten zu den ersten, die gegen alle Widerstände, ein Erinnern einforderten, indem sie ihre Erlebnisse sinnloser Gewalt in eine Erzählung formulierten, die wir weitergeben können. Ihr Erbe anzutreten, ist ein Erbe des widerständigen Erinnerns."

Anna Gmeiner, Bezirksjugendsekretärin der DGB-Jugend Bayern hatte zuvor in ihrer Begrüßung auf den erneuten Einzug einer rechtsextremen Partei in den bayerischen Landtag hingewiesen: „90 Jahre nachdem das erste Konzentrationslager eingerichtet wurde, lebt in den Köpfen gewählter Abgeordneter die Idee der Ausgrenzung, die Idee der Stigmatisierung, die Idee davon, welches Leben in Deutschland erwünscht ist und welches Leben nicht, weiter. Erinnern heißt kämpfen ist daher unser Auftrag.“

Eine besondere Ehre war das Grußwort des Zeitzeugen und Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau Ernst Grube. Nach einer eindrücklichen Schilderung des Schicksals seiner Familie mit einer jüdischen Mutter und einem kommunistisch eingestellten Vater mahnte er an: "Wir gedenken heute der Menschen, die ab 1933 in die Hölle des Konzentrationslagers Dachau gebracht wurden. Zum Gedenken gehört Wissen! Und begreifen wollen, wie diese Verbrechen geschehen konnten, wer Hand angelegt hat, wer beteiligt war, wer Profit und Nutzen daraus zog - über das Kriegsende hinaus. Gedenken beinhaltet auch erkennen zu wollen, warum diese Verbrechen nicht rechtzeitig verhindert wurden.

 

Hintergrund:

Mit der Gedenkfeier anlässlich der Novemberpogrome 1938 erinnert die DGB-Jugend Bayern seit 1952 jährlich im ehemaligen Konzentrationslager Dachau an die Opfer des Nationalsozialismus. Das Motto „Erinnern heißt kämpfen“ zeigt auf, dass Erinnerungsarbeit untrennbar mit der moralischen und politischen Verpflichtung für aktives demokratisches Eingreifen in die heutigen Verhältnisse verbunden ist. 2017 löste das Motto nach dem erstmaligen Einzug der AfD in den Bundestag das vorherige Motto „Erinnerung muss leben“ ab.

Neben den Redebeiträgen stellen seit 2012 Ehrenamtliche der Gewerkschaftsjugend auf dem Weg vom ehemaligen Appellplatz zum ehemaligen Krematorium selbst recherchierte Biografien von Opfern des Nationalsozialismus vor.


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